Sido zum Tag der Deutschen Einheit: "Ich finde, wir könnten das auch vergessen einfach"

Sido zum Tag der Deutschen Einheit: "Ich finde, wir könnten das auch vergessen einfach"

In der Talkshow "Hier spricht Berlin" sprechen Moderatorinnen Eva-Maria Lemke und Jessy Wellmer mit ihren Gästen über den Tag der Deutschen Einheit und persönliche Erfahrungen mit der Wende und der DDR. Rapper Sido zeigt bei dem Thema wenig Begeisterung.

Sido ist nicht nur ein erfolgreicher Rapper, sondern jetzt auch als Juror bei The Voice tätig. Im RBBist er vor Kurzem auch Gast in einer neuen Talkshow. Es zeigt sich, dass der aus Berlin stammende Künstler nur wenig mit der DDR anfangen kann, aber auch der Tag der Deutschen Einheit ist ihm eher ein Dorn im Auge.

"Ich war schnell in den Fängen des Kapitalismus"

Als Sido über den Mauerfall spricht, gibt er zu, diesen als damals 9-Jähriger gar nicht richtig mitbekommen zu haben. Noch am Abend wird er zu seiner Großmutter gebracht, bei der auch übernachtet. Von den Ereignissen des 9. Novembers bekommt er erst am nächsten Tag wirklich etwas mit.

Dem Rapper scheint die neue Welt zu gefallen:

Ich war schnell in den Fängen des Kapitalismus. [...] Ich fand das einfach krass, dieser Überfluss im Supermarkt und so. [...] Das, was in diesem Überraschungs-Ei war, das war für mich heilig, das hab ich jahrelang behalten.

Allerdings ist er kein großer Freund des Tag der Deutschen Einheit. Sidos Meinung dazu:

Man erinnert mit diesem Feiertag an eine Mauer. Die Mauer ist nichts Gutes und wenn du das feierst, diesen Mauerfall, erinnerst du auch immer wieder daran, dass es eine Mauer gab. Ich finde, wir könnten das auch vergessen einfach.

Schlimme Zeiten

Der Satz ist dann vielleicht besser nachzuvollziehen, wenn man weiß, wie es Familie Würdig - so heißt der Rapper bürgerlich - in der DDR ergeht. Als Sido nämlich von seiner Mutter redet - vor der hat er sogar so viel Respekt, dass er sich im Fernsehen manchmal ein bisschen verstellen muss - merkt man, dass die Familie in der DDR schlimme Zeiten durchgemacht haben muss.

Er erzählt, dass seine Mutter Sinti ist und eine dunkle Hautfarbe hat. Damit fühlt sie sich in der ehemaligen DDR einfach nicht zugehörig. Außerdem muss sie anscheinend wegen Nichtigkeiten sogar ins Gefängnis:

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Meine Mutter hatte grosse Probleme im Osten. Die kam dreimal zu spät zur Arbeit und sass infolgedessen 4 ½ Jahre im Knast.

Kurz vor dem Mauerfall geht die Familie - Mutter, Sohn und Tochter - dann in den Westen. Sido scheint mit der Vergangenheit so schlimme Zeiten zu verbinden, dass er lange sogar verheimlicht, in der DDR aufgewachsen zu sein.

Wir verstehen, dass diese Zeit unangenehme Gefühle in ihm schürt, aber gerade deswegen feiern wir heute: Diese Zeiten sind vorbei.

Simone Haug
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