Auf dem Vormarsch: Fleischfressende Bakterienerkrankung beunruhigt Infektiologen
Auf dem Vormarsch: Fleischfressende Bakterienerkrankung beunruhigt Infektiologen
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Auf dem Vormarsch: Fleischfressende Bakterienerkrankung beunruhigt Infektiologen

Von Maximilian Vogel

In Australien breitet sich eine fleischfressende Bakterienerkrankung jährlich immer weiter aus. Sie ist unter dem Namen Buruli-Ulkus bekannt und nicht besonders gut erforscht. Auf den Menschen von Tieren übertragen, sorgt ihre Ausbreitung für große Beunruhigung.

Trifft derzeit die Corona-Pandemie die gesamte Welt in voller Härte, wird in diesem Kontext auch die Überwachung verstärkt, was Viren und Bakterien anbelangt.

In Australien ist zwar das Coronavirus so halbwegs unter Kontrolle mit der ZeroCovid-Strategie, doch sind dort Forscher besonders aufgrund einer fleischfressenden Krankheit beunruhigt, steigt doch die Zahl der registrierten Fälle von Jahr zu Jahr an.

Buruli-Ulkus

Es handelt sich hierbei genauer um das Buruli-Ulkus, eine Erkrankung bakteriellen Ursprungs, die 1897 in Uganda entdeckt worden ist. Von dort hat sie sich dann über verschiedene Länder ausgebreitet. Hierzu gehört auch Australien, wo 1948 der erste Fall in der Nähe von Melbourne, im Bundesstaat Victoria, registriert worden ist.

Es ist nicht bekannt, wie die Krankheit bis dorthin gelangt ist. Diesbezüglich steht auch in nächster Zukunft keine tiefergehende Enthüllung an. Wie kann das sein?

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat das Buruli-Ulkus als vernachlässigte Tropenkrankheit eingestuft, was bedeutet, dass die hierzu durchgeführten Forschungen gegen Null gehen. Wohl weil diese Krankheit in erster Linie benachteiligte Bevölkerungsschichten betrifft.

Die WHO meldet hierzu im Jahr 2016 etwa 1.961 insgesamt registrierte Fälle. 2018 ist diese Zahl auf 2.713 Fälle angestiegen. Auch in Australien ist ein deutlicher Anstieg zu verzeichnen. Die Krankheit scheint sich dort in dem Verwaltungsgebiet Mornington Peninsula Shire in der Nähe von Melbourne zu konzentrieren.

Hat man dort 2014 nur 65 Fälle gezählt, sind es 2019 schon 299 Fälle gewesen. Diese steigende Tendenz beunruhigt insbesondere Daniel O'Brien, einen Infektiologen und Spezialisten des Buruli-Ulkus, der unablässig alle Eigenheiten dieser Krankheit erforscht.

Die bakterielle Infektion Buruli-Ulkus ist in Australien auf dem Vormarsch.  CDC@Unsplash

Symptome und Möglichkeiten der Behandlung

Diese Krankheit zerstört die Haut und kann sogar das Weichteilgewebe angreifen, wenn ihr nicht Einhalt geboten wird. Daniel O’Brien sagt hierzu der BBC gegenüber:

Sie kann wahrhaftig ganze Gliedmaßen abnagen.

Um dieser Krankheit Herr zu werden, haben die Patienten über mehrere Wochen oder gar Monate hinweg Dosen von starken Antibiotika einzunehmen. Es handelt sich dabei um Rifampicin, das auch im Fall von Tuberkulose oder Lepra verwendet wird, sowie um Moxifloxacin, das bei der Behandlung der Pest zum Einsatz kommt.

Je nach der Schwere des Geschwürs können auch Dosen von Steroiden verabreicht werden. Letztlich kann auch ein chirurgischer Eingriff notwendig sein. Ein Patient Daniel O’Briens hat etwa zwanzig Operationen über sich ergehen lassen müssen.

Stellt das Geschwür an sich schon eine Behinderung dar und kann deutliche Spuren hinterlassen, trifft das ebenfalls auf dessen Behandlung zu. Diese verlangt den Patienten nämlich einiges ab und geht mit einer Reihe von Nebenwirkungen einher, wie Verdauungsschwierigkeiten oder Schwindelanfälle.

Wie wird die Krankheit übertragen? Eine Theorie hierzu

Kann diese Krankheit dem Menschen zwar sehr gefährlich werden, ist noch nicht genauer bekannt, wie sie übertragen wird. Um das besser verstehen zu können, arbeitet Daniel O’Brien mit anderen Wissenschaftlern zusammen.

Als Vermutung steht die einer Zoonose im Raum, also eine Übertragung von Tieren auf den Menschen. Insbesondere der Abstand zwischen Tier und Menschen, der sich immer mehr verringert, könnte hierfür verantwortlich sein.

Unter den potentiellen Übertragungskandidaten kommt das Opossum, die Beutelratte, an erster Stelle, das in Australien auf der Liste der geschützten Tiere steht. Die Forscherin Kim Blasdell vom Australian Animal Health Laboratory (AAHL) erklärt den Mechanismus der BBC gegenüber folgendermaßen:

In den Gegenden, in denen eine große Zahl an menschlichen Fällen gezählt werden können, ist es zuvor zu einer ausgedehnten urbanen Entwicklung gekommen. (...) Wenn Menschen Land bewohnbar machen oder nur die natürliche Vegetation beseitigen, bedeutet das, dass die dort ursprünglich lebenden Tiere, Opossums eingeschlossen, in dieser Gegend auf das Land mit der verbleibenden Vegetation wandern müssen. Das führt zu einer erhöhten Konzentration von Opossums.

Im Visier: Krankheitsüberträger Opossum

Opossums gewöhnen sich zudem sehr gut an das urbane Leben und haben keine Schwierigkeiten damit, auf Bäumen in den Gärten von Häusern zu leben. Kann man diese kleinen Tiere gut überwachen, sind allerdings auch Stechmücken als Krankheitsüberträger im Visier, deren Populationen in den letzten Jahren sehr gewachsen sind.

In diesem Sinn intensivieren die Forscher Untersuchungen und Stichproben, um die Umgebung derjenigen Personen zu kontextualisieren, die infiziert worden sind.

Sie haben so die Gegenwart von Opossums quantifiziert und ihre Exkremente analysiert, die am Ursprung von Infektionen stehen können. Zugleich ist die jeweilige Konzentration von Stechmücken erfasst worden, um ein Höchstmaß an Informationen zu sammeln. Daniel O’Brien fasst den Sachverhalt wie folgt zusammen:

Es handelt sich um eine Krankheit, die auf komplexe Weise mit der Umwelt, den Tieren und den Menschen verbunden ist.

Der Einfluss des Coronavirus

Die Forschungen zum Buruli-Ulkus sind auf einem vielversprechenden Niveau gewesen, als das Coronavirus dann vieles verschoben hat. Diese Arbeiten sind nämlich daraufhin nahezu unterbrochen worden und die dafür notwendigen finanziellen Mittel immer schwerer zu finden.

Nach Ansicht von Daniel O’Brien sind unsere Kenntnisse zu dieser Krankheit recht beschränkt, insbesondere was ihre Übertragung anbelangt. Findet man aber hierzu keine konkreten Antworten, wird es sehr schwierig werden, ihre Ausbreitung in den Griff zu bekommen.


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