Melnyk wirft Deutschland Schuld an Ukraine-Toten vor: "Versprechen reichen nicht"

Andrij Melnyk spaltet das Land, seitdem er in seiner Rolle als ukrainischer Botschafter während des Ukraine-Kriegs besonders viel Aufmerksamkeit erfährt und immer wieder die Lieferung von schweren Waffen fordert. Jetzt macht er Deutschland dafür verantwortlich, dass viele geflüchtete Ukrainer:innen sich wieder in ihre Heimat begeben würden.

In einem Interview mit der Bild macht der ukrainische Botschafter den Unwillen der deutschen Regierung, mehr Waffen - und insbesondere schwere Waffen (z. B. Artilleriegeschütze) - zu liefern, dafür verantwortlich, dass sich seine Landsleute im deutschen Exil nicht wohlfühlen und deshalb wieder in die Ukraine abreisen würden.

Keine Willkommenskultur, fehlende Waffen

Während des Podcasts Die richtigen Fragen spricht Andrij Melnyk ein Thema an, das ihm besonders am Herzen zu liegen scheint: Die Rückkehr vieler Ukrainer:innen in ihr vom Krieg zerbombtes Zuhause.

Schuld an der Rückwanderung sieht er vor allem auf Seite Deutschlands:

Die meisten Ukrainer kehren zurück, schon längst. Es sind mehr Menschen, die abreisen aus diesem Land, als zu Ihnen kommen.

Das Problem sei, dass sich die Menschen nicht willkommen fühlten; außerdem sollen die ausbleibenden Waffenlieferungen dazu beitragen, dass die Menschen nicht bleiben möchten. Auf die Aussage und anschließende Frage: "Keine einzige schwere Waffe hat Deutschland bisher in die Ukraine geliefert. Tragen wir alle damit auch eine Verantwortung für vielen Toten in ihrem Land?" antwortet der Botschafter wie folgt:

So sehen das meine Landsleute. Und ich glaube auch, dass die Deutschen sich Gedanken machen sollten, ob sie tatsächlich bereit sind, auch diese Schuld auf sich zu laden. Denn dieser Krieg wird früher oder später vorbei sein und dann stellt sich die Frage: Wer war auf unserer Seite und wer hat nur zugesehen? Und es gibt keine Zwischentöne, es gibt nur schwarz und weiß. Da muss man sich entscheiden: nicht versprechen, sondern auch tun und liefern.

Die Erwartungen sind hoch

Sollte Deutschland weiterhin keine wichtigen Waffen liefern, sei das für die Ukraine militärisch ein Desaster, das weitere Menschenleben fordern würde. Gegenüber der dpa sagt er deshalb auch:

Die Ukrainer erwarten, dass der Bundeskanzler Olaf Scholz bei seinem Besuch in Kiew ein neues Hilfspaket deutscher Rüstungsgüter verkünden wird, das unbedingt sofort lieferbare Leopard-1-Kampfpanzer sowie Marder-Schützenpanzer beinhalten soll.

Laut Bild am Sonntag soll Scholz angeblich bald nach Kiew reisen. Vielleicht überzeugt ihn der Besuch vor Ort, dass es nicht mehr nur bei einem Lippenbekenntnis bleibt.

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