Martin Jäger — Wikimedia Commons © Власність Міністерства закордонних справ України — Wikimedia Commons (CC BY 4.0) — https://commons.wikimedia.org/wiki/File:%D0%9Cartin_J%C3%A4ger_(2023).png
Veröffentlicht am 06/10/2026 um 11:00 von der Redaktion

"Russland führt einen Schattenkrieg gegen uns" Wie bedroht ist Deutschland wirklich?

Im Bundestag schlagen die Chefs der deutschen Nachrichtendienste Alarm: Mitten in wachsenden Spannungen nimmt der Schattenkrieg zwischen Russland und Deutschland eine neue Qualität an. Was steckt hinter den drastischen Warnungen und wie reagiert die Politik?

Die Bedrohung wird von den Sicherheitschefs als real und omnipräsent bewertet. Martin Jäger, Chef des Bundesnachrichtendienstes, spricht von einer „gefährlichen Konfrontation“ und mahnt: "Deutschland ist in Gefahr, in einen gewaltsamen Konflikt mit Russland zu geraten." Russische Geheimdienste agieren laut Jäger „hochprofessionell und rücksichtslos“, mit gezielten Angriffen auf deutsche Interessen im Netz und auf kritische Infrastrukturen. Im Fokus steht längst nicht mehr nur Cyberspionage: Es geht um Einschüchterungen, Anschlagspläne und eine echte Lageverschärfung.

Spione, Sabotage und Schattenkrieg – wie Russland vorgeht

Wie sehen diese Angriffe aus? Fast schon mit Routine berichten die Dienste von Versuchen, politische Stabilität zu untergraben oder die Versorgung der Ukraine zu sabotieren. Jäger deutet den Anschlagsversuch von Leipzig als warnendes Beispiel: Anfang August 2026 wurde am Flughafen Halle/Leipzig eine mit Sprengstoff beladene Drohne neben ukrainischen Transportflugzeugen gefunden. Für ihn steht fest: „Von keinem anderen Land geht aktuell eine so direkte, umfassende und konkrete Bedrohung gegen Deutschland aus.“ Auch BfV-Chef Sinan Selen warnt vor „Bereitschaft zu Sabotage und Tötungsdelikten“ seitens Russlands. Im Kontext regionaler und lokaler Wahlen setzen russische Akteure verstärkt auf Desinformationskampagnen, Ziel sei es, „Zwietracht und Unsicherheit“ zu säen.

Politik und Dienste fordern mehr Befugnisse – bleibt das Gleichgewicht der Kräfte?

Ob Deutschland tatsächlich vor einem offenen Krieg steht, bezweifeln die Chefs der Nachrichtendienste zwar, doch die Grenze zwischen Frieden und Krieg verschwimmt immer mehr. Beim aktuellen Stand gebe es laut Jäger keine Hinweise auf „großangelegten Angriff“ Russlands auf NATO-Boden, doch niedrigschwellige Aktionen – etwa in den baltischen Staaten – seien „keine Ausnahme mehr.“ Als Reaktion fordert die Spitze des BND, BfV und MAD geschlossen eine umfassende Reform: Über eine Gesetzesnovelle sollen die Dienste zusätzliche operative Möglichkeiten erhalten – darunter das Stoppen von Cyberattacken oder das gezielte Eingreifen bei Sabotageakten. Martina Rosenberg vom Militärischen Abschirmdienst betont, dass das MAD-Gesetz von 2004 stammt und dass sich Kommunikation und Internet seitdem massiv gewandelt haben, was eine Anpassung erforderlich macht.

Bedrohungslage bleibt angespannt – und die Unsicherheit groß

Die Debatte hat längst die parlamentarische Kontrolle im PKGr erreicht. Interessant: Im Kontrollgremium sitzen aktuell nur Abgeordnete von Union, SPD und Grünen – Kandidaten der AfD oder Linken blieben außen vor. Das zeigt, wie politisch brisant das Thema geworden ist. Die Nachrichtendienste verstehen sich heute als „erste Verteidigungslinie“ gegen einen unerklärten Krieg, der laut Jäger „nicht mit herkömmlichen militärischen oder rechtlichen Kategorien zu fassen“ ist. Klar ist auch: Solange Moskau sein Ziel verfolgt, pro-europäische Politik in Berlin und anderen Hauptstädten zu torpedieren, wird es keine Entwarnung geben. „Wer sich nicht fügt, wird zum Gegner: So lautet die Moskauer Lesart.“ Gerade deshalb bleibt der Streit um Befugnisse, Ressourcen und Kontrolle der Dienste auf der politischen Agenda – und das Kräftemessen im Schatten geht weiter.

Verwendete Quelle:

Bilanz der Nachrichtendienste Die Bedrohung ist da - aber was heißt das?

Anhörung vor Kontrollgremium BND-Chef warnt vor "gewaltsamem Konflikt mit Russland"

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