Das Havanna-Syndrom: Die rätselhafte Krankheit, die kein Arzt erklären kann

Mittlerweile scheint man mehr über das Havanna-Syndrom zu wissen. Die Beschwerden, die Dutzende von US-Angestellten, die in der kubanischen Botschaft arbeiten, erlitten haben, ähneln sich, lassen sich aber immer noch nicht komplett erklären.

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Es handelt sich um ein medizinisches Rätsel, das sich mit politischen Verdächtigungen verbindet. Seit 2016 werden die in Kuba stationierten US-Diplomat:innen von einer erstaunlichen Unruhe befallen. Einige von ihnen sagen, sie hätten ein lautes, hohes Geräusch gehört, und alle litten entweder unter Kopfschmerzen, Gleichgewichtsproblemen, Übelkeit, Seh- und Hörstörungen und insgesamt unter einem "kognitiven Nebel". Kein Arzt und keine Ärztin weiß, was sie haben; die Betroffenen sollen an dem mysteriösen "Havanna-Syndrom" leiden. Nun wurden medizinische Untersuchungen bekannt, die jedoch noch mehr Fragen aufwerfen als Antworten geben.

Nicht nur eingebildet

Die beschriebenen Symptome ähnelten denen einer Gehirnerschütterung. Allerdings hatte keiner der Betroffenen einen Schlag auf den Kopf erhalten. Neue wissenschaftliche Artikel, die letzte Woche in der Fachzeitschrift Journal of the American Medical Association veröffentlicht wurden, berichteten zudem von keinen spezifischen Problemen im Gehirn, nachdem 81 Botschaftsangehörige, die "abnormale gesundheitliche Vorfälle" erlebt hatten, einer Kernspintomographie unterzogen worden waren.

Die Forscher:innen fanden jedoch keine übereinstimmende Hirnschädigung oder einen spezifischen Marker, der dieses kollektive Phänomen erklären könnte. Bei einigen dieser Patient:innen wurden Depressionen, posttraumatische Belastungsstörungen oder starke Ermüdungserscheinungen diagnostiziert, doch ihre Gesundheitsbilanz deutet in keinem Fall auf eine physiologische Ursache für ihr Leiden hin.

Die Untersuchung möglicher biologischer Faktoren wird fortgesetzt. Denn die Forscher:innen betonen, dass diese Patient:innen ihre Symptome nicht erfinden. "Es ist wichtig anzuerkennen, dass diese Symptome tatsächlich existieren, das Leben der Betroffenen stark beeinträchtigen und ziemlich dauerhaft, behindernd und schwer zu behandeln sein können", erklärte Leighton Chan, Hauptautor einer der beiden Studien, in einer von AFP weitergeleiteten Erklärung. Die Ursache der Erkrankung bleibt also weiterhin rätselhaft.

Verschwörungstheorien

Nach einer langen, eher politischen Untersuchung gab der US-Geheimdienst im vergangenen Jahr schließlich bekannt, dass es "sehr unwahrscheinlich" sei, dass eine ausländische Macht oder eine akustische Waffe das Havanna-Syndrom verursache. Auch hier wurde das Leiden des US-Personals nicht geleugnet, aber die CIA war zu dem Schluss gekommen, dass die Beschwerden "wahrscheinlich auf Faktoren zurückzuführen sind, die keine ausländische Entität involvieren, wie z. B. vorbestehende Bedingungen, konventionelle Krankheiten oder Umweltfaktoren".

Das Gerücht einer Reihe von "akustischen Angriffen" auf Diplomaten in Havanna, aber auch auf anderes diplomatisches Personal in der ganzen Welt (China, Deutschland, Australien, Russland, Österreich und sogar im Weißen Haus), war jedoch von der amerikanischen Presse aufgrund des Summens, das einige der ersten Opfer gehört hatten, verbreitet worden. Diese Hypothese, die eher an eine Verschwörungstheorie erinnerte, wurde ebenso wie die anderen Spuren (Wellen, Viren usw.), die in den Raum gestellt worden waren, wieder verworfen. Das Rätsel ist also immer noch groß.

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Verwendete Quelle:

Journal of the American Medical Association:Clinical, Biomarker, and Research Tests Among US Government Personnel and Their Family Members Involved in Anomalous Health Incidents

AFP

Aus dem Französischen übersetzt von Ça m'intéresse

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