Neue Corona-Maßnahmen sollen künftig nicht mehr aufgrund von Inzidenzwerten entschieden werden

Expertinnen und Experten fordern es bereits seit Monaten: Die Inzidenzwerte sollen nicht das einzige Kriterium für Corona-Maßnahmen sein. Jetzt beginnt die Politik, zuzuhören.

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Seit die Impfkampagne gegen das Coronavirus in Deutschland Anfang des Jahres angelaufen ist, besteht der Zwist zwischen der Politik und denjenigen Menschen, die sich mit Viren auskennen.

Die Expertinnen und Experten des Robert Koch-Instituts (RKI) pochen schon lange darauf, dass die Inzidenzwerte nicht so aussagekräftig sind, wie sie scheinen.

Impfkampagne macht Inzidenzen überflüssig

Denn diese Zahlen, nach denen sich die deutsche Regierung seit Beginn der Pandemie richtet, können heute nicht mehr auf die gleiche Weise interpretiert werden, wie noch letztes Jahr.

Selbst wenn Geimpfte sich noch mit dem Virus anstecken, liegt die Wahrscheinlichkeit einer schweren Erkrankung sehr niedrig. Wenn also keine Gefahr von einem schweren Verlauf ausgeht - wieso dann die Inzidenz zählen?

Lage in Krankenhäusern entscheidend

Selbst wenn theoretisch alle Menschen Corona hätten, ihre Krankheit aber milde verliefe, gäbe es keinen Grund für scharfe Maßnahmen, wie zum Beispiel einen weiteren Lockdown.

Die Regierung scheint nun, nachdem Experten monatelang auf sie eingeredet haben, anzufangen, auf deren Rat zu hören. Künftig soll die Inzidenz nicht der einzige Faktor sein, der für oder gegen Maßnahmen entscheidet.

Vielmehr soll die Lage in Krankenhäusern zur Bewertung der Gesamtsituation dienen. Davon berichtet die Bild, der ein internes Dokument des RKI vorliegt.

RKI und Politiker sind zuversichtlich

Das RKI geht davon aus, dass die Zahl der schweren Krankheitsfälle im Zuge der fortschreitenden Impfungen immer weiter sinken wird. Die Risikogruppen seien fast vollständig durchgeimpft.

Dies würde dann auch strenge Maßnahmen, wie wir sie periodisch über das letzte Jahr hinweg erlebt haben, nicht mehr rechtfertigen. CDU-Politiker Friedrich Merz zeigt sich erleichtert.

Gegenüber der Bild kommentiert er, dass die Abkehr vom Inzidenzwert „die langersehnte Wende für uns alle“ sein könnte. Andreas Gassen, der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), hält eine Impfquote von 90 Prozent, wie sie das RKI anstrebt, für wenig realistisch.

Deutschland müsse sich daher seiner Aussage nach „mit höheren Infektionszahlen arrangieren“. Alles in allem könnte man gelassen an die Sache herangehen, wenn es zwar eine vierte Welle, aber nicht mehr viele Kranke gibt.