Ex-General warnt Deutschland: Bei einem Angriff "wären wir hoffnungslos ausgeliefert"

Als Brigadegeneral a. D. kennt sich Erich Vad in militärischen Angelegenheiten bestens aus. In einem Interview verrät er nun, wie er die Lage der Bundeswehr einschätzt und weshalb wir bei einem möglichen Angriff eher schlecht gewappnet sind.

Im Interview mit dem Stern geht es vornehmlich darum, für wie erfolgreich der heutige Unternehmensberater die angeblich große Gegenoffensive der Ukraine einschätzt, wie er die Lage in Saporischschja beurteilt und wie gut unsere Streitkräfte gerüstet sind. Das Bild, das er zeichnet, ist eher düster.

Schwierige Lage im Heer

Bereits gestern treffen Mitarbeitende der Internationalen Atom-Aufsicht in dem Atomkraftwerk ein, laut Tagesschau sollen sie bis mindestens Sonntag vor Ort bleiben. Erich Vad schätzt die Präsenz des Teams wie folgt ein:

Esist sinnvoll, dass diese Inspektion durchgeführt wird, weil es eine relativ unabhängige internationale Organisation ist, die sich das mal anschaut. Wir können kein Interesse daran haben, dass es im größten ukrainischen Atomkraftwerk einen GAU gibt. Das käme einem Fallout gleich, der viel größer ist als Tschernobyl, das würde auch Westeuropa involvieren in den Konflikt.

Viel größere Sorgen scheint ihm jedoch die Lage der deutschen Bundeswehr und die Einstellung der Bevölkerung zu bereiten.

Als die Journalisten den Dozenten im Zuge einer Diskussion um das Ringtauschprojekt darauf anspricht, wie gut das deutsche Heer noch gerüstet ist, weicht er zunächst aus und lobt vor allem das Zustandekommen des Projekts. Im Laufe des Interviews gibt er jedoch auch zu, dass das System aufgrund der schlechten Ausrüstung der Bundeswehr nicht unbedingt ideal ist:

Tatsächlich ist es so: Wir stoßen da auch schnell an unsere Grenzen. Wenn die Zahlen richtig sind, die ich habe, haben wir rund 200 Kampf-Panzer Leopard 2, die wir überhaupt einsatzbereit haben. Das ist nicht viel und davon noch etwas abzugeben ist schwierig.

Bevölkerung soll sich kampfbereiter zeigen

Den Unmut über Waffenlieferungen bzw. den Tausch von Material könne er gut nachvollziehen:

Es ist eine sehr natürliche Reaktion, die sich auch im politischen Handeln reflektieren sollte. Es geht vor allem um die Sicherheit unseres eigenen Landes, um die wir uns massiv Sorgen machen müssen, denn wir haben zum jetzigen Zeitpunkt keine einsatzbereite Armee. In einer vergleichbaren Situation mit der Ukraine wären wir hoffnungslos ausgeliefert einer solchen Aggression von außen. Es ist ein riskanter Zustand, denn Putin hat gezeigt, dass man mit militärischer Gewalt Grenzen verändern kann.

Kritisch sei aber nicht nur die Lage bei der Bundeswehr, sondern auch die Einstellung innerhalb der deutschen Bevölkerung:

Wichtig ist auch, die innere Bereitschaft, das eigene Land zu verteidigen. Nach Umfragen sind unter 20 % der Deutschen bereit, überhaupt mit der Waffe in der Hand für ihr Land zu kämpfen und wir haben eins der besten Länder weltweit.

Mehr Informationen:

Bundeswehr will digitale Klone und vermisst Militär neu

Ukraine-Krieg: Kommt in Deutschland bald der Einzug von Reservisten und Wehrpflichtigen?

Neuer Flieger für die Bundeswehr: Was kann der US-Super-Kampfjet F-35 Lightning II?

Melnyk wirft Deutschland Schuld an Ukraine-Toten vor: "Versprechen reichen nicht" Melnyk wirft Deutschland Schuld an Ukraine-Toten vor: "Versprechen reichen nicht"