Warum ist die Rezeptur von Coca-Cola geheim?

Es soll sich um eines der bestgehüteten Geheimnisse der Welt handeln: Die Rezeptur für Coca-Cola, das allseits beliebte Erfrischungsgetränk, das im Jahr 1886 entwickelt wird. Aber warum die Geheimniskrämerei? Weil das prickelnde Erfrischungsgetränk etwa Kokain enthält? Natürlich nicht. Jedenfalls nicht mehr seit 1903. Die Coca-Cola Company selbst streitet dessen Verwendung übrigens kategorisch ab.

Auch der Alkohol, der ursprünglich in dem Getränk enthalten ist, schafft es schon seit einer ganzen Weile nicht mehr in die Flaschen und Dosen der Firma. Er wird einfach durch Zucker ersetzt. Warum wird das Coca-Cola-Rezept also so geheim gehalten wie die Castings vor jedem neu besetzten James Bond?

Coca-Cola? Nur in der Apotheke

Lasst uns vor Beantwortung der Frage vielleicht erst einmal kurz auf die Geschichte von Coca-Cola zurückblicken. Ganz uninteressant ist die nämlich auch nicht. Im Jahr 1886 erfindet der amerikanische Arzt und Apotheker John Pemberton die erste Version des Softdrinks.

Zweck des braunen Zuckerwassers ist damals aber nicht, den Durst zu löschen. Der Sirup soll damals, gemischt mit Sodawasser, eigentlich eher Müdigkeit und Kopfschmerzen lindern und ist für läppische 5 Cent pro Glas in Jacob’s Pharmacy erhältlich. Na gut, so wenig sind die 5 Cent von damals heute auch nicht mehr.

Seinen Namen hat das Erfolgsgetränk keinem geringerem als dem Buchhalter von Pemberton zu verdanken. So richtig kreativ ist der dann damals aber auch nur eingeschränkt: Das Getränk enthält als Zutaten u.a. Kokablätter und Kolanuss. Den Rest kann wir uns alle wohl denken.

Die Erfolgsgeschite nimmt ihren Lauf

Kurz nach der Geburtsstunde des Getränks kommt es dann zu einem wichtigen Schritt in der Geschichte von Coca-Cola: Pemberton verkauft kurz nach seinem Patentantrag ⅔ seiner Rechte an den emsigen Unternehmer Asa Griggs Candler - irgendwie muss er nämlich seine Morphiumsucht finanzieren.

Candler gründet im Jahr 1892 die Coca-Cola Company und lässt kurz darauf die Marke schützen. Es ist der Beginn einer Erfolgsgeschichte, die bis heute kein Ende nimmt.

Das ist einerseits sicherlich der Tatsache zu verdanken, dass Candler damals schon fast Unsummen in die Werbung für das Getränk steckt (nur so nebenbei: auch heute hat sich das kaum geändert, im Jahr 2016 gibt die Firma ca. 4 Milliarden US-Dollar für Werbung und Marketing aus und erzielt damit einen Gewinn von knapp 6,5 Milliarden US-Dollar). Andererseits ist vielleicht auch seine angeblich geheime Rezeptur der Grund dafür.

Der ominöse Tresor

Seit jeher hören wir, dass die mysteriöse Zusammensetzung von Coca-Cola nur drei Menschen auf der Welt kennen. Man hört auch, dass die Niederschrift der Rezeptur in einem Tresor in Atlanta, in der World of Coca-Cola, dem Museum der Marke, eingeschlossen ist.

Neben dem Safe befinden sich sowohl ein Handabdrucks-Scanner als auch eine Zahlentastatur. Es weiß allerdings niemand, ob diese wirklich einem Zweck dienen oder nicht eher der Fantasie eines eingefleischten Filmfans entsprungen sind, der ein bisschen zu viel Ocean’s Eleven gesehen hat.

Und was noch verrückter ist: Es heißt sogar, dass alle Coca-Cola-Flaschen in den USA dort hergestellt und von dort aus auch verschickt werden, damit niemand das Rezept des berühmten Getränks entdecken kann. Unsinn.

In Wirklichkeit ist das Rezept von Coca-Cola vollkommen bekannt. Die Zutaten sind auf den Flaschen und Dosen gut lesbar angegeben. Ihr werdet mir jetzt vielleicht entgegnen: Ja, aber nur aus den Zutaten lässt sich noch lange nicht auf die Dosierung schließen.

Das stimmt zwar irgendwie, ist aber auch irgendwie falsch. Die Chromatografie, eine Methode, mit der die verschiedenen Verbindungen in einer Mischung und ihre Menge identifiziert werden können, konnte das genaue Rezept von Coca-Cola enthüllen - bis auf den Milliliter genau!

Natürlich wird der Herstellungsprozess dabei nicht enthüllt, aber theoretisch könnte man ein paar Chemiker:innen anstellen, um den Inhalt einer Dose zu reproduzieren.

Wer eine Cola-Dose zur Hand hat, kann dort lesen, dass das Getränk folgende Zutaten beinhaltet: u. a. Wasser, Kohlensäure, Süßungsmittel und natürliches Aroma. Und nein, man findet weder Kokain noch Kokablätter oder Kolanüsse in dem Rezept. Nur Koffein. Immerhin.

Woher der Mythos?

Wie kommt es dann, dass wir uns vorstellen, dass das alles so geheim ist, obwohl es das überhaupt nicht ist? Es ist die Marke selbst, die diesen Mythos geschaffen hat. Schöne Grüße aus der PR-Abteilung.

Die Legende um das Geheimrezept von Coca-Cola macht zumindest zu Teilen auch den Erfolg von Coca-Cola aus. Es ist ein wunderbares Storytelling für die Marke. Das Getränk wird als geheimnisvoll wahrgenommen, also gewinnt es an Wert. Die Idee verdanken wir Robert W. Woodruff, der von 1923 bis 1954 Präsident von Coca-Cola ist.

Nun fragt ihr euch sicherlich, warum die Konkurrenz das Rezept nicht einfach übernimmt und warum Pepsi dann nicht so gut schmeckt. Wenn die Konkurrenz nicht kopiert, liegt das u. a. vielleicht daran, dass es interessanter ist, sich von der Masse abzuheben und seine eigene Cola herzustellen.

Die schmeckt vielen dann sogar tatsächlich auch viel besser als das Original. Das beste Beispiel dafür ist ein aus dem Jahr 2004, den Forschende damals durchführen. Sie verbinden Proband:innen die Augen und lassen sie sowohl Coca-Cola als auch Pepsi probieren.

Insgesamt bevorzugen die Proband:innen Pepsi. Als man ihnen jedoch die Augenbinde abnimmt und das Experiment wiederholt, bevorzugen sie auf einmal Coca-Cola.

Übrigens, kleine Fun Fact am Rande: Coca-Cola ist fast weltweit das meistverkaufte Cola-Getränk. Ein kleines deutsches Bundesland leistet allerdings beharrlich Widerstand: In Thüringen verdrängt Vita Cola den traditionellen Softdrink von Rang 1.

Letztendlich lässt sich sagen, dass Geschmack zwar mit unseren Geschmacksknospen zusammenhängt, aber eben auch mit guten alten Marketingstrategien. Wer kann schon die Firma nicht leiden, die den Weihnachtsmann erfunden hat? Da dürfen sie gerne ein paar Geheimnisse für sich behalten.

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