Klimawandel: Diese "extrem seltenen" Pflanzenarten könnten bald aussterben

Laut einer Studie, die über zehn Jahre hinweg durchgeführt wird, gelten an die 40 % der Pflanzenarten weltweit als "extrem selten". Diese Pflanzen werden bereits jetzt äußerst selten gesichtet und diese Situation könnte sich aufgrund des Klimawandels weiter zuspitzen.

Der Klimawandel wird immer sichtbarer: Viele Länder werden wegen der Hitze in 50 Jahren unbewohnbar sein, Tierarten sind vom Aussterben bedroht und auch viele Krankheiten nehmen wieder zu. Aber auch Pflanzen leiden unter dem Wandel, wie nun eine Studie belegt.

Mehr als 435.000 verschiedene Arten

Wir stehen vor der größten Datenmenge zur pflanzlichen Biodiversität, die jemals zusammengestellt wurde. Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Professor Jon Lovett der Universität Leeds sammelt über einen Zeitraum von zehn Jahren 20 Millionen Daten über Landpflanzen auf dem gesamten Planeten.

Es werden dabei mehr als 435.000 verschiedene Arten beschrieben, wobei es sich bei 36 % davon um "extrem seltene" Pflanzen handelt - sie werden weniger als fünf Mal gesichtet. Genau diese sind aufgrund der Veränderungen unserer Erde und des Klimas auch vom Aussterben bedroht.

Besorgniserregendes Bild

Die Schlussfolgerungen der Forscher finden sich in der Sonderausgabe von Science Advancesvom 27. November, die anlässlich der vom 2. bis 13. Dezember in Madrid (Spanien) stattfindenden Weltklimakonferenz (COP25) erscheint. Bei der Konferenz sollen sich die Staaten auf Maßnahmen zum Kampf gegen die Klimaerwärmung einigen.

Auf der Website der Universität Leeds schreiben die Forscher, sie würden hoffen, dass ihre Studie einen Beitrag zum bereits besorgniserregenden Bild leistet "und dazu verwendet werden kann, Rückgänge in der weltweiten Biodiversität aufzuhalten, indem strategische Schutzmaßnahmen aufgezeigt werden, die die Auswirkungen des Klimawandels und des menschlichen Einflusses miteinbeziehen."

Besonders gefährdete Gebiete

Den Forschern wissen bereits zu Beginn der Studie, wie viele Pflanzenarten es ungefähr auf der Erde gibt. Als sie jedoch die genaue Zahl bestimmen, sind sie von der hohen Anzahl seltener Arten überrascht. "Ausgehend von Umwelt- und Evolutionstheorien dachten wir bereits, dass zahlreiche Pflanzen nur noch selten vorkommen, doch die hohe Anzahl dieser Arten ist doch eine Überraschung für uns," erklärt Brian Enquist, Hauptautor der Studie und Professor für Umwelt und Evolutionsbiologie an der Universität Arizona. "Es gibt weit mehr, als wir dachten."

Die Forscher stellen außerdem fest, dass diese seltenen Arten besonders häufig gebündelt an einigen wenigen heißen Orten der Welt auftreten, wie etwa in den nördlichen Anden, in Costa Rica, Südafrika, Ostafrika, Madagaskar und Südostasien. Und das hat seinen Grund: In diesen Gebieten ist das Klima über sehr lange Zeiträume hinweg stabil geblieben.

Deshalb können sich Landpflanzen dort sehr gut halten. Aber eine stabile Vergangenheit garantiert noch lange nicht eine ebenso friedvolle Zukunft. Gemäß den Analysen der Forscher wird es in diesen Gebieten zu schwerwiegenden Störungen kommen, und zwar sowohl aufgrund des Klimawandels wie auch durch den Einfluss der Menschen.

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Eine doppelte Bedrohung

"In vielen dieser Gebiete ist ein Aufschwung von Land- und Forstwirtschaft sowie von Stadtentwicklung zu verzeichnen", warnt Jon Lovett. "Ohne umfassende Schutzmaßnahmen besteht ein hohes Risiko, dass diese seltenen Pflanzenarten bald nicht mehr existieren. Das liegt an der niedrigen Anzahl, wodurch sie sehr stark vom Aussterben bedroht sind." Die Bedrohung hat also zwei Gesichter und das insbesondere auf dem afrikanischen Kontinent.

Laut den Forschern ist besonders die afrikanische Flora aufgrund der Veränderungen in der Landschaft bedroht. Zahlreiche gefährdete Arten befinden sich in den Bergen, doch sie könnten aufgrund des Klimawandels in andere Gebiete ausweichen. "Die größte Gefahr für diese Arten ist die Veränderung der Beschaffenheit der Erde aufgrund von Abholzung, Bränden und Landwirtschaft."

Martin Gerst
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