Plötzlich ist die Harmonie zwischen Donald Trump und Merz dahin. Was vor kurzem noch wie eine stabile Arbeitsbeziehung zwischen den USA und Deutschland schien, ist nach einer öffentlichen Attacke des US-Präsidenten Geschichte. Auslöser war eine Reihe kritischer Äußerungen des deutschen Kanzlers zur amerikanischen Strategie im Iran-Krieg. Nun folgt die Retourkutsche von Trump – und zwar so deutlich, dass sogar eingefleischte Beobachter der internationalen Politik aufhorchen.
Trump schießt auf Merz und Deutschland
Die Debatte begann, als Friedrich Merz am 27. April anmerkte, die Amerikaner hätten "keine echte Strategie im Krieg gegen den Iran" und sich skeptisch über die langfristigen Folgen äußerte. Wenig später platzte bei Trump der Kragen. Über Truth Social griff er Merz scharf an:
"Der Kanzler von Deutschland, Friedrich Merz, findet es okay, wenn der Iran eine Nuklearwaffe hat. Er hat keine Ahnung, wovon er spricht! Wenn der Iran eine Nuklearwaffe hätte, würde er die ganze Welt in Geiselhaft nehmen. (…) Kein Wunder, dass es Deutschland so schlecht geht, wirtschaftlich und in anderen Belangen."
Diese Behauptung hätte wohl kaum jemand erwartet, denn Merz hat laut t-online stets betont, dass der Iran keine Atomwaffen besitzen dürfe. Trotzdem nutzt Trump die Gelegenheit für einen öffentlichen Rundumschlag und spielt dabei auch auf die wirtschaftliche Lage Deutschlands an. Das Verhältnis der beiden scheint damit ernsthaft beschädigt.
Merz bleibt kritisch – und warnt vor Folgen
Der deutsche Kanzler bleibt jedoch bei seiner Linie: Er halte das Vorgehen der USA für wenig überlegt und sieht alle Europäer außen vor. Merz kritisiert:
"Weil die Iraner offensichtlich stärker sind als gedacht und die Amerikaner offensichtlich auch in den Verhandlungen keine wirklich überzeugende Strategie haben."
Zudem bemängelte er, dass Deutschland sowie andere EU-Länder weder gefragt noch konsultiert worden seien, bevor die Amerikaner gemeinsam mit Israel militärisch gegen den Iran vorgingen. Seine Warnung ist eindeutig:
"Da muss man ja nicht nur rein, da muss man auch wieder raus. Das haben wir ganz schmerzhaft bei Afghanistan gesehen, 20 Jahre lang. Wir haben das im Irak gesehen."
Als besonders problematisch empfindet Merz die fehlende Exit-Strategie der USA:
"Die Amerikaner seien im Iran 'ganz offensichtlich ohne jede Strategie in diesen Krieg gegangen'."
Ihm zufolge erschwert dies das Ende des Konflikts erheblich. Was die wirtschaftlichen Auswirkungen angeht, macht Merz klar, wie sehr die Bundesrepublik unter der aktuellen Lage leidet:
"Dieser Konflikt, dieser Krieg gegen den Iran hat unmittelbare Auswirkungen auf unsere Wirtschaftsleistung."
Bereits jetzt koste der Konflikt Deutschland "sehr viel Geld".
Unübersichtliche Lage und gegenseitige Vorwürfe
Die Motive hinter Trumps Attacke bleiben rätselhaft, zumal Merz immer wieder betont hat, dass der Iran keine Atomwaffe besitzen dürfe. Vielleicht geht es weniger um Fakten, sondern um die offene Kritik aus Berlin. Merz hatte laut eigenen Angaben schon zweimal direkt gegenüber Trump sein Skepsis angesprochen, wünschte sich inzwischen aber, er hätte noch deutlicher gewarnt:
"Wenn ich gewusst hätte, dass es fünf Wochen, sechs Wochen so weitergeht und immer schlimmer wird, dann hätte ich es ihm noch eindringlicher gesagt."
Für Deutschland bleibt die Lage jedenfalls "im Augenblick eine ziemlich vertrackte Lage", wie der Kanzler es ausdrückt – mit Konsequenzen für Wirtschaft und Politik.
Auch Interessant:
"Lasst die Show weiterlaufen" – Wie Trump nach den Schüssen reagiert
„Schlechte Entscheidungen“ – wie Trump das Geburtsrecht auf die politische Bühne bringt
„Ich habe keine Angst vor der Trump-Regierung“: Papst Leo XIV. im Fokus des Strets
Verwendete Quelle:
Donald Trump attackiert Merz: US-Präsident mit Kritik an Deutschland




