Archäologen entdecken vergessene antike Stadt einer mächtigen Zivilisation
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Archäologen entdecken vergessene antike Stadt einer mächtigen Zivilisation

Forscher fördern die Ruinen einer vergessenen Stadt zutage, die zum ebenfalls wenig beachteten Aksumitischen Reich gehört. Dieses afrikanische Reich besteht jahrhundertelang und rivalisiert zu seiner Zeit sogar mit dem mächtigen Römischen Reich.

Die Archäologie überrascht uns immer wieder mit ihren Entdeckungen: Nach dem Fund eines 2.000 Jahre alten Grabes, entdecken sie nun eine antike Stadt und werfen dadurch ein Licht auf das "verlorene Reich" Aksum im wüsten Flachland im Norden Äthiopiens.

Vergessene Stadt

Eine verschüttete und vergessene antike Stadt, die vor 1.400 Jahren zuletzt bewohnt ist, wird von Archäologen zutage gefördert. "Das ist in Äthiopien so toll", freut sich der Archäologe Michael Harrower von der Johns-Hopkins-Universität (USA) im Gespräch mit NewScientist. "In Griechenland und Rom sind zahlreiche Orte bereits erforscht und untersucht, es können also kaum mehr antike Städte entdeckt werden."

In den Mauern dieser Ausgrabungsstätte, die in der Dezemberausgabe der Zeitschrift Antiquity beschrieben wird, spielt sich das Leben einer antiken nordafrikanischen Zivilisation ab, die relativ wenig bekannt ist, aber zu ihrer Zeit große Macht hat – es handelt sich um die Aksumiten. Das Aksumitische Reich dominiert Ostafrika zwischen etwa 80 vor Christus und 825 nach Christus und treibt Handel mit den Großmächten der damaligen Zeit: dem Römischen Reich, dem Perserreich und dem Kaiserreich China.

Beta Samati

Die Hauptstadt, auch Aksum genannt, ist immer noch erhalten und ist besonders aufgrund ihrer großen Stein-Obelisken bekannt. Es gibt jedoch nur wenige Überreste dieser Zivilisation. Die Forscher wissen, dass vor ihr ein Prä-Aksumitisches Reich besteht, dessen Name allerdings unbekannt ist. Am wahrscheinlichsten ist, dass Ruinen davon rund um das Dorf Yeha im Norden Äthiopiens zu finden sein könnten. Deshalb untersuchen die Forscherteams auch diese Umgebung.

Nach Gesprächen mit der lokalen Bevölkerung beginnen sie in einem Hügel am Rande eines Dorfs zu graben. Sie finden Steinmauern, Überreste von Gebäuden, Wohnhäusern und Werkstätten auf einer Fläche von 14 Hektar. Diese Funde stammen von einem Tell, also einem Hügel, der aus Ruinen besteht. Die Stadt wird schließlich Beta Samati genannt, was in der Ortssprache Tigrinisch "Audienzhaus" bedeutet.

Diese Entdeckung bedeutet sehr viel für Jacke Philipps von der Hochschule für Orientalistik und Afrikanistik in London: "Die meisten Stätten vom Prä-Aksumitischen und Aksumitischen Reich sind alte Ausgrabungen, die hastig durchgeführt und aus heutiger wissenschaftlicher Sicht schlecht veröffentlicht wurden."

Historische Enthüllungen

Laut Datierung nach der C14-Methode ist die Stadt zwischen 771 vor Christus und 645 nach Christus bewohnt. Beta Samati gibt es also bereits in der Prä-Aksumitischen Zeit, aber auch während der Blütezeit des Aksumitischen Reichs – bis zu seinem rätselhaften Niedergang. Für die Forscher sind diese Daten besonders bedeutend: Sie weisen darauf hin, dass die prä-aksumitischen Kolonien nicht verlassen werden, als das Reich entsteht. Es gibt also entgegen früheren Annahmen keinen politischen Umbruch zwischen den beiden Zivilisationen.

Ein großes, rechteckiges Gebäude, wahrscheinlich eine Basilika im römischen Stil, ist in der verschütteten antiken Stadt bereits gefunden worden. Im Römischen Reich dienen diese Gebäude der öffentlichen Verwaltung und als Sitz der Gerichte, bevor sie später unter dem Christentum eine religiöse Verwendung finden.

Aksum hat eine polytheistische Religion, die von den Traditionen des Reichs Saba (dem heutigen Jemen) beeinflusst ist, bevor es im 4. Jahrhundert unter König Ezana zum Christentum konvertiert. Das besagen zumindest die äthiopischen Überlieferungen. Die Entdeckung der Basilika bestätigt, dass das Christentum schon sehr früh im Nordosten Aksums Eingang findet. Die Archäologen finden auch einen Anhänger aus Stein, der ein Kreuz zeigt.

Am Scheideweg

Die Wissenschaftler wissen übrigens bereits seit Langem, dass es sich bei den Aksumitern um eine wichtige Handelsmacht handelt, denn ihr Reich befindet sich an einer strategisch idealen Stelle – in der Nähe des Roten Meers und der Handelsroute nach Indien. Aksum exportiert vornehmlich Gold und Elfenbein und ist für seine Elefanten und Paviane berühmt.

In Beta Samati gefundene Gegenstände bestätigen diese Handelsbeziehungen und Vermischungen mit ausländischen Einflüssen. Amphoren (also Gefäße) aus Aqaba (dem heutigen Jordanien) und eine Glasperle aus dem Osten des Mittelmeerraums werden gefunden. Ein Ring sieht aus wie römischer Schmuck, unterscheidet sich aber in Details von der römischen Tradition, was darauf hindeutet, dass römische Konzepte auf die eigene Kultur angewandt werden.

"Es ist weitreichendere Forschung erforderlich, um die Komplexität der Geschichte und der Querverbindungen dieser Stätte zu enthüllen", sind sich die Archäologen in ihrer Studie einig. Sie möchten bald nach Beta Samati zurückkehren, um durch weitere Ausgrabungen noch mehr Informationen über diese komplexe Zivilisation zu sammeln, die uns noch sehr rätselhaft erscheint.

Von Martin Gerst

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