Parallelen zur Lungenfibrose: Studie erklärt, warum Covid-Patient:innen so lange beatmet werden müssen

Die Mehrheit der Patient:innen mit schwerem Covid-19-Verlauf haben hinterher eine schwer vernarbte Lunge. Dies könnte der Grund sein, warum die Lunge bei Corona-Patient:innen so lange funktionsunfähig bleibt. Eine Studie hat das Phänomen genauer untersucht.

Patient mit Beatmungsgerät
© Jackyenjoyphotography@Getty Images
Patient mit Beatmungsgerät

Gemeinsam mit der Charité haben das Helmholtz-Instituts für RNA-basierte Infektionsforschung (HIRI), das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC), die Uniklinik RWTH Aachen und das Robert Koch-Instituts eine Studie durchgeführt, die die Frage klären soll, warum die Lunge nach einem schweren Covid-19-Verlauf so lange funktionsunfähig bleibt.

Studie

Für die Studie hat das Forschungsteam die Lungen von verstorbenen Patient:innen mittels mikroskopischer Aufnahmen untersucht. Die Lungen waren bei den meisten ungewöhnlich stark vernarbt, wie msn.com berichtet.

Versagt die Lunge wegen Covid-19, dann ähneln die Prozesse einer Lungenvernarbung bei einer sogenannten idiopathischen Lungenfibrose. Dabei handelt es sich um eine chronisch fortschreitende Erkrankung, die meistens ältere Menschen betrifft. Bei der Lungenfibrose baut sich das Gewebe der Lunge um und die Lungenfunktionen gehen verloren. Die Vernarbung ist unheilbar.

ECMO-Therapie

In Bezug auf Corona würde das erklären, warum die Lunge versagt, funktionsunfähig bleibt und eine wochen- oder auch monatelange ECMO-Therapie erfordert. Bei der Therapie wird das Blut des Patienten oder der Patientin außerhalb des Körpers mit Sauerstoff angereichert. Doch die Überlebenschancen sind gering! Nur jede:r zweite Patient:in überlebt durch die ECMO-Therapie.

Peter Boor hat die Studie am Institut für Pathologie der Uniklinik RWTH Aachen geleitet und beschreibt die Befunde wie folgt:

Bei fast allen Betroffenen haben wir enorme Schäden entdeckt: Die Lungenbläschen waren weitgehend zerstört, die Wände deutlich verdickt. Außerdem fanden wir ausgeprägte Ablagerungen von Kollagen, welches ein Hauptbestandteil von Narbengewebe ist. Das könnte erklären, warum wir die Betroffenen so lange beatmen müssen.

Warum kommt es zum Lungenversagen?

Lange Zeit war unklar, warum die Lungenfunktion versagt. Vor allem, da das Lungenversagen normalerweise erst zwei bis drei Wochen nach dem Auftreten von ersten Corona-Symptomen auftritt. Da ist die Viruslast eigentlich schon wieder am Sinken. Professor Erik Sander, Co-Leiter der Studie von der Infektiologie und Pneumologie der Charité erklärt:

Das weist darauf hin, dass nicht die unkontrollierte Virusvermehrung zum Versagen der Lunge führt, sondern nachgeschaltete Reaktionen, beispielsweise des Immunsystems, eine Rolle spielen.

Warum es für Corona-Patient:innen trotzdem gute Nachrichten gibt, erklären wir euch im Video.

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