Österreichs Intensivbetten-Lüge: "Die offiziellen Zahlen sind zu niedrig"

Die Diskussion um die Anzahl der noch freien Intensivbetten kommt immer dann wieder auf, wenn die Zahl der Neuinfektionen neue Rekorde bricht. Walter Hasibeder, Präsident der Intensivmediziner, räumt nun mit dem Mythos auf, die Österreicher seien bei einem Ansturm auf die Krankenhäuser besonders gut gewappnet.

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In Österreich gibt es zwei Statistiken, die die Auslastung der Intensivbetten aufzeigen: eine wird von der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit erstellt, die andere, die sogenannte Morgenmeldung, stellen die insgesamt neun österreichischen Bundesländer dem Bund zur Verfügung. Ganz schlüssig sollen die Zahlen aber nicht sein.

Je nach Region große Unterschiede

Schauen wir uns die Statistik von gestern genauer an, so sollen im von Covid-19 besonders stark betroffenem Oberösterreich noch ganze 38 % der Intensivbetten in den Krankenhäusern nicht belegt sein.

Ganz anders sieht es laut Morgenmeldung in Gegenden wie Salzburg oder Tirol aus, dort sind es nicht einmal mehr zehn. Handelt es sich nun einfach um eine ungleichmäßige Verteilung oder könnten es tatsächlich Probleme bei