Endlich Gewissheit - Everest-Leiche nach 30 Jahren identifiziert
Drei Jahrzehnte lag ein Name im Schatten des höchsten Berges der Welt. Nun bringt ein Durchbruch per DNA-Test Klarheit in einen der rätselhaftesten Fälle der Bergsteiger-Geschichte.
Fast jeder, der je den Gipfel des Mount Everest von Norden aus anvisiert hat, kennt das Bild: In der sogenannten Todeszone über 8000 Metern liegt ein Körper, der wegen seiner auffälligen grünen Koflach-Stiefel seit Jahrzehnten nur „Green Boots“ genannt wird. Für viele Alpinisten war er ein unheimliches Mahnmal, ein makabrer Wegweiser auf dem Weg zum Gipfel. Doch wer war dieser „Green Boots“ wirklich? Diese Frage beschäftigte nicht nur zahlreiche Bergsteiger, sondern auch Familienangehörige und Experten – fast 30 Jahre lang. Nun gibt es endlich eine Antwort.
Identität gelüftet dank DNA-Test: Dorje Morup kehrt ins Rampenlicht zurück
Die Auflösung eines der berühmtesten Everest-Rätsel glückte nun der Indo-Tibetan Border Police (ITBP). Nach umfangreichen Untersuchungen wurde per DNA-Test bestätigt: „Green Boots“ ist der indische Höhenbergsteiger Dorje Morup, der im Alter von 47 Jahren bei einer Expedition ums Leben kam. Jahrzehntelang war der Leichnam ein Streitpunkt unter Experten, weil viele ihn irrtümlich für Tsewang Paljor hielten. Diese Debatte ist mit der aktuellen Bestätigung endgültig beendet. Die ITBP stellte das Ergebnis am 30. Juni 2026 offiziell vor, zeitgleich mit den Plänen für eine Bergungsaktion, die im Sommer 2026 durchgeführt werden soll.
Das Drama von 1996: Blizzard, Tod und Missverständnisse um „Green Boots“
Wie kam es dazu, dass ausgerechnet Morup zum Symbol für einen der gefährlichsten Abschnitte am Everest wurde? Am 10. Mai 1996 startete er mit einer sechsköpfigen ITBP-Expedition über die Nordroute zum Gipfel. Kurz vor dem Ziel verschlechterte sich das Wetter dramatisch, ein heftiger Blizzard zwang drei Expeditionsteilnehmer zur Umkehr. Morup, gemeinsam mit Tsewang Paljor (damals 28 Jahre alt) und Tsewang Samanla, setzte den Aufstieg fort. Die drei Bergsteiger starben kurz danach in dieser tödlichen Höhenzone. Insgesamt kostete das Unglück im Mai 1996 acht Menschenleben. Seitdem lag der Körper von Morup, an den grünen Stiefeln gut erkennbar, mehrere Jahrzehnte am Berg.
Komplizierte Rückholung: Sherpas, Behörden und internationale Hürden
Nach fast 30 Jahren sollen die sterblichen Überreste von Dorje Morup nun geborgen werden. Die ITBP übernimmt die Organisation, doch bevor Morup seine letzte Reise nach Hause antreten kann, steht eine aufwändige und riskante Rettungsaktion bevor. Mindestens sechs erfahrene Sherpas werden benötigt, um den Leichnam aus der sogenannten Todeszone oberhalb von 8000 Metern wieder nach unten zu holen. Die Bergung erfolgt von der tibetischen Nordseite des Mount Everest. Für diese sensible Operation müssen zuvor zahlreiche Genehmigungen von den chinesischen Behörden im Autonomen Gebiet Tibet eingeholt werden. Der Plan sieht vor, den Leichnam nach Kathmandu zu bringen und danach nach Indien zu überführen, wo die letzte Ruhestätte liegt. Noch wird eine spezialisierte Bergungsfirma gesucht, um die Tour im Sommer 2026 durchzuführen.
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