Chloroquin: Studie warnt vor heftigen Nebenwirkungen des "Wundermittels"
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Chloroquin: Studie warnt vor heftigen Nebenwirkungen des "Wundermittels"

Die Europäische Arzneimittelagentur warnt vor den Nebenwirkungen von Hydroxchloroquin und fügt hinzu, dass bisher noch keine Wirksamkeit gegen das Coronavirus nachgewiesen werden konnte.

Nachdem der französische Infektiologe Professor Didier Raoult es als "Wundermittel" gegen Corona dargestellt hat und auch Donald Trump das Malariamedikament Chloroquin angepriesen hat, sorgt Chloroquin nach wie vor für heftige Debatten. Jetzt stehen sich wieder einmal die weltweiten Gegner und Befürworter dieses über Nacht berühmt gewordenen Moleküls gegenüber.

Heftige Nebenwirkungen

"Aktuelle Studien zeigen infolge [einer Behandlung mit] Chloroquin oder Hydroxchloroquin schwere, in manchen Fällen sogar tödliche, Herzrhythmusprobleme auf, die insbesondere bei hoher Dosierung oder in Kombination mit dem Antibiotikum Azithromycin auftreten", schreibt die Europäische Arzneimittelagentur in ihrer Pressemitteilung.

Diese Agentur mit Sitz in Amsterdam erklärt außerdem, dass in Verbindung mit diesem Molekül Probleme mit der Leber und den Nieren auftreten und die Nervenzellen beschädigt werden können. Außerdem, so die EMA sei "die positive Wirkung dieses Medikaments für die Behandlung von Covid-19 noch nicht nachgewiesen worden".

Didier Raoult weicht nicht von seiner Meinung ab

Die in den USA durchgeführte Studie zum Hydroxchloroquin zeigt keine positive Wirkung gegen das Coronavirus. Schlimmer noch, dieser von der amerikanischen Regierung finanzierten Studie zufolge kommt es durch dieses Molekül sogar zu einer Übersterblichkeit, egal ob es in Verbindung mit Azithromycin verabreicht wird, wie von Professor Raoult empfohlen, oder nicht.

Über Twitter reagiert Didier Raoult sofort auf diese seiner Meinung nach verzerrten Ergebnisse: "Die Patienten, die mit Hydroxchloroquin behandelt werden, sind bereits in einem kritischen Zustand und haben eine Lymphopenie. Betrügerische Studie. Fake News."

Im Mittelpunkt der wissenschaftlichen Debatte

Wem soll man also glauben? Die Ergebnisse von Didier Raoult werden von einem Teil der wissenschaftlichen Gruppe infrage gestellt, die ihm vorwirft, einen Ansatz zu verfolgen, der nicht den internationalen Standards entspricht. Ihm werden mehrere methodische Mängel vorgeworfen, die die Ergebnisse verfälschen. Auch eine Erhebung der französischen Behörde für Arzneimittelsicherheit stellt seine letzte Studie infrage.

Didier Raoult erklärt wiederum, dass die Dringlichkeit der Lage keine ausführlicheren Untersuchungen zulasse. Außerdem weist er auf eine gesunkene Sterberate in Marseille hin, ohne jedoch beweisen zu können, dass diese dem Chloroquin zu verdanken wäre. Und wirft seinerseits den Studien methodische Mängel vor, die die negativen Wirkungen von Chloroquin nachgewiesen haben.

80 % haben keine Symptome

Vorwürfe über Vorwürfe – da fällt es schwer, noch einen klaren Blick zu behalten. Dabei ist die wissenschaftliche Diskussion, die sich hier vor unseren Augen abspielt, ziemlich unwichtig. Die Situation, die es betrifft, jedoch deutlich weniger. Und das eigentliche Hinderniss auf der Suche nach einer verlässlichen Behandlung liegt in Covid-19 selber: Bei mehr als 80 % der Patienten verläuft die Krankheit nämlich symptomfrei und harmlos. Die meisten von ihnen genesen ohne Behandlung.

Um zu einem vertrauenswürdigen Ergebnis und einer wirksamen Behandlungsmethode zu kommen, müssten also mehrere gründliche und sehr strenge Studien an einer sehr großen Anzahl von Patienten durchgeführt werden. Egal, ob man nun eine wissenschaftliche Koryphäe oder eine internationales Labor ist...

Von Martin Gerst

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