Marine Le Pen 2022 (cropped) © Photo by VOX España on Wikimedia Commons — https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Marine_Le_Pen_2022_(cropped).jpg
Veröffentlicht am 08/07/2026 um 11:30 von der Redaktion

Frankreich: Verurteilte Rechtspopulistin Le Pen hält an Präsidentschaftskandidatur fest

Marine Le Pen macht ernst: Trotz ihrer Verurteilung kündigt die 57-Jährige an, bei der Präsidentschaftswahl 2027 in Frankreich antreten zu wollen. Was steckt hinter diesem politischen Paukenschlag, der bis nach Berlin und Brüssel für Unruhe sorgt?

Kaum war das Urteil gefallen, meldete sich Marine Le Pen persönlich vor laufender Kamera: Auf TF1 erklärte Frankreichs wohl bekannteste Rechtsnationalistin am 7. Juli 2026 unmissverständlich, dass sie trotz einschneidender rechtlicher Konsequenzen in den Präsidentschaftswahlkampf 2027 ziehen will. Damit sorgt sie nicht nur für Schlagzeilen in Frankreich, sondern bringt ganz Europa in Bewegung. Ihr Statement sorgt für Zündstoff:

„Heute Abend bin ich Kandidatin für die Präsidentschaftswahl.“

Verurteilung, Berufung – und ein Wahlkampf unter Beobachtung

Am selben Tag hatte ein französisches Berufungsgericht Marine Le Pen zu einem Jahr Hausarrest mit elektronischer Fußfessel sowie zu weiteren 30 Monaten Bewährungsstrafe verurteilt. Zudem wurde ihr für 15 Monate das passive Wahlrecht entzogen, was bedeutet, dass sie sich in dieser Zeit eigentlich nicht zur Wahl stellen darf. Doch Le Pen will sich nicht beugen und kündigt an:

„Sie wolle gegen ihre Verurteilung Revision einlegen.“

Damit, so argumentiert sie, sei die Vollstreckung des Urteils erst einmal ausgesetzt und ihr Wahlkampf könne weitergehen – ohne elektronische Überwachung. Ganz klar unterstreicht sie:

„Ich werde Wahlkampf ohne elektronische Fußfessel machen.“

Die Hintergründe der Verurteilung sind so brisant wie politisch aufgeladen: Im sogenannten „Fake-Jobs“-Skandal wurde Le Pen wegen Veruntreuung von EU-Geldern schuldig gesprochen. Die Sperre ihres passiven Wahlrechts gilt nach Aussagen des Gerichts als bereits vollständig angerechnet, da sie seit dem erstinstanzlichen Urteil in Kraft war.

Das politische Tandem: Jordan Bardella als Trumpfkarte

Trotz all dieser juristischen Hürden setzt Le Pen auf Angriff: Sie will nicht nur allein, sondern im Team kämpfen. Gemeinsam mit Jordan Bardella, dem erst 30-jährigen Parteichef des Rassemblement National, plant sie ein „politisches Duo“ für die Präsidentschaftswahl 2027.

„Ich denke, dieses politische Duo, das wir bilden, kann die Dinge wirklich verändern“, gibt sie sich überzeugt.

Sollte der Wahlkampf erfolgreich verlaufen, kündigt sie bereits an, Bardella zum Premierminister zu machen. Die Kampagne soll „sehr schnell“ anlaufen – Le Pen gibt also Vollgas, als habe kein Urteil stattgefunden.

Das ist nicht ihr erster Anlauf: Schon dreimal – 2012, 2017 und 2022 – hatte sie ihr Glück versucht. Ihren Stimmenanteil steigerte sie bei jedem Mal. 2012 schaffte sie es auf den dritten Platz, in den Jahren 2017 und 2022 unterlag sie jeweils im zweiten Wahlgang Emmanuel Macron. Gerade ihr anhaltender Kampfgeist macht sie für viele Unterstützer zur Symbolfigur, für Gegner aber zur Gefahrenquelle.

Europa unter Strom: Sorgen in Berlin und Brüssel

Die Konsequenzen reichen weit über Frankreich hinaus. Aus Berlin und Brüssel schlagen die Wellen der Unruhe hoch. Der mögliche Wahlerfolg einer erklärten Euroskeptikerin und Nationalistin sorgt in europäischen Regierungskreisen für Nervosität – ihre Chancen, in die Stichwahl und vielleicht sogar auf das Präsidentenamt vorzudringen, werden in Nachrichten als durchaus realistisch beschrieben. Frankreichs Präsident wird auf fünf Jahre gewählt, besitzt immense Machtbefugnisse – vom Oberbefehl über die Armee bis hin zum Recht, das Parlament aufzulösen und Referenden einzuberufen. Die Sicherheitslage Europas könnte sich also 2027 dramatisch verändern, sollte Le Pen tatsächlich gewinnen.

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Marine Le Pen kündigt Kandidatur 2027 trotz Verurteilung an