"Das hätte sich in der Auswertung der Umfragedaten zeigen müssen": Gibt es Frühjahrsmüdigkeit überhaupt?
Jedes Jahr stolpern viele Menschen nach dem Winter angeblich in die berühmte Frühjahrsmüdigkeit — doch eine aktuelle Studie stellt das ganze Phänomen gründlich infrage. Was, wenn alles nur Einbildung ist?
Eigentlich fühlt sich das ganze Land nach dem kalten Winter müde, oder? In Deutschland, der Schweiz und Österreich ist die sogenannte Frühjahrsmüdigkeit fest im Sprachgebrauch, in Gesprächen, im Alltag und in zahllosen Medien allgegenwärtig. Doch jetzt haben Forschende von der Universität Basel und dem Inselspital Bern genauer hingeschaut. Was sie herausgefunden haben, könnte viele überraschen: Anzeichen für ein biologisches Phänomen speziell im Frühling? Fehlanzeige.
Warum der Begriff Frühjahrsmüdigkeit so populär wurde
Rund um den Beginn des wärmeren Halbjahrs wird viel über die angebliche Trägheit gesprochen, die einen im April oder Mai überfallen soll. Fast die Hälfte der 418 Teilnehmenden einer einjährigen Online-Studie deklarierte: Ja, ich bin betroffen! So fest ist die Frühjahrsmüdigkeit hierzulande verankert. Journalisten fragen regelmäßig bei Wissenschaftlerinnen wie Christine Blume von der Universität Basel nach Begründungen oder Lösungen für das Gähnen nach dem Winter.
"Es existieren zahlreiche Hypothesen, um das Phänomen zu erklären. Aber es hat nie jemand überprüft, ob es überhaupt existiert."
Das wollten Blume und ihr Kollege Albrecht Vorster nun ändern.
Die Studie: Schlafqualität ändert sich nicht im Frühling
In ihrer Untersuchung, die von April 2024 bis März 2025 lief, sollten die 418 Teilnehmerinnen und Teilnehmer alle sechs Wochen berichten, wie es um ihren Schlaf, ihre Erschöpfung und Tagesmüdigkeit steht. Die Ergebnisse sind eindeutig. Während 47 Prozent anfangs meinten, unter Frühjahrsmüdigkeit zu leiden, fanden die Forschenden "weder Hinweise auf vermehrte Erschöpfung noch auf erhöhte Tagesschläfrigkeit oder geringere Schlafqualität" im Frühling. Auch die Tatsache, dass die Tage immer länger werden, hatte keinen Einfluss auf die Müdigkeitswerte.
"Im Frühling werden die Tage schnell länger. Wenn Frühjahrsmüdigkeit ein echtes biologisches Phänomen wäre, sollte sich das gerade in dieser Übergangsphase zeigen, etwa weil sich der Körper anpassen muss", sagt Blume.
"Wir fanden keinen empirischen Beleg für das Phänomen."
Mythos nur in Deutschland? Der psychologische Effekt hinter dem Gefühl
Warum fühlt sich die Frühjahrsmüdigkeit dann für so viele so real an? Die Forschenden haben eine überraschende Erklärung:
"Das hat etwas mit unserer Erwartungshaltung zu tun. Wenn ich erwarte, dass ich im Frühjahr müde bin, ändert das auch meine Interpretation solcher 'Symptome'."
In wissenschaftlichen Kreisen spricht man hier vom Nocebo-Effekt – die bloße Erwartung von Müdigkeit lässt uns tatsächlich müder erscheinen. Blume betont:
"Aus chronobiologischer Sicht ist das völlig unplausibel."
Auch das häufig zitierte Hormon Melatonin ist unschuldig:
"Eine Art Überschuss von Melatonin zum Ende des Winters, der uns müde macht und zunächst abgebaut werden muss, gibt es nicht."
Die Forscherinnen analysierten sogar, ob das Phänomen international eine Rolle spielt. Fazit: Im englischsprachigen Raum gibt es stattdessen das sogenannte "spring fever" – aber das bedeutet Aufbruchsstimmung und Energie!
"Wenn ich Kolleginnen und Kollegen aus anderen Ländern davon erzähle, staunen die."
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Verwendete Quelle:
Alles nur Einbildung? Forscher zweifeln an Frühjahrsmüdigkeit