"Das ist eine sehr denkfaule, bequeme Erklärung" – Mesut Özil im Kreuzfeuer wegen Erdoğan-Foto

Eine neue ZDF-Dokumentation legt den Fokus erneut auf Mesut Özil und sorgt schon vor Veröffentlichung für Zündstoff: Wie steht der Ex-Nationalspieler eigentlich heute zu Recep Tayyip Erdoğan?

"Das ist eine sehr denkfaule, bequeme Erklärung" – Mesut Özil im Kreuzfeuer wegen Erdoğan-Foto
© @ m10_official
"Das ist eine sehr denkfaule, bequeme Erklärung" – Mesut Özil im Kreuzfeuer wegen Erdoğan-Foto
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Der Journalist Deniz Yücel kritisiert scharf Özils Erklärungen und bringt alte Wunden zurück an die Oberfläche.

Ein altes Foto und viele offene Fragen

Sechs Jahre ist es her, dass Mesut Özil wenige Wochen vor der Fußball-WM 2018 in Russland zusammen mit Recep Tayyip Erdoğan in die Kamera gelächelt hat. Das Bild ging damals durch alle deutschen Medien und stieß auf heftigste Reaktionen. Warum eigentlich dieser Wirbel? Özil hatte später erklärt, er habe das Foto “aus Respekt vor der höchsten Funktion im Heimatland meiner Familie” gemacht – eine Aussage, die für viele zu kurz griff, denn der Vorwurf lautete, er würde sich damit politisch positionieren.

Nach dem blamablen Verlauf der WM in Russland zog Özil 2018 Konsequenzen und trat aus der Nationalmannschaft zurück. Dabei warf er sowohl der DFB als auch deutschen Medien Rassismus und mangelnden Respekt vor. Für viele war er damit endgültig zwischen die Stühle geraten – zu fremd für die einen, zu angepasst für die anderen.

Deniz Yücel: Scharfe Worte und klare Ansage

Mit der Doku “Mesut Özil – zu Gast bei Freunden” kommt das Thema nun zurück. Besonders laut ist dabei die Kritik von Journalist Deniz Yücel, der es gewohnt ist, kein Blatt vor den Mund zu nehmen. Yücel selbst weiß, wie unangenehm es werden kann: Von Februar 2017 bis Februar 2018 saß er in der Türkei in Haft, angeklagt wegen angeblicher “Terrorpropaganda”.

Yücel lässt in der ZDF-Doku an Özils Verhalten wenig Gutes:

Das ist eine sehr denkfaule, bequeme Erklärung.

Das Foto mit Erdoğan, so Yücel weiter, sei nie wirklich eingeordnet worden:

Er hat ja nie ein Wort dazu gesagt: Wie hält er es denn jetzt mit Erdoğan?

Özil habe, statt sich zu distanzieren, später sogar als Trauzeuge bei Erdoğan auf der Hochzeit gestanden und gehöre inzwischen dem Vorstand der AKP an.

Yücel bleibt dabei nicht bei bloßen Andeutungen. Seine Worte sind messerscharf:

Was für ein Typ Tayyip Erdoğan ist.

und

Hauptberuflich ist Erdoğan Gangster. Erdoğan ist der Kopf einer organisierten, kriminellen Bande, die die Türkei unter ihre Kontrolle gebracht hat. Und hobbymäßig ist er Islamist.

Für Yücel ist klar: Den Opfermythos rund um Özils Verhalten hält er für falsch:

Dass irgendwer den armen Mesut Özil dahin getrieben hat, in die Arme Erdoğans getrieben hat, das bezweifle ich.

Am Ende sieht Yücel die Verantwortung allein beim Fußballer:

Wenn man sich dazu entscheidet, zum Anhänger eines Autokraten zu werden, dann ist das die eigene Entscheidung. Und dafür ist niemand anderes verantwortlich.

Wenig Bewegung, viel Diskussion

Die aktuelle ZDF-Doku wirbelt damit erneut Staub auf – nicht unbedingt mit neuen Fakten, aber mit einer Debatte, die nicht geklärt scheint. Özil selbst hat bislang keine neuen Statements abgegeben. Während Kritiker wie Yücel seine Nähe zu Erdoğan als persönliche Entscheidung und nicht als von außen erzwungene Konsequenz darstellen, schweigt der einstige Weltmeister weiter zu seinem Verhältnis zur türkischen Politik und zur AKP.

Die Doku steht ab 20. März 2026 in der ZDF‑Mediathek zur Verfügung und dürfte erneut polarisieren. Der Streit um Özil, Identität, Zugehörigkeit und politische Verantwortung bleibt jedenfalls spannend.

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Verwendete Quelle:

"Denkfaule Erklärung": Erneute Kritik an Mesut Özil

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