Corona-Patienten werden unnötig mit Antibiotika vollgepumpt - das birgt Gefahren

Eine Studie hebt hervor, dass die meisten der schwerer erkrankten Corona-Patienten auch mit Antibiotika behandelt werden. Aber das ist oft nicht notwendig und kann sogar gefährlich sein.

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Die Erfindung von Antibiotika ist einst ein wahrer Segen für die Menschheit gewesen. Sie haben es über fast hundert Jahre erlaubt, bakterielle Infektionen wirkungsstark zu bekämpfen.

Wieso werden jetzt Menschen, die am Coronavirus erkrankt sind, mit Antibiotika behandelt, die doch nur gegen Bakterien und nicht gegen Viren angehen können?

85 Prozent der Corona-Patienten im Krankenhaus erhalten Antibiotika

Die Wissenschaftler Clark Russell und Cameron Fairfield von der University of Edinburgh untersuchen mit einem Forscherteam die Vergabe von Antibiotika an Corona-Patienten genauer.

Ihre Ergebnisse liegen in der Fachzeitschrift The Lancet Microbevor. In einer ersten Erhebung werten die Wissenschaftler die Daten von etwa 8600 Corona-Patienten aus.

Sie alle wurden 2020 in Kliniken eingeliefert und gezielt auf Bakterieninfektionen getestet. Nur etwa 1100 von diesen Patienten, also etwa 13 Prozent, litten in der Tat an einer begleitenden bakteriellen Infektion.

Dabei handelte es sich meist um eine Sekundärinfektion, die sich die Patientinnen und Patienten erst im Krankenhaus eingehandelt haben. Eine zweite Erhebung analysiert die Daten von etwa 36.000 Corona-Patienten.

Hier stellt sich heraus, dass 37 Prozent bereits vor ihrer Krankenhauseinweisung Antibiotika eingenommen haben. Im Rahmen einer dritten Erhebung wird das wahre Problem deutlich.

85 Prozent von etwa 46.000 Patienten haben während ihres Krankenhausaufenthalts ein oder mehrmals Antibiotika bekommen, nur rein vorsorglich oder auf Verdacht.

Diese Erkenntnisse liefern Grund zur Besorgnis, da seit längerem bekannt ist, dass bakterielle Infektionen, etwa der Atemwege und der Blutbahn, bei Corona-Patienten eher selten sind.

Die Folge: Resistenz der Bakterien

Experten warnen seit Jahren eindringlich vor der Entwicklung und Ausbreitung von resistenten Bakterien im Zuge des massenhaften Einsatzes von Antibiotika in Medizin und Tierhaltung.

Deshalb dürfte der Einsatz von Antibiotika nur nach Bestätigung einer bakteriellen Infektion oder Co-Infektion erlaubt sein. Dies gilt für Corona-Fälle ebenso wie für alle Infektionskrankheiten.

Denn Antibiotika bekämpfen Bakterien, sind aber gegen Viren machtlos. Die von einem Virus ausgelöste Pandemie fördert aber absurderweise die Resistenzentwicklung bei Bakterien.

Dieses Phänomen beschleunigt also den Prozess der bevorstehenden Wirkungslosigkeit von Antibiotika. Ärzte sollten also, bevor sie Antibiotika verschreiben, lieber zweimal hinschauen.

Das sind die größten Antibiotika-Irrtümer.