Wegen Ukraine-Krieg: Afghanische Geflüchtete werden aus ihrer Unterkunft geschmissen

Deutschland hat mal wieder ein Flüchtlingsproblem. Da den Behörden zu wenig Ressourcen zur Verfügung gestellt werden, gibt es keine Papiere für afghanische und auch syrische Geflüchtete - jetzt müssen sie auch noch den ukrainischen Geflüchteten weichen.

Der Ukraine-Krieg löst eine erneute Flüchtlingswelle aus - und zeigt auf, wie tief Rassismus und Diskriminierung immer noch in unserem System verankert sind. Während 2015 ganz Deutschland fast unisono schreit: "Wir haben doch auch keinen Platz mehr", werden die Flüchtenden aus der Ukraine mit offenen Armen empfangen.

Aus "Ankunftszentren" vertrieben

Und für sie wird Platz gemacht! Wie das englischsprachige Onlinemagazin Foreign Policy (FP) berichtet, werden in Berlin Hunderte Afghan:innen aus ihren Unterkünften vertrieben. Menschen, die teilweise mehrere Jahre dort gehaust haben, werden aus ihrer gewohnten Umgebung verbannt.

Begründet wird das Ganze mit typisch deutschem Behördenjargon: Schließlich handele es sich bei den Unterkünften um sogenannte "Ankunftszentren", die nur für einen kurzfristigen Aufenthalt vorgesehen waren.

Räumungen wurden vertuscht

Tareq Alaows, Vorstandsmitglied des Berliner Flüchtlingsrats sagt gegenüber FP:

Die Räumungen wurden absichtlich nicht publik gemacht. Einige Menschen hatten jahrelang in ihren Häusern gelebt und wurden aus ihren sozialen Strukturen herausgerissen, darunter auch Kinder, die an Orte verlegt wurden, die weit von ihren jeweiligen Schulen entfernt sind.

Auch in Hamburg sieht die Situation nicht besser aus, wie NDR berichtet. Dort versuchen zahlreiche Geflüchtete seit Monaten vergeblich, ihre Ausweispapiere zu verlängern. Diese brauchen sie, um ihre Arbeitsstellen zu sichern.

Behörde räumt Überforderung ein

Das Amt für Migration gesteht schriftlich gegenüber dem NDR ein:

Aufgrund der hohen Anzahl von Schutz suchenden Personen aus der Ukraine kam es in einigen Bereichen der Abteilung für Ausländerangelegenheiten zu Einschränkungen bei der Bearbeitung der regulären Tätigkeiten.

Der ehrenamtliche Helfer Axel Limberg findet dafür andere Worte:

Das, was hier passiert, ist Behördenversagen.

Limberg musste mit ansehen, wie gleich mehrere seiner Schützlinge keine gültigen Papiere bekamen und so ihre Wohnung und/ oder den Arbeitsplatz verloren.

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