Welche Bedeutung haben unsere Sexträume?

Jeder hat sie schon gehabt. Ihre Konstellationen und Abläufe sind nahezu grenzenlos. Was sagen aber Sexträume über uns und unsere Bedürfnisse aus? Eine Expertin gibt hierzu Auskunft. Wir werden euch nichts davon verheimlichen.

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Es gibt Sexträume, die findet man anregend, andere wieder eher überraschend oder gar verstörend. Man wird sich deshalb leicht bewusst, dass hinter diesem Phänomen so einiges steckt, was sich in unserem Geist zusammenbraut. Doch wie kann man Sexträume verstehen bzw. muss man sie verstehen können? Wir haben zu diesen Fragen die Antworten einer Expertin eingeholt.

Sexträume sind ganz normal

Die Sexual- und Psychotherapeutin Diana Schiftan beschäftigt sich mit Sexproblemen und Praktiken auf körperlicher wie psychischer Ebene. Sie hat sich in diesen Themenbereichen auch als Autorin hervorgetan. Heute klärt sie uns zu Sexträumen auf.

Diana Schiftan tut ihre grundsätzliche Meinung Men'sHealth gegenüber kund:

Sexträume mit anderen Personen bedeuten in erster Linie, dass man mehr Möglichkeiten hat, sich erregen zu lassen als von der aktuellen Partnerin. Die wenigsten Männer träumen von ihrer Partnerin, mit der können sie schließlich in der Realität Sex haben.

Schiftan fährt daraufhin fort:

Wir haben alle mehr Anziehungscodes, als in einer Person vereint sind. Es wäre schade, wenn wir nur durch unseren aktuellen Partner erregt werden würden.

Man kann also schon einmal festhalten, dass Träume vom Sex mit anderen Frauen nicht bedeuten müssen, dass du mit dem Sex mit deiner Partnerin unzufrieden bist. Die Angelegenheit ist deutlich vielschichtiger..

Die Klassiker und ihre Bedeutung

Diana Schiftan gibt Auskunft zu möglichen Bedeutungen verschiedener Klassiker unter den Sexträumen. Wir haben dir hier eine kleine Auswahl und mögliche Deutungen zusammengestellt. Die Expertin hebt zunächst aber noch ein ganz allgemeines Element hervor, das stets zu berücksichtigen ist:

Bei Sexträumen weiß man nie, was nachts zuerst da ist: die Erregung oder das Bild einer erotischen Szene. Wenn die Erregung zuerst da ist, kreiert sich der Geist ein Bild dazu.

Welche klassischen Konstellationen fallen also unserem Gehirn ein? Folgende acht Szenarien treten dabei häufig auf:

1) Sex mit einer Fremden

Diana Schiftan deutet den Kern hier folgendermaßen:

Der Reiz liegt darin, eine fremde Person einfach so von der Straße wegzupflücken und nicht zu wissen, ob das eine gute Idee ist.

Anders als in der Wirklichkeit hat man im Traum nicht mit bösen Folgen zu rechnen. Bei der Fremden kann es sich um eine in der Realität gesehene Person handeln oder um ein Fantasiekonstrukt in einem Fantasieraum, das aus uns anziehenden Merkmalen zusammengesetzt ist.

2) Sex mit der Exfreundin

Die Expertin hat auch hier sofort eine Erklärung parat:

Aus irgendeinem Grund warst du schließlich mal mit der Partnerin zusammen und hattest hoffentlich auch gute sexuelle Erlebnisse mit ihr. Warum darf man sich nicht einfach mal erinnern?

Sich an seine Ex-Partnerin zu erinnern, ist also nicht beängstigend. Man hat schöne Dinge mit ihr geteilt und soll sich hüten, alles Vergangene schlechtzumachen.

3) Sex mit der Vorgesetzten

Schiftan sieht das dann folgendermaßen:

Die Chefin ist dir hierarchisch übergeordnet, ist eine Respektsperson – hier liegt der Reiz im Verbotenen.

Sie setzt aber noch hinzu:

Mancher Mann fühlt sich auch in seinem Ego bestärkt, weil die Chefin gerade ihn für ein Schäferstündchen ausgewählt hat.

