Die Eierstöcke nach der Menopause nicht einfach inaktiv – was passiert wirklich?
Nach der Menopause scheint das Kapitel Eierstöcke für viele abgeschlossen zu sein. Überraschenderweise zeigen neueste Forschungen: Im Körper geht es weiter, als viele glauben.
Menschliche Eierstöcke nach der Menopause – bislang galten sie als fast schon bedeutungslos. Hormonproduktion und Eisprung? Damit ist nach dem letzten Zyklus Schluss, so dachte man zumindest. Doch genau das stellt nun aktuelle Forschung infrage. Teams um Francesca E. Duncan von der Northwestern University und weitere Forscher arbeiteten in den vergangenen Jahren an einer erstaunlichen Entdeckung: Die Eierstöcke zeigen nach der Menopause ein völlig verändertes Profil, das sie eher zu einem „Organ mit immunologischen Eigenschaften“ machen könnte, als zu einem stillgelegten Überbleibsel.
Neue Proteine, neue Aufgaben: Was in Frauenkörpern nach der Menopause abläuft
Ein Forscherteam um Francesca E. Duncan untersuchte erstmals das Proteom der Eierstöcke von 28 gesunden Frauen im Alter zwischen 50 und 75 Jahren. Überraschendes Ergebnis: Viele Proteine, die mit Entzündung, Immunantwort und Gewebeumbau zusammenhängen, fanden sich in höherer Konzentration. Ein echtes Novum – denn zuvor ging man davon aus, dass postmenopausale Ovarien weitgehend inaktiv sind. Die Untersuchung legt aber den Schluss nahe:
„dass Eierstöcke nach der Menopause einen Immuncharakter ausprägen”.
Gleichzeitig bestätigen Analysen bei Mäusen diesen Eindruck. Die Zahl der Follikel schrumpft im Alter rapide – schon mit 18 Monaten ist bei den Tieren fast kein Vorrat mehr übrig, später tauchen dafür immer mehr Bindegewebe und Kollagen im Eierstock auf. Das deutet auf einen Umbau hin, wie er für entzündliche Prozesse typisch ist.
Gene, Zellen und mögliche Signale – was die Forschung bei Mäusen zeigt
Auch die genetische Analyse spricht Bände: Insgesamt 8 515 Gene sind zwischen jungen und alten Mäusen im Eierstock unterschiedlich aktiv. Was sich verschiebt? Die Aktivität von Genen für Eizellreifung und Hormonproduktion lässt stark nach, während Signalwege für Immunreaktionen und Entzündungsprozesse hochfahren. Mehrere Zelltypen, darunter T-Zellen, Makrophagen und sogar riesige mehrkernige Zellen, tauchen bei alten Mäusen im Eierstock zunehmend auf. Die Forscher fanden zudem viele Gene, deren Proteinprodukte von den Eierstöcken abgesondert werden könnten. Dazu heißt es:
„Der postreproduktive Eierstock könnte so Signale an andere Organe senden, die mit Immunität und Entzündungen zu tun haben.“
Auch spannend: Ob es sich dabei um eingewanderte Immunzellen oder um eigenständig transformierte Eierstockzellen handelt, ist noch gar nicht klar.
Was bedeuten diese Erkenntnisse für Frauen?
Die Erkenntnis, dass Eierstöcke nach der Menopause keine „leeren Hüllen“ sind, wirbelt altes Wissen durcheinander. Wenn sie tatsächlich Immunfunktionen übernehmen – was könnte das für die Gesundheit bedeuten? Die Studien geben Hinweise, dass „ovariell ausgelöste Entzündungsprozesse“ eventuell Signale an andere Organe senden könnten. Sicher ist das alles noch nicht. Die Forscher betonen:
„Wir bewegen uns auf hypothetischem Terrain.“
Die bisherigen Experimente an Mäusen lassen sich nur mit Vorsicht auf den Menschen übertragen. Zusätzlich gilt: Die Messungen zeigten zwar erhöhte Aktivität gewisser Gene, was diese aber tatsächlich im Körper bewirken, bleibt offen. Laut *Deutsche Menopause Gesellschaft* braucht es dringend weitere Untersuchungen an menschlichem Material, bevor medizinische Konsequenzen gezogen werden. Zur Klinik – sprich, der konkreten Behandlung – ist es also noch ein weiter Weg.
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Verwendete Quelle:
Welche Funktion die Eierstöcke nach der Menopause übernehmen