Belarus: Lukaschenko gibt erstes Statement zum Fall Protassjewitsch ab

Am Sonntag wird der belarussische Oppositionelle Roman Protasewitsch unter falschem Vorwand festgenommen. Jetzt äußert sich das Staatsoberhaupt zum ersten Mal zu diesem Geschehen.

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Die europäische Politik ist empört, denn am Sonntag zwingt ein Kampfjet ein Ryanair-Flugzeug zur Zwischenlandung in der belarussischen Hauptstadt Minsk.

Die Maschine, die auf dem Weg von Athen nach Vilnius ist, wird unter dem Vorwand einer Bombendrohung abgefangen. Der oppositionelle Journalist Protassewitsch wird festgenommen.

Festnahme unter Vorwand

Der im Exil lebende Blogger, wird gemeinsam mit seiner Freundin Sofia Sapega, die sich mit ihm an Bord der Maschine befindet,am Flughafen in Minsk festgenommen.

Dem belarussischen Innenministerium zufolge befindet sich Protassewitsch in U-Haft. Kritische Stimmen fassen dieses Eingreifen der Regierung als vom Staat gebilligte Luftpiraterie auf.

Internationale Proteste

Die internationale Politik ist alles andere als begeistert. Die Europäische Union verhängt umgehend Saktionen gegen Belarus, wie zum Beispiel Flugverbote.

Deutschland ist eines von vielen Ländern, das die umgehende Freilassung der Entführten fordert. Angela Merkel bezeichnet diesen Präzedenzfall als inakzeptabel.

Lukaschenkos Reaktion

Der Präsident Alexander Lukaschenko, der Belarus seit 1994 regiert, äußert sich am heutigen Morgen erstmals zu der international verurteilten Aktion vor dem Parlament seines Landes:

Ich habe rechtmäßig gehandelt, um die Menschen zu schützen, in Übereinstimmung mit allen internationalen Vorschriften.

Dass das Flugzeug der Gesellschaft Ryanair mithilfe eines Kampfjets zur Landung gezwungen worden sei, um an Protassewitsch heranzukommen, sei "eine absolute Lüge".

Lukaschenko, den Politikwissenschaftler oft als "den letzten Diktator Europas" bezeichnen, beharrt darauf, dass es einen Tipp aus der Schweiz gegeben habe, dem zufolge sich ein Sprengsatz an Bord des Flugzeugs befunden habe.

Spielt Russland eine Rolle in der Entführung des Flugzeuges?

Anders als aus den meisten europäischen Staaten, wird aus der russischen Hauptstadt keine Kritik gegenüber des Vorgehens des belarussischen Präsidenten laut.

Der Kreml rückt immer weiter in den Fokus des Geschehens, da Experten eine Teilhabe oder Unterstützung der Operation vonseiten der russischen Regierung vermuten. So erklärt Merkel:

Dass es ein enges Verhältnis zwischen Belarus und Russland gibt, das ist bekannt.

Der Uno-Sicherheitsrat befasst sich heute mit dem Fall, um über das weitere Verfahren zu beraten. Der Zustand des Journalisten Protassewitsch ist unklar, da der Verdacht besteht, er sei gefoltert worden.