„Die Erschaffung Adams“ von Michelangelo birgt ein tieferes Geheimnis: Es ist atemberaubend!

„Die Erschaffung Adams“ von Michelangelo birgt ein tieferes Geheimnis: Es ist atemberaubend!

Die Erschaffung Adams in der Sixtinischen Kapelle im Vatikan gehört zu Michelangelos bekanntesten Werken. Darauf streckt der am Himmel schwebende Gottvater seinen Arm aus, um mit dem Finger den Lebensfunken auf Adam zu übertragen. Doch in dieser Darstellung verbirgt sich noch viel mehr!

Gott, der in dem Wandgemälde mit einem roten Umhang bekleidet und von Engeln umgeben dargestellt wird, hält seine rechte Hand mit ausgestrecktem Zeigefinger Adam entgegen. Dieser wiederum streckt seine Hand zum Schöpfer aus. Jeder kennt diese Szene. Sie gehört zur Erschaffung Adams, der berühmten Freske, die im 16. Jahrhundert von Michelangelo in der Kuppel der Sixtinischen Kapelle im Vatikan gemalt wurde.

Sie inspiriert sich am biblischen Buch Genesis und ist wohl eines der bekanntesten Werke des florentinischen Malers. Und dennoch könnten Beobachtern jahrzehntelang ein paar Details entgangen sein. Einer Theorie zufolge versteckt sich in der Freske eine unerwartete Abbildung: Eine symbolische Darstellung des menschlichen Gehirns.

Die Theorie wurde bereits 1990 aufgestellt. Ein amerikanischer Gynäkologe, Dr. Frank Lynn Meshberger, veröffentlichte sie erstmals in der Zeitschrift Journal of the American Medical Association. Nun wird wieder darüber diskutiert, weil in der amerikanischen Serie Westworld einer der Seriencharaktere diese Theorie erwähnt, bevor er getötet wird.

Menschliches Gehirn in der Szene versteckt

In seinem Essay interpretiert Dr. Meshberger die Szene etwas anders, als es üblicherweise getan wird. „Man sagt, dass das, was Gott den Menschen in diesem Gemälde übergibt, der Funke des Lebens sei. Aber Adam lebt bereits. Ich denke, dass Gott in dieser Szene Adam den Intellekt überreicht“, sagte er 1990 gegenüber der New York Times.

Auf der Grundlage dieser Theorie vermutet der Spezialist, dass die Details der Freske die verschiedenen Teile des menschlichen Gehirns darstellen. Wenn man davon ausgeht, dass der rote Vorhang die Form des Organs nachzeichnet, würden die Köpfe der Engel an Gehirnwindungen erinnern. Aber Dr. Meshberger geht sogar noch weiter.

Er ist der Meinung, dass die grüne Schärpe, die nach unten fällt, die Haupthirnarterie darstellt, die das Gehirn mit Blut versorgt. Außerdem würden die Gliedmaßen eines der Engel eine besondere Struktur aufweisen, die die Hirnanhangsdrüse symbolisiere. „Wenn Sie sich die Füße von Gott und Adam anschauen, haben sie fünf Zehen, so wie die meisten Füße. Aber der Fuß dieses Engels ist zweigeteilt, so wie die Hirnanhangsdrüse auch aus zwei Teilen besteht“, erläutert er.

Eine plausible Theorie?

Wenn man sich die Szene anschaut und sie mit einer anatomischen Zeichnung des Gehirns vergleicht, sieht man sofort, dass eine große Ähnlichkeit besteht. Aber ist es möglich, dass diese Parallelen tatsächlich vom Maler gewollt waren? Die Theorie von Dr. Meshberger hat eine Debatte unter den Experten entfacht.

Manche Spezialisten haben damit argumentiert, dass unser Sehsinn und unser Gehirn eine Tendenz dazu haben, gewohnte, identifizierbare Formen an Stellen zu erkennen, wo es sie gar nicht gibt. Andere brachten Argumente vor, die die Theorie zu stützen scheinen. Laut einem berühmten Buch von Giorgio Vasari aus dem 16. Jahrhundert soll Michelangelo genaue Studien über den menschlichen Körper und seine Anatomie durchgeführt haben, vor allem mithilfe von Leichen.

Seine Kenntnisse in Neuroanatomie könnten sein Werk also beeinflusst haben, und es ist möglich, dass das nicht nur bei diesem Gemälde von ihm der Fall war. Zwei Jahrzehnte nach Dr. Meshberger haben andere Wissenschaftler eine Studie in der Zeitschrift Neurosurgery veröffentlicht, die nahelegt, dass auch in einer anderen Freske des Künstlers die Darstellung eines menschlichen Gehirns versteckt ist: In der Scheidung von Licht und Finsternis.

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„Das Gehirn war bereits zu jener Zeit eines der größten Rätsel des Lebens“, erklärt Ian Stuk, Autor der zweiten Studie, gegenüber The Verge. „Ich denke, dass es eines seiner Hauptanliegen war, als religiöser Mann und Wissenschaftler sowie als einer der größten Künstler seiner Zeit die Geheimnisse des menschlichen Gehirns zu lüften“, fügt der Professor der John Hopkins University hinzu.

Eher ein Uterus als ein Gehirn?

Andere Wissenschaftler sind ebenfalls der Meinung, dass sich etwas in diesem Werk Michelangelos versteckt, aber sie glauben, dass es sich dabei um ein anderes Organ handelt. Andrea Tanquilli, eine Gynäkologin, hat vor Kurzem in einer anderen Zeitschrift, die von The Verge zitiert wird, die Hypothese aufgestellt, dass es sich um einen Uterus mit einer Plazenta und nicht um ein Gehirn handle.

Die Szene soll damit die Geburt Adams symbolisieren, während die Arme der beiden Figuren die Nabelschnur darstellen, welcher Nährstoffe und Sauerstoff von der Mutter zum Fötus transportiert. Diese Theorie wird auch von einem anderen Artikel vertreten, der 2015 erschienen ist. Wer hat denn nun Recht? Wir werden es wohl nie herausfinden, aber eines ist sicher: Die Werke Michelangelos faszinieren uns nach wie vor sehr.

• Fred Eilig
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