Schon wieder!: Galeria Kaufhof meldet Insolvenz an
Wieder steht Galeria Kaufhof vor dem finanziellen Abgrund. Kann Deutschlands Warenhauskette ihre Türen noch einmal retten?
Es ist ein Schock für die deutschen Innenstädte: Am Freitagvormittag meldet Galeria Kaufhof offiziell Insolvenz an. Die Sorgen unter den fast 12.000 Beschäftigten sind groß, denn schon zum vierten Mal in sechs Jahren droht der Traditionskette das Aus. Die Konkurrenz durch den Onlinehandel und eine schwächelnde Kauflaune setzen dem Warenhausgiganten immer stärker zu.
Die Situation wirkt wie ein Déjà-vu. Kaum scheint sich das Unternehmen von einer Krise erholt zu haben, kommen die nächsten Hiobsbotschaften. Bei jedem Versuch, wieder auf die Beine zu kommen, steht das Management unter großem Druck. Wer in einer deutschen Fußgängerzone unterwegs ist, kennt die Filialen von Galeria Kaufhof – doch wie lange noch? Die Unsicherheit ist bei den Menschen, die dort arbeiten, überdeutlich zu spüren.
Besonders betroffen sind jene Standorte, die zuletzt bereits als gefährdet galten. Viele der Beschäftigten haben das gesamte Auf und Ab des Konzerns in den letzten Jahren miterlebt. Mit dem erneuten Insolvenzantrag wächst die Angst, diesmal wirklich ohne Zukunftsperspektive dazustehen. Einigen scheint allmählich die Hoffnung auszugehen, dabei handelt es sich um Berufe und Existenzen, die fest mit den Städten verbunden sind. Eine abrupte Schließung würde nicht nur für sie, sondern auch für viele Stadtzentren einen tiefen Einschnitt bedeuten.
Ein ewiger Kampf gegen die Pleite
Galeria Kaufhof, entstanden aus den bekannten Ketten Karstadt und Kaufhof, steckt seit Jahren in der Krise. Zuletzt reichte das Geld vorne und hinten nicht: Nur etwa 10 Millionen Euro waren in der Kasse – die Hälfte dessen, was laut Insidern nötig wäre, um den Betrieb normal aufrechtzuerhalten. Der Versuch, weitere Mittel beim US-Investor Gordon Brothers lockerzumachen, ist laut BILD „am Donnerstagabend gescheitert“.
Dieses Scheitern wirft viele Fragen auf. Hätten mehr Zeit oder andere strategische Partner die Lage retten können? Bereits im Juni hatte Gordon Brothers 160 Millionen Euro vorgestreckt, doch dieser Rettungsanker ist offenbar aufgebraucht. Die letzte Hoffnung lag auf einer erneuten Finanzspritze. Nun ist selbst das zur Verfügung stehende Geld knapp, und niemand weiß, wie lange der Betrieb unter diesen Bedingungen noch weiterlaufen kann.
Das Unternehmen ist mit 83 Filialen deutschlandweit präsent. Oft bilden diese Filialen einen Mittelpunkt vieler Innenstädte. Die Prognose nach dem geplatzten Deal ist düster: Von den bisherigen Rettungsmaßnahmen und Restrukturierungen blieb wenig übrig, der Markt honorierte das nicht. Immer wieder war von einem letzten Strohhalm die Rede, doch dieser hat den Absturz erneut nicht verhindert.
Die interne Kommunikation am Freitagmorgen um 9 Uhr war für viele ein Schock. Rund 150 Führungskräfte erfuhren in einer kurzen, direkten Versammlung von der angemeldeten Insolvenz. Für die Belegschaft folgte um 11 Uhr die bittere Bestätigung. Viele Mitarbeitende erleben zum wiederholten Mal, wie ihr Arbeitgeber ins Wanken gerät. In den Gesprächen unter Kollegen ist die Verunsicherung greifbar.
Starke Einbußen, tausende Jobs in Gefahr
Auch bei den Umsätzen sieht es düster aus. Intern gibt es Berichte von einem Minus von 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr in den letzten Monaten, allein im September fiel der Umsatz laut Unternehmenskreisen sogar um etwa 25 Prozent. Die Folge: Drastische Sparmaßnahmen drohen. Rund 30 Filialen könnten geschlossen, „tausende“ Arbeitsplätze sollen wegfallen. Trotz aller Mühe – selbst die Löhne für September konnten nur knapp bezahlt werden, wie das Unternehmen intern kommunizierte.
Der Umsatzrückgang zeigt nicht nur Probleme im Handel, sondern spiegelt auch das Konsumklima wider. Inflation, gestiegene Lebenshaltungskosten und eine wachsende Konkurrenz durch Online-Plattformen machen großen Ketten wie Galeria zu schaffen. Während auf der einen Seite die Kosten für Energie und Miete weiter steigen, sind viele Kunden zurückhaltend beim Einkauf. Für viele Mitarbeitenden bedeutet diese Lage fast wöchentlich neue Unsicherheiten, von denen einige nach dem letzten Jahr gehofft hatten, sie seien überwunden.
Dass erneut Filialschließungen geplant sind, trifft besonders kleinere oder ohnehin schon schwächelnde Standorte hart. Die Arbeitsplatzverluste gehen laut internen Schätzungen in die Tausende. Es wird jetzt überlegt, wie ein radikales Sparprogramm aussehen könnte – dabei steht vor allem im Raum, dass möglichst viele Kosten schnell wegfallen müssen. Die unterschiedlichen Interessen zwischen Investoren, Gläubigern und Belegschaft erschweren den Prozess zusätzlich. Die Zukunft der Marke Galeria hängt damit sprichwörtlich am seidenen Faden.
Der Blick nach vorn – Letzter Versuch für die Warenhausikone?
Um 9 Uhr wurden rund 150 Führungskräften in einer Krisensitzung die dramatischen Neuigkeiten mitgeteilt, wenig später folgte ein Treffen mit der Belegschaft. Der Insolvenz-Antrag ist der Versuch, Kosten massiv zu senken und der Firma doch noch eine Zukunft zu geben. Im Juni pumpte Gordon Brothers bereits 160 Millionen Euro in Galeria – offensichtlich nicht genug. Jetzt bleibt die bange Frage, ob der Neustart gelingt. „Schon wieder pleite“ – viel Zeit bleibt der Warenhauskette nicht.
Die jetzige Insolvenz soll einen Neustart ermöglichen, einen, der nachhaltiger als die Vorherigen wäre. Doch diesmal ist das Vertrauen geschwunden. Die Angestellten zweifeln zunehmend an einem friedlichen Neuanfang und fürchten einen schnellen Ausverkauf. In den Städten überlegen Bürgermeister schon, was sie mit leeren Ladenflächen machen werden. Manche Beschäftigte hoffen auf einen Retter in letzter Minute, andere richten sich bereits auf einen Jobwechsel ein. Es ist nicht das erste Mal, dass die Frage aufkommt, ob der legendäre Name Galeria bald ganz verschwindet oder ob vielleicht ein Investor noch einen Rettungsversuch startet.
Alle Beteiligten sind im Ausnahmezustand: Von den Führungskräften bis zu den Teilzeitkräften in den Filialen hofft jeder, dass die Firma wenigstens einen kleinen Teil ihres alten Glanzes bewahren kann. Langjährige Kunden verfolgen mit Unverständnis, warum immer wieder alles ins Wanken gerät. Die nächsten Tage werden zeigen, ob sich erneut ein Fünkchen Hoffnung auftut oder dies das endgültige Kapitel der Geschichte von Galeria Kaufhof ist.
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