Im Traum gibt es also keine Tabus. Auch wenn man das Geträumte nicht einmal umsetzen möchte!

4) Sex mit der besten Freundin

Die Sexualtherapeutin ist an diesem Punkt etwas geheimnisvoller, sie erklärt:

Zunächst ist es ein Kompliment an die Freundin. [...] Zudem hat Sex nicht immer mit Liebe zu tun. [...] Nur, weil jemand in meinem Sextraum auftaucht, muss ich noch lange nicht eine Beziehung mit der Person führen wollen.

Wie du siehst, muss also hier nicht unbedingt mehr als Freundschaft zwischen dir und deiner besten Freundin dahinterstecken.

5) Sex mit der Feindin

Diana Schiftan weiß auch hier eine Erklärung:

Erregung und Aufregung liegen oft sehr nahe beieinander. Eine Person, die wir hassen, generiert eben sehr viel Aufregung im Körper.

Auch bei solchen Sexträumen besteht also kein Grund zur Sorge, auch wenn du danach ganz verstört aufwachst.

6) Sex mit einem anderen Mann

Die Expertin gibt hier Entwarnung:

So ein Traum ist völlig unproblematisch. Homosexuelle Träume können bedeuten, dass der Mann sich mit seiner Männlichkeit auseinandersetzt.

Du musst also keineswegs befürchten, hier Anzeichen für einen Wandel in deiner geschlechtlichen Orientierung zu sehen.

7) Gewaltvoller Sex

Schiftan merkt hierzu an:

Krasse Fantasien heizen sich dadurch auf, dass wir sie ablehnen. [...] Du solltest versuchen, deine Träume distanzierter zu betrachten. Wenn die mal etwas schräg sind, ist das doch auch okay.

Lasst dich also von solchen Träumen nicht verunsichern und versuche, klar die Fantasie von der Realität zu trennen.

8) Du beobachtest deine Partnerin mit einem anderen

Laut Schiftan ist hier die Deutung recht einfach:

Im Normalfall zeigt so ein Traum die innere Unsicherheit. Da macht sich jemand Sorgen, dass die Partnerin wirklich fremdgehen könnte.

Manchen Männern scheint diese Vorstellung aber sogar zu gefallen, ohne ein Fremdgehen ihrer Partnerin wirklich zu wollen.

Wie geht man mit seinen Sexträumen um?

Es hängt von deiner Partnerschaft ab, inwiefern du über deine Sexträume offen sprichst. Sie für sich zu behalten, ist nach der Expertin kein Problem und besser, als deine Partnerin dadurch vielleicht zu verletzen.

Seine Sexträume in die Tat umsetzen zu wollen, ist dagegen überaus heikel. Schiftan warnt zu großer Vorsicht:

Alles, was rechtlich korrekt ist, ist natürlich erlaubt. [...] Aber oft sind erotische Träume zwar in der Fantasie sehr reizvoll, aber in der Realität gar nicht so toll. Wenn man sie umsetzen will, sollte man darauf vorbereitet sein, dass man enttäuscht wird.

Gelassenheit ist angesagt

Ganz grundsätzlich ist aber zum Thema Sexträume festzuhalten, dass hier nicht alles gedeutet werden muss oder kann. Besser ist es, diese Träume einfach als Fantasiefrüchte zu nehmen und möglichst zu genießen. Die Expertin ist hier folgender Meinung:

Fantasien sind etwas Tolles. Es ist doch genial, dass sich unser Geist so inspirieren lassen kann. Man darf Träume und Fantasien auch erstmal als das nehmen, was sie sind, nämlich bloß als Träume.

Nimm also diese erotische Fantasien als Geschenk und quäle dich nicht mit Überlegungen zu ihren Bedeutungen.

Noch ein kleiner Tipp zum Schluss: Bist du von deinen Sexträumen ganz angetan, kannst du diese deinem Gehirn sogar bewusst eingeben. Diana Schiftan gibt dir hier einen letzten Rat mit auf den Weg:

Erlaube dir selbst erregende Tagträume. Stell dir Sex mit fremden Personen an spannenden Orten vor. Fantasiere doppelt so häufig, als dass du einen Porno schaust. Denn der regt deinen Geist nicht so an wie eine Fantasie, die deine Vorstellungskraft fördert.