Der Gedanke, dass Alkohol für Muslime absolut tabu ist, taucht nicht einfach irgendwoher auf. Hinter dem Verbot steckt kein vergessener Brauch, sondern eine Geschichte, die sich über die Jahrhunderte entwickelt hat – und die lässt sich tatsächlich auf einige zentrale Verse im Koran zurückführen. Schon im siebten Jahrhundert kristallisiert sich heraus, dass sogenannte „Khamr“, also berauschende Getränke, im Islam nichts zu suchen haben. Damals forderte nicht nur der Glaube, sondern auch der Koran eine klare Trennung zwischen dem Genuss alkoholischer Getränke und dem religiösen Leben.
Der Koran und die „Sünde, die größer ist als der Nutzen“
Zunächst betont der Koran, dass Wein durchaus „nützliche Dinge für die Menschen“ bringen könnte. Aber dann folgt der Satz, der alles kippt:
„die Sünde ist größer als der Nutzen“ (Sure 2, Vers 219).
Was im ersten Moment wie eine Abwägung klingt, wird in weiteren Versen immer strikter. In Sure 4, Vers 43 heißt es:
„O ihr Gläubigen! Näht euch nicht zum Gebet, während ihr betrunken seid, bis ihr versteht, was ihr sagt.“
Schon hier wird klar, dass Trunkenheit die Religionsausübung beeinträchtigt. Die strengste Formulierung jedoch kommt in Sure 5, Vers 90:
„O ihr, die ihr glaubt, Wein, Glücksspiel, Götzenaltäre und Lospfeile sind ein Gräuel und Werk des Teufels; meidet sie daher!“
Und weiter, im nächsten Vers, worauf alles hinausläuft:
„Der Teufel will durch Wein und Glücksspiel Feindschaft und Hass unter euch säen und euch vom Gedenken Allahs und vom Gebet abhalten. Werdet ihr dem ein Ende setzen?“
Das Ergebnis? Alkohol gilt als haram, also absolut verboten. Selbst kleine Mengen sind nicht erlaubt. Und so wurde das Verbot zum festen Bestandteil islamischen Lebens – nicht einfach kulturell, sondern klar religiös begründet.
Halal, haram und was sonst noch zählt: Essen, Trinken, Regeln
Das Verbot betrifft nicht nur Alkohol allein. Der Koran zählt auch weitere Speisen zu haram: Schweinefleisch, Blut, Fleisch nicht rituell geschlachteter Tiere, Fleisch von Raubtieren und Greifvögeln oder auch giftige Amphibienarten. Strenge Gläubige achten darauf, die Zutatenliste sämtlicher Produkte genau zu prüfen, denn oft versteckt sich Alkohol oder tierisches Fett in industriell hergestellter Ware. Wer auf Nummer sicher gehen will, setzt auf ein Halal-Zertifikat.
Interessant bei Fisch und Meeresfrüchten: Die Mehrzahl der Muslime darf beides essen, ohne spezielle Schlachtregeln. Für Sunniten hanafitischer Richtung und viele Schiiten sieht das anders aus – dort gilt nur Fisch als „rein“, Meeresfrüchte sind tabu.
Die Sache mit dem Pferdefleisch ist besonders: Das wird im Islam meist erlaubt, aber nicht, weil es explizit so im Koran steht. Die Grundlage liefern Hadithe, also Aussagen und Handlungen des Propheten.
Alkoholismus und Vergebung im Glauben
Wer trotz des Verbots trinkt, wird in der Regel als sündig angesehen. Dennoch lässt der Glaube Raum für Reue: Wer aufhört und Allah um Vergebung bittet, kann Vergebung erfahren und wird in der Gemeinschaft weiterhin akzeptiert.
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