„Ich sterbe nicht, ich löse mich langsam auf“ – wie Jo Failer seinen Alltag mit Alzheimer meistert
Für Jo Failer hat die Alzheimer-Diagnose sein Leben auf den Kopf gestellt. Wie kämpft er sich durch den Alltag und welche Rolle spielt seine Familie dabei?
„Ich löse mich langsam auf“, sagt Jo Failer, und diese Worte fassen seine Situation erschreckend ehrlich zusammen. Mit gerade einmal 51 Jahren erhielt der ehemalige Sportjournalist und TV-Produzent die Diagnose einer Frühform von Alzheimer – ein Schicksal, das sein Leben dramatisch verändert hat. Trotz der erschütternden Neuigkeiten hält er sich beruflich weiter aktiv: Er arbeitet bei der ZAV-Künstlervermittlung der Bundesagentur für Arbeit in München. Doch der Alltag erfordert inzwischen klare Strukturen, strenge Routinen und viel Unterstützung – sowohl im Job als auch zu Hause.
Früher war es selbstverständlich, Dinge im Kopf zu behalten oder Termine spontan zu koordinieren. Heute verlässt sich Jo Failer auf digitale Kalender, Hilfen bei der Medikamenteneinnahme und einen Pflegedienst, der ihn regelmäßig unterstützt. „Wie eine Wohnung ohne Möbel“, beschreibt er seinen Alltag, bei dem die äußeren Strukturen zwar bestehen bleiben, das Innenleben jedoch zunehmend leerer wird. Seine Fähigkeiten sind oft noch vorhanden, lassen sich aber nicht immer abrufen. Manchmal sieht er Termine im Kalender, deren Inhalte ihm völlig unverständlich sind.
Neue Strukturen und ständige Unterstützung im Alltag
Die Auswirkungen der Erkrankung sind allgegenwärtig. Organisieren und Telefonieren – das klappt meist noch, doch jederzeit kann der Gedächtnisschwund zuschlagen. Die verlässliche Unterstützung eines Pflegedienstes ist deshalb unverzichtbar geworden, besonders wenn es um die regelmäßige Medikamenteneinnahme geht. Ohne die digitale Speicherung seiner Termine würde er schnell den Überblick verlieren.
„Man sagt, Alzheimer ist ein Weg in die Vergessenheit, aber für mich fühlt es sich an, als würde ich mich Stück für Stück auflösen“, so Jo Failer.
Diese Beschreibung offenbart, wie tiefgreifend die Erkrankung seinen Geist und sein Inneres verändert. Er betont, dass es bei Alzheimer nicht nur um das Vergessen gehe, sondern auch um das Gefühl, sich selbst zu verlieren und gleichzeitig emotional intensiver zu werden.
Emotionale Wahrnehmung und Sorge um die Familie
Die emotionale Seite seiner Krankheit beschreibt er besonders eindrucksvoll:
„Der Kopf geht, aber die Seele bleibt.“
Gefühle treffen ihn nun sofort und ungefiltert, was das Erleben verstärkt und eine neue Sensibilität mit sich bringt. Doch besonders belastend ist die Frage, was die Krankheit bei seinen beiden kleinen Kindern hinterlässt. Sie verbringen regelmäßig Zeit bei ihm und begleiten ihn im Alltag.
Jo Failer macht sich große Sorgen, wie sie den Wandel ihres Vaters verarbeiten werden. Denn Alzheimer bedeutet auch einen schleichenden Abschied ohne klare Worte. „Ich vermisse mich“, sagt er und beschreibt damit nicht nur den Verlust seiner eigenen Identität, sondern auch die schmerzliche Lücke, die die Erkrankung für seine Familie reißt.
Zwischen Beruf und Verlust: Arbeiten mit Alzheimer
Beruflich will sich Jo Failer nicht einfach zurückziehen. Er hält an seiner Tätigkeit fest und gestaltet seinen Arbeitstag so überschaubar wie möglich. Dabei ist das Festhalten an Routinen überlebenswichtig. „Man muss mich suchen – aber man kann mich noch finden“, betont er, ein Satz, der seine ambivalente Lage deutlich beschreibt: Er ist da, aber nicht immer greifbar.
Seine Erfahrung zeigt, dass Alzheimer nicht zwangsläufig das unmittelbare Ende aller Aktivität bedeuten muss. Dennoch ist die Abhängigkeit von Hilfen und klaren Strukturen unvermeidlich. In den Medien wird auch auf andere prominente Alzheimer-Fälle hingewiesen, wie etwa auf Bruce Willis, der Berichten zufolge nichts von seiner Erkrankung bemerken soll. Im Gegensatz dazu bewahrt sich Jo Failer ein schmerzhaft bewusstes Bewusstsein über den Verlauf der Krankheit – eine Bürde, die ihn immer begleitet.
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Verwendete Quelle:
Jo Failer über sein Alzheimer-Schicksal: „Ich löse mich langsam auf“