"Gefällt mir nicht": Französischer Nationaltrainer nimmt Bundesliga-Neustart ins Visier

Frankreichs Fußballnationaltrainer Didier Deschamps nimmt die Bundesliga unter Beschuss. Der 51-Jährige spricht sich im Interview offen gegen die Entscheidung aus, Geisterspiele zu veranstalten. Mit seiner Meinung ist er nicht allein.

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Auch der Fußball ist von der Corona-Pandemie betroffen. Auf der ganzen Welt blicken wir in gähnend leere Stadien, in den schon seit Wochen kein Spiel mehr ausgetragen wurde. Doch Fans und Funktionäre haben ein neues Streitthema gefunden, über das aktuell heftig diskutiert wird: Geisterspiele, ja oder nein? Selten zuvor hat eine Frage die Fußballwelt dermaßen gespalten.

Trainerlegende kritisiert Bundesliga

Vor Kurzem hat die Bundesliga in Deutschland entschieden, dass die Saison fortgesetzt wird - unter strengen gesundheitlichen Auflagen und vor leeren Rängen. Begründet wird dieser Schritt nicht nur mit der Abwendung von noch schlimmeren finanziellen Konsequenzen, sondern auch mit dem Unterhaltungswert von Live-Sport, den wir Bürger in der Krise so vermisst haben. Aber nicht jeder ist mit der Entscheidung einverstanden.

Didier Deschamps, seines Zeichens französische Trainerlegende und aktuell noch immer Coach der "Équipe Tricolore", verrät im Interview mit Le Parisien, was er von den Geisterspielen in der deutschen Liga hält: Nichts! Zunächst einmal fehlt dem 51-Jährigen der nötige Spielfluss, für den der Sport sonst steht:

Es sieht zwar nach Fußball aus. Ich werde allerdings nicht über das Tempo oder die Intensität sprechen. Einige Bilder scheinen mir zusammenhanglos zu sein.
Einer der erfolgreichsten Trainer aller Zeiten: 2018 wurde Didier Deschamps zuletzt mit Frankreich Weltmeister.  Frederic Stevens / Kontributor / Getty Images

Doch in erster Linie erhebt Deschamps gegenüber dem neuartigen Corona-Konzept den Vorwurf der Doppelmoral. Er betont, dass die Gesundheit von Spielern und Fans wichtiger ist, als die wirtschaftlichen Interessen, um die im Hintergrund gekämpft wird. Diesbezüglich empfindet er das Vorgehen der Bundesliga allerdings als inkonsequent.

"Was für ein Widerspruch"

Auf der einen Seite sehe ich Spieler, die Zweikämpfe führen, Kontakt haben und zusammenstoßen. Dann sehe ich auf der Tribüne maskierte Ersatzspieler, die zwei Meter voneinander entfernt sitzen. Sie befinden sich in derselben Umgebung und kommen wahrscheinlich gleich ins Spiel. Ist das Risiko auf der Tribüne höher? Was für ein Widerspruch. Das gefällt mir nicht.

Mit seiner Kritik an der Einführung von Geisterspielen ist der Franzose nicht allein. Sein spanischer Kollege, Luis Enrique, erklärt sehr anschaulich, wieso er Partien in leeren Stadien verachtet: "Ohne Publikum zu spielen, ist trauriger, als mit der eigenen Schwester zu tanzen."

Doch die Bundesliga ist nicht die einzige Liga, die der Franzose ins Fadenkreuz nimmt. Auch die englische Premier League und die spanische La Liga arbeiten im Moment Konzepte aus, um den Spielbetrieb schnellstmöglich wieder aufzunehmen. Grund genug für Deschamps, auch ihr Vorgehen zu kritisieren.