Angela Merkel — Wikimedia Commons © א (Aleph) — Wikimedia Commons (CC BY-SA 2.5) — https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Angela_Merkel_(2008)-2.jpg
Veröffentlicht am 22/09/2026 um 13:00 von der Redaktion

Was können wir von Konrad Adenauer übernehmen? Merkel nach CDU-Niederlage im Fokus

Die CDU erlebt in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin bittere Niederlagen. Angela Merkel nutzt diesen Moment, um die Partei an das Vermächtnis Konrad Adenauers zu erinnern.

Die Stimmung könnte kaum gedrückter sein: Die CDU hat bei den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin schwere Verluste eingefahren. Besonders im Nordosten, Merkels politischer Heimat, verpasste die Partei erstmals in ihrer Geschichte den Wiedereinzug in den Landtag, da sie nicht die nötigen fünf Prozent der Stimmen erreichte. Ein Schock für die Christdemokraten – und ein Anlass, innezuhalten.

In Mecklenburg-Vorpommern spricht man von einer politischen Zäsur. Die CDU, die in den letzten Jahrzehnten immer mindestens einen Sitz im Landtag halten konnte, war diesmal chancenlos. Die Ergebnisse belegen: Die Partei hat ihre Basis nicht nur im Osten, sondern auch in den urbanen Zentren wie Berlin verloren. Innerhalb der CDU werden nun Stimmen laut, die fordern, sich wieder mehr auf die Gründungsideen ihrer Partei zu besinnen. Merkel selbst stammt aus der Region, in der diese historische Wahlniederlage stattfand. Das macht ihren Appell an die Werte der CDU besonders bemerkenswert.

Merkel fordert Blick auf Adenauers Erbe

Angela Merkel nutzte die Eröffnung einer Kunstausstellung im Bundestag, um auf die historischen Lehren der CDU hinzuweisen. Am Tag nach der Wahlniederlage fragte sie offen: "An einem Tag wie heute und nach einem Abend wie gestern lohnt es sich vielleicht, auch noch mal nachzudenken, was können wir von Konrad Adenauer übernehmen?" Für Merkel war das keine zufällige Rhetorik – sie schlug den Bogen direkt von den aktuellen Wahlergebnissen zur Grundsatzdebatte ihrer Partei.

Das Setting war durchaus symbolisch: Die Ausstellung rückt mit dem Adenauer-Porträt einen der CDU-Gründerväter ins Zentrum. Merkel erinnerte daran, dass Adenauer immer Brücken bauen wollte – aber eben nicht zu jedem. "Für ihn war klar, man muss Brücken bauen. Und gleichzeitig ergab sich daraus automatisch, mit wem man keine Brücken bauen konnte." Gerade nach so einer Wahlschlappe wirkt diese Aussage wie eine Aufforderung, alte Prinzipien neu zu durchdenken. Die Partei solle neu definieren, wofür sie als Volkspartei stehen will und kann.

Die Drei-Wurzeln-Lehre und das Volkspartei-Ideal

Merkel zitierte das berühmte Konzept Adenauers, wonach die CDU "aus drei gleichberechtigten Wurzeln – konservativ, liberal, christlich-sozial" besteht. Sie betonte, dass dies auch heute noch der Anspruch einer Volkspartei sein müsse: "Ich denke, das muss der Anspruch einer Volkspartei sein, das hat er uns mitgegeben." Besonders angesichts der aktuellen Wahlniederlage ruft sie dazu auf, Brücken zu bauen und sich daran zu erinnern, mit wem dies überhaupt möglich ist.

Das Selbstverständnis als Volkspartei bedeutet für Merkel, möglichst viele gesellschaftliche Gruppen einzubinden. In ihren Worten: Es gehe darum, auch neue Milieus für die CDU zu gewinnen und nicht in alten Mustern zu verharren. Damit könnten Wahlerfolge wie in früheren Zeiten wieder erreichbar sein. Gleichzeitig sieht sie in Adenauers Anspruch einen Auftrag, die drei Säulen der Partei – konservativ, liberal, christlich-sozial – immer wieder zu aktualisieren und an die Gegenwart anzupassen.

Brücken zwischen alten und neuen Bürgern

Merkel bleibt nicht bei der Geschichte stehen: Sie fügt dem Brückenbau-Gedanken Adenauers eine neue Dimension hinzu. Heute müsse die CDU Brücken "zwischen Menschen mit und ohne Migrationsgeschichte" schlagen, so Merkel. Die Partei solle sich als gesellschaftliche Klammer verstehen, die verbindet, nicht spaltet. Gleichzeitig betont sie die Notwendigkeit, klar zu haben, mit wem das gar nicht möglich ist: "Für ihn war klar, man muss Brücken bauen. Und gleichzeitig ergab sich daraus automatisch, mit wem man keine Brücken bauen konnte."

Mit diesem Blick auf Integration richtet Merkel ihren Appell nicht allein an Parteifreunde: In Mecklenburg-Vorpommern leben viele Menschen mit biografischen Brüchen. Viele von ihnen suchen politischen Anschluss. Indem die CDU gezielt auf diese Menschen zugeht, könnte sie neue Anhänger gewinnen und bestehende Gräben überwinden. Merkel plädiert dafür, dass die CDU nicht in Lagerdenken verfällt, sondern sich noch stärker als Partei für den gesellschaftlichen Zusammenhalt versteht. Gerade jetzt, da der politische Frust im Nordosten wächst, sieht sie diese Aufgabe als zentral für die CDU.

Kunst und Politik im Bundestag

Der Rahmen für diese mahnenden Worte war die Eröffnung einer Ausstellung von Werken aus der Kunstsammlung des Bundestags. Gezeigt wurden unter anderem ein Porträt Konrad Adenauers, gemalt von Oskar Kokoschka, das einst Merkels Büro zierte, sowie das berühmte Brandt-Porträt von Andy Warhol. Für Merkel ist klar: So wie sie sich von Adenauers Vermächtnis inspirieren lässt, sollten auch die CDU und ihre Wurzeln in Kunst und Geschichte verankert bleiben.

Die Präsenz beider Porträts im Bundestag steht sinnbildlich für den Dialog der Parteien – CDU und SPD. Auch das gehört zu einem offenen, pluralen Demokratieverständnis. Merkel machte deutlich, dass Geschichte nicht zur Last werden darf, sondern als Inspiration für die politische Arbeit gesehen werden soll. Wer Brücken bauen will, braucht ein Bewusstsein für Vergangenheit – aber auch den Mut, neue Verbindungen einzugehen. Vielleicht ist das die eigentliche Botschaft, die sie ihrer Partei an diesem schwierigen Tag mitgegeben hat.

Verwendete Quelle:

CDU-Niederlagen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin: Merkel äußert sich