Abenteurer lässt sich bei lebendigem Leib von Anakonda fressen
Abenteurer lässt sich bei lebendigem Leib von Anakonda fressen
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Abenteurer lässt sich bei lebendigem Leib von Anakonda fressen

Der Naturschützer Paul Rosolie will auf die Zerstörung des Regenwaldes aufmerksam machen. Deshalb dreht er eine Schock-Doku für den Discovery Channel, in der er sich bei lebendigem Leibe von einer Anakonda fressen lassen will. Ob das gut geht?

Die Sendung heißt Eaten alive, wörtlich „lebendig verschlungen“. Seit einigen Wochen arbeitet Discovery Channel hart daran, seine neue Schockdokumentation zu promoten. Interviews, spannende Clips, alles ist durchgeplant, damit über die Show gesprochen wird.

Paul Rosolies ungewöhnlicher Beitrag zum Klimaschutz

Und es funktioniert tatsächlich, es entsteht sogar eine regelrechte Polemik. Logisch, wenn man bedenkt, worum es geht: Einen Mann dabei zu filmen, der versucht, lebendig von einer Anakonda verschluckt zu werden. Die Idee stammt vom Amphibien- und Reptilienforscher Paul Rosolie. Er hat sich gefragt, was er tun könnte, um auf die Zerstörung des Amazonaswaldes aufmerksam zu machen. Dem Telegraph sagt er:

Jeder auf der Erde weiß, dass die tropischen Wälder verschwinden und die meisten können Ihnen sagen, wie wichtig sie sind, aber zu wenig Leute achten darauf und erkennen, wie weitreichend dieses Problem wirklich ist.

Um die Öffentlichkeit zu sensibilisieren, denkt er daran, etwas tun, was Aufmerksamkeit erregt. Eine Überlegung, die zu einer völlig absurden Herausforderung führt: Sich von einer Anakonda, einer der größten Schlangen der Welt, angreifen zu lassen.

Heftige Kritik

Auch wenn das Ziel lobenswert ist, zieht der Forscher schnell den Zorn vieler Menschen und Tierschutzverbände, darunter PETA, auf sich. PETA meint, wenn die Beschreibung des Dokumentarfilms zutreffend sei, würde die Schlange „für Einschaltquoten gequält“. Sie sei dann nur ein Werbegag: „Anakondas kommen tagelang ohne Nahrung aus und teilen sich ihre Energie gut ein.“ PETA argumentiert weiter:

Diese Schlange zu zwingen, ihre Energie zu nutzen, um diesen Idioten zu schlucken und möglicherweise danach wieder heraufwürgen, würde dieses arme Tier kraftlos zurücklassen und ihm die Energie entziehen, die es braucht.

Wie von vielen erwartet, hält die Show nicht, was sie seit Wochen verspricht: Rosolie wird von der Anakonda nicht wirklich verschluckt. Es werden all jene enttäuscht, die erwarten, die Innereien einer Riesenschlange entdecken zu können.

„Lebendig verschlungen“

Tatsächlich geht Paul Rosolie nicht bis zum Ende des Experiments und beendet es, als die Anakonda beginnt, ihn zu umschließen. Um der Kraft der Riesenschlange zu standhalten zu können und nicht zu ersticken, entwickeln der Naturforscher und sein Team eine Art Rüstung aus Kohlefaser, die mit einem Atmungssystem ausgestattet ist. So ausgestattet nähert sich der Mann der Anakonda, einem Weibchen von 6 Metern Länge, das im Amazonas lebt.

Als ich mich der Schlange näherte, versuchte sie nicht sofort, mich zu fressen“, sagt der Amphibienforscher. „Sie versuchte zu fliehen. Und als ich sie ein wenig provozierte, benahm sie sich zunehmend wie ein Raubtier, dann drehte sie sich um und verteidigte sich.“ Aber was dann folgt, überrascht ihn und er kann bis heute nicht verstehen, was in dem Moment geschieht. Der Mann unterschätzt die Kraft des Reptils ganz offensichtlich.

"Ich fühlte seinen Kiefer"

Das Tier beginnt sich um Rosolie zu schlingen und sich zusammenzuziehen. „Ich fühlte seinen Kiefer auf meinem Helm und ich konnte ein Glucksen und ein Zischen hören“, erklärt er. Außerdem fühlt er auch, wie die Schlange seinen Arm kräftig umschlingt, sodass er dadurch völlig bewegungsunfähig wird.

Anakonda in ihrer natürlichen Umgebung  Matthieu Berroneau@Getty Images

Ihre ganze Kraft konzentrierte sich auf meinen Arm, ich spürte, dass meine Hand nicht mehr durchblutet war, dass sich der Knochen zu biegen begann und bald brechen würde.“ Nachdem er eine Stunde mit dem Reptil verbringt, bekommt der 30-jährige Naturforscher Panik und ruft um Hilfe.

Leute, ihr müsst kommen.... Ich brauche Hilfe“, hört man ihn in der Dokumentation. Das Team greift schnell ein, um die Schlange zu fangen und Rosolie aus der Umklammerung zu lösen. Dieser ist vom Kampf mit dem Riesen total erschöpft.

Wie geht es der Schlange?

Nach der Show besteht der Naturforscher darauf, dass das Team darauf achtet, die Schlange nicht zu verletzen und dass sie während des Experiments das einzige Lebewesen in Gefahr ist. „Wir haben die Schlange zu nichts gezwungen, wir haben sie nicht dazu gebracht, etwas für sie Ungewöhnliches zu tun“, versichert er dem Telegraph.

Schlangen würgen vieles wieder hoch, wenn sie etwas gefressen haben und wenn ein Raubtier vorbeikommt, müssen sie ihre Beute aufgeben, um zu fliehen“, erklärt er vor der Sendung. Nach dem Experiment sei die Schlange unverletzt entkommen und wird nach der Untersuchung durch einen Tierarzt in die Wildnis entlassen. Rosolie erleidet keine schweren Verletzungen. Aber man ist weit entfernt von Ende gut, alles gut.

Spendenaktion für den Amazonas

Obwohl die Discovery-Channel-Show mit einer Spendenaktion zum Schutz des Amazonas verbunden ist, ist nicht sicher, ob es ihr wirklich gelingt, die Botschaft zu vermitteln, auf die der Forscher hofft. Viele Menschen sind enttäuscht und schockiert vom Umgang mit der Schlange und der Dokumentarfilm kann nur wenige überzeugen.

Dennoch bereut Rosolie seine unglaubliche und erschreckende Erfahrung nicht. Er ignoriert seine Kritiker: „Was haben Sie getan, um den Regenwald und seine bedrohten Arten zu schützen?“, sagt er im Interview mit Discovery News. „Verzweifelte Situationen erfordern verzweifelte Maßnahmen“, schließt er.

Von Pia Karim

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