Was bedeutet androgyn? Wir klären auf!

Was bedeutet androgyn? Wir klären auf!

Sind dir schon einmal Menschen aufgefallen, die äußerlich zum Teil eher weibliche, dann aber auch wieder markante männliche Merkmale aufweisen? Wenn bei Männern beispielsweise auch leicht feminine Gesichtszüge vorherrschen oder aber Frauen ein eher markantes Kinn haben, dann spricht man von Androgynie. Viele Schönheitsideale aus der Antike haben genau solche androgynen Menschen auf Kunst projiziert.

Grundsätzlich muss man mit dem Begriff Androgynie aber etwas genauer umgehen, denn umgangssprachlich meint „androgyn“ eher Menschen, die nicht eindeutig dem einen oder dem anderen biologischen Geschlecht zugeordnet werden können. Nicht immer aber liegt Androgynie im Auge des Betrachters: Manche Personen treten bewusst so auf, in dem sie sich beispielsweise entsprechend kleiden. In diesem Fall werden tendenziell eher schwach ausgeprägte Geschlechtsmerkmale hervorgehoben oder ganz verborgen. Ähnlich dazu ist auch die Intersexualität.

Androgyne Menschen waren seit jeher Gegenstand von Mythen und Vorurteilen

Es gibt immer wieder Vorurteile gegenüber androgyne Menschen, vor allem in Ländern oder Kulturen, in denen noch immer eine klassische Rollenteilung vorherrscht oder in denen es gewisse Körperideale gibt. Mitunter sind diese Faktoren auch darauf zurückzuführen, dass androgyne Menschen mit Anerkennungsschwierigkeiten oder gar Ablehnung zu kämpfen haben. Bestimmte Kulturen, wie beispielsweise der Hinduismus, haben dagegen mit Ardhanarishvara sogar eine zweigeschlechtliche Götterfigur, die in diesem Fall aus dem Gatten Shiva und seiner Gemahlin Parvati gebildet wurde.

Es gibt aber auch klare Unterscheidungen hinsichtlich der Selbstwahrnehmung androgyner Menschen. Insbesondere betrifft das die psychologische Ebene, in Bezug auf das Zugehörigkeitsgefühl und die Unterscheidung zwischen Mann und Frau. Dabei geht es nicht nur darum, das Geschlecht sozusagen der gesellschaftlichen Rolle und dem Stand entsprechend einzuordnen, sondern auch um die Interaktion mit anderen Menschen. Personen, die als besonders androgyn gelten, kann es mitunter schwerfallen, nach den Regeln der Gesellschaft zu leben und beispielsweise das „andere Geschlecht“ attraktiv zu finden, oder eine Beziehung dazu einzugehen.

Androgyn in der Medizin

Androgyne Menschen können, im biologischen Sinn betrachtet, durchaus als Zwitter bezeichnet werden. Dabei geht die Definition von einem Zustand von Doppelgeschlechtlichkeit aus. Männliche bzw. weibliche Keimzellen und damit auch Geschlechtsorgane sind dann gleichermaßen ausgeprägt. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von einem unbestimmten Geschlecht oder von Pseudohermaphroditismus. Das ist jedoch, rein faktisch betrachtet, eher selten der Fall.

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Und jetzt: Welche Auswirkungen hat „androgyn“ auf den Alltag?

Es ist wichtig zu wissen, dass androgyne Menschen keine Krankheit haben oder sonst in irgendeiner Form „schräg“ sind. Wer sich selbst als androgyn bezeichnet und dieses Selbstverständnis auch nach außen trägt, wird mitunter aber gewisse Schwierigkeiten haben, von anderen Verständnis dafür einzufordern. Viele Menschen wachsen mit einem klaren, festgefahrenen Menschenbild auf und sind schlichtweg nicht bereit oder in der Lage, Menschen mit androgynem Phänotyp und entsprechendem Auftreten als gleichberechtigt anzuerkennen. Es geht hier nicht um rechtliche Sachen oder eine bestimmte Unterscheidung, sondern rein um den Umstand, dass biologische Männer gewisse frauentypische Merkmale stärker aufweisen bzw. biologische Frauen optisch mit eher männlich assoziierten Merkmalen beschrieben werden können. In Ländern wie den USA gibt es darüber bereits deutlich breitere gesellschaftliche Diskussionen, in Europa beschränkt sich ein Umdenken vorerst auf die Großstädte.

Interessiert? Dann lies hier mehr zu den Themen Transsexualität und Pansexualität

• Tobias Witte
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