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Veröffentlicht am 05/10/2026 um 11:30 von der Redaktion

„Unser Deutschland ist ein gutes Land“: Steinmeier ruft zur Verteidigung der Demokratie auf

Am Tag der Deutschen Einheit setzte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Bremen ein deutliches Zeichen. Statt nur zu feiern, hebt Steinmeier insbesondere die Herausforderungen für die Demokratie hervor. Wie blickt das Land nach 36 Jahren Einheit auf Freiheit und Mitbestimmung?

Ein Festakt in Bremen, etwa 1.000 Gäste und eine Stimmung, die zwischen Freude über 36 Jahre Einheit und Sorge um die demokratische Zukunft schwankt. Steinmeier bleibt nicht beim Feiern stehen, sondern richtet das Wort mit deutlicher Mahnung an Politik und Gesellschaft. Nach seiner Einschätzung ist die Demokratie aktuell so herausgefordert wie selten zuvor. Was bewegt das Staatsoberhaupt genau?

Es bleibt nicht beim Rückblick auf die historischen Leistungen der Wiedervereinigung. Steinmeier verweist im Festsaal auf wachsende gesellschaftliche Risse und drängt auf einen offenen Dialog über die politische Entwicklung. Die Feierstunde versteht er als Chance, innezuhalten und darüber zu reden, wie die Demokratie im Alltag konkret verteidigt werden kann. Für viele ist das ein Moment der Selbstvergewisserung: Wird genug getan für gesellschaftlichen Zusammenhalt und gegenseitigen Respekt?

Demokratie unter Druck – Steinmeiers eindringlicher Aufruf

Im Herzen Bremens blickt Steinmeier auf die Heilung der „tiefen Wunde“ der deutschen Teilung zurück: „Heute vor 36 Jahren war eine tiefe Wunde geheilt – eine Wunde, die Deutschland zuvor über vier Jahrzehnte hinweg aufgewühlt, belastet und in einem, wie ich finde, unnatürlichen Zustand der inneren Spaltung gehalten hat.“ Doch trotz der Freude warnt er heute vor neuen Gefahren: Die Demokratie drohe, durch Extremismus, Lügen und Manipulationen in sozialen Netzwerken ausgehöhlt zu werden.

Sein Ton wird dabei ungewohnt direkt: „Und das alles wird begleitet durch eine unerträgliche politische Demagogie extremistischer Kräfte, die eine Lust an der Zerstörung ausleben, andere Menschen verhöhnen und bedrohen. Und das gefährdet eben nicht nur Freiheit und Demokratie.“ Mit Blick auf den politischen Alltag beklagt er, wie mühelos demokratische Verfahren diskreditiert werden und der Kompromiss als Schwäche gilt. Besonders kritisch sieht Steinmeier, dass sich „ein Viertel und mehr mit ihrer Wahlentscheidung bekunden, dass sie sich von wichtigen Grundentscheidungen der Republik abwenden.“

Steinmeier stellt klar, dass die gesellschaftliche Polarisierung nicht einfach hingenommen werden darf. Der politische Raum, so betont er, wird zu oft von Lauten und Radikalen dominiert, was das Vertrauen der Menschen in die demokratischen Institutionen gefährdet. Neben dem Internet als Nährboden für Verschwörungsmythen warnte er explizit vor gezielter Desinformation, durch die Bürgerinnen und Bürger verunsichert werden sollen. Die Gesellschaft, so Steinmeier, stehe vor der Wahl: Dem Druck nachgeben oder selbstbewusst zusammenstehen und Demokratie verteidigen.

Warnung vor Geschichtsvergessenheit und Aufruf zu Erneuerung

Steinmeier kritisiert offen die Versuche rechter Akteure, die Erinnerung an den Holocaust zu verwischen: Manche wollen das Gedenken an die Opfer sogar „ausradieren“. In diesem Zusammenhang fordert er die Politik auf, Fehler einzugestehen und Routinen zu verlassen: „Habt Mut zur Erneuerung!“ und betont: „Ich habe unsere Demokratie für gesichert gehalten und muss erfahren, dass sie jedenfalls neu angefochten wird. Ja, und deshalb: Es geht in Zukunft um die Selbstbehauptung der Demokratie.“ Zugleich lautet sein Versprechen: „Unser Deutschland ist ein gutes Land. Schaffen wir ein noch besseres!“

Auch der Präsident des Bundesrats, Andreas Bovenschulte, mischte sich mit einer klaren Botschaft ein. Für ihn steht fest: „Die Ostdeutschen waren nicht Zuschauer ihrer Geschichte. Sie haben Geschichte geschrieben.“ Bovenschulte legt Wert auf gerechte Lebenschancen und warnt eindringlich vor jenen, die gleiche Rechte, unabhängige Gerichte und freie Wissenschaft infrage stellen. Sein Motto: „Demokratie braucht Streit. Aber der politische Gegner ist kein Feind.“

Beide geben damit die Richtung vor. Unmissverständlich wird zum Handeln aufgerufen – sowohl durch Selbstkritik in der Politik als auch durch das Engagement jedes und jeder Einzelnen. Gerade in Krisenzeiten, betont Steinmeier, braucht es Mut und Kreativität, um neue Wege einzuschlagen. Demokratie als „Selbstbehauptung“ will aktiv gelebt und verteidigt werden.

Kampfgeist gegen Gleichgültigkeit in Politik und Gesellschaft

Der Tenor des Tages: Demokratie ist kein Selbstläufer. Steinmeier ruft dazu auf, Populismus, Hass und den Rückzug in Echokammern zu überwinden. Am Tag der Deutschen Einheit wird aus der Feier eine Standortbestimmung – und eine Erwartung: Politik und Bürger sollen gemeinsam für ein gerechteres, offenes und demokratischeres Land eintreten. Kann Deutschland diesen Mut zur Erneuerung wirklich zeigen?

Die Verantwortlichen in Bremen betonen zum Abschluss mehrfach, wie eng Wohlstand und Freiheit an gesellschaftliche Solidarität geknüpft sind. Demokratie verlangt Beteiligung, Widerspruch, und ein offenes Ohr für Sorgen aus allen Teilen des Landes – unabhängig vom Wohnort. „Gute Arbeit, Bildung und verlässliche Daseinsvorsorge“ dürfen laut Bovenschulte keine Frage des Postleitzahlenbereichs sein. Wenn alle diese Werte verteidigen, bleibt das Versprechen der deutschen Einheit auch in Zukunft lebendig. Die Feier wird so zum Auftrag, die Demokratie aktiv zu schützen – im Kleinen wie im Großen.

Verwendete Quelle:

Tag der Deutschen Einheit: Frank-Walter Steinmeier ruft zu Verteidigung der Demokratie auf

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