Soziale Vereinsamung: Sogar die Essensausgabe hat sich für Obdachlose verändert
Soziale Vereinsamung: Sogar die Essensausgabe hat sich für Obdachlose verändert
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Soziale Vereinsamung: Sogar die Essensausgabe hat sich für Obdachlose verändert

Corona hat auch das Leben von Obdachlosen entscheidend verändert. Soziale Vereinsamung wird durch die ganzen Corona-Regeln noch mehr verstärkt. Sogar die Essensausgabe ist nicht mehr so gemeinschaftlich wie noch vor der Pandemie.

Das Leben auf der Straße war immer schon hart, doch zu Zeiten der Corona-Pandemie ist dieses Schicksal für Obdachlose noch viel schlimmer zu ertragen. Denn es kommt die extreme Einsamkeit dazu. Während des Lockdowns hat es Gabenzäune gegeben. Doch auch nach der Lockerung bleibt die Einsamkeit für die Menschen, die kein Zuhause haben.

Sozialer Kontakt bricht auch bei Hilfsorganisationen weg

COVID-19 hat unseren Alltag und Arbeitsweisen verändert, denn sanitäre Vorlagen schreiben auch Hilfsorganisationen vor, Hygienemaßnahmen vorzunehmen. In Berlin heißt das konkret für die Bahnhofsmission, die täglich Essen für Obdachlose ausgibt, dass der persönliche Kontakt verloren geht.

Die Vorlagen schreiben vor, dass diese nämlich nicht mehr das Gebäude betreten dürfen, das Essen wird an einem Schalter draußen ausgegeben. Das unterbindet jedoch die kleinen Gespräche, die sich sonst ergeben.

Diese sind jedoch für Menschen, die auf der Straße leben, eine wichtige Kommunikation, die ihnen verloren geht. Der Leiter der Bahnhofsmission in Berlin, Leiter Wilhelm Nadolny, sagt zur BILD:

Wir müssen die Leute am Fenster bedienen. Der persönliche Kontakt geht verloren. Ein freundliches Wort, ein kurzes Gespräch - das brauchen die Leute. Manche sind total fertig und weinen, andere brauchen einfach Gesellschaft.
Soziale Vereinsamung ist durch Corona schlimmer geworden, denn selbst die Essensausgabe ist nicht mehr gleich.  Mike Harrington@Getty Images

Corona-Winter dürfte besonders hart werden

Dieser Umstand trifft auch Christine Blume hart, die seit drei Jahren auf der Straße lebt und bei der Bild-Zeitung im Portrait ist. Bei der Berliner Bahnhofsmission ist sie bekannt. Täglich holt sie sich dort ihr Essen ab - auch um den sozialen Kontakt zu pflegen.

Das Gespräch mit dem Personal ist nämlich für sie oft die einzige sichere Möglichkeiten, sich etwas länger mit ihren Mitmenschen zu unterhalten. Doch durch Corona ist dies weggebrochen - dem Personal sind durch die ganzen sanitären Auflagen die Hände gebunden.

Zudem steht der Winter bald vor der Tür, der den Alltag noch um Einiges erschwert. Christine Blume graut jetzt schon davor. Sicherlich würde es weniger Schlafplätze geben wegen des Abstandes, der eingehalten werden muss, und viel mehr Menschen müssten draußen um ihr Überleben kämpfen...

Zu hoffen, dass ihnen im Alltag die Wärme der Mitmenschen zur Seite steht. Was wir selbst machen können? Uns dessen bewusst zu sein und hin und wieder ein nettes Gespräch führen.

Von Maximilian Vogel

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