Corona-Hotspot: Totenstau im Krematorium

Im Krematorium des Corona-Hotspots Meißen versuchen die Mitarbeiter den Totenstau in den Griff zu bekommen.

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In dem Krematorium der Stadt Meißen mangelt es an Platz und die Särge stapeln sich sogar in den Gängen. Die Leichenhalle ist sowieso voll. Selbst die sonst leere Trauerhalle ist zugestellt.

Öfen im Dauerbetrieb

Kurz nach Beginn der ersten Schicht trifft bereits eine große Lieferung Särge ein. Bereits vor der Mittagszeit lagern in der sonst leeren Halle um die 80 Holzsärge. Die Verbrennungsöfen sind im Dauerbetrieb. Hier gehen die Mitarbeiter eindeutig an ihre Grenzen.

Die Lieferungen stammen von Bestattern aus der näheren aber auch weiteren Umgebung, bei denen sich die Särge aufgrund der zweiten Corona-Welle angesammelt haben und die nun selbst nicht mehr hinterherkommen. Meißen gilt als der Landkreis mit dem höchsten Inzidenzwert Deutschlands.

"Das geht natürlich alles auf die Kräfte"

Viele Bestattungsunternehmen aus dem Umkreis kapitulieren aufgrund der vielen Todesfällen. Noch dazu kommen die Lieferungen teilweise aus weiter entfernten Landkreisen. In der Hälfte der Särge liegen Verstorbene, die sich mit dem Corona-Virus infiziert hatten.

Dem Leiter des Krematoriums Jörg Schaldach bereitet die Situation große Sorgen. Gegenüber der Bild erzählt er:

Wir Mitarbeiter sind natürlich sehr (…) an der Grenze. Es geht ja nun schon wochenlang durch. Also wir haben hier ein sogenanntes Vier-Schicht-System. Also Montag bis Sonntag, 0 bis 24 Uhr. Momentan läuft natürlich auch eine Bereitschaft. Wir müssen auch die überbelegten Krankenhäuser räumen, wenn dann die Kühlzentren voll sind. Das geht natürlich alles auf die Kräfte (…) wir bewegen hier im Monat 750 Tonnen an Verstorbenen.

So liegen in dem Krematorium derzeit 250 Leichen, statt wie sonst nur 60. Sogar während der Feiertage wurde durchgearbeitet um die Trauerhalle und die Gänge wieder leeren zu können. Und die Verstorbenen auf ihre letzte Reise zu schicken.