Vor dritter Impfdosis: WHO will armen Ländern den Vortritt lassen

Der Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation (WHO) appelliert an die reichen Länder der Welt, mit dem Drittimpfungen zu warten, bis auch die armen Länder an der Reihe waren.

Nachdem Israel bereits im Juli begonnen hat, seinen älteren Bürgern eine dritte Impfdosis zu verabreichen, kündigt die deutsche Regierung das gleiche für September an.

Dass womöglich eine sogenannte "Booster-Impfung" nötig sein wird, vermutet die Wissenschaft schon seit längerem, hat dies aber noch nicht bewiesen.

Das erklärt die Leiterin der WHO-Abteilung für Impfstoffe, Katherine O'Brien, bei einer Pressekonferenz. Bisher ist es nur eine kleine Gruppe, die die dritte Dosis nötig hat.

Unsolidarisch gegenüber armen Ländern

Der WHO-Generaldirektor, Tedros Adhanom Ghebreyesus, fordert die Länder zum Warten auf, zumindest so lange, bis in jedem Land der Welt zehn Prozent der Bevölkerung geimpft sind.

Die Ungleichheit zwischen den Ländern, die die Impfstoffverteilung noch vergrößert, ist nicht im Sinne der Wertgrundsätze der WHO. Verpflichtend ist Ghebreyesus' Appell für die Mitgliedsstaaten der WHO allerdings nicht.

Ungleiche Verteilung

Während Länder mit hohen Einkommen durchschnittlich 100 Impfdosen pro 100 Einwohner:innen verabreicht hätten, liege dieser Wert in Ländern mit niedrigerem Einkommen bei nur 1,5 Dosen.

Ghebreyesus erklärt außerdem, dass die Herausbildung neuer Virusvarianten umso wahrscheinlicher wird, je länger das Coronavirus inmitten einer ungeimpften bevölkerungsreichen Gruppe umgeht.

Novavax - Die nächste große Hoffnung für Europa

Zugleich erlaubt die EU-Kommission einen Kaufvertrag für bis zu 200 Millionen Dosen des Impfstoffs von Novavax. Das Vakzin ist in der Europäischen Union noch nicht zugelassen.

Sobald auch die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) zustimmt, können die EU-Staaten bis zu 100 Millionen Dosen bestellen. Weitere 100 Millionen Dosen können bis 2023 bestellt werden.

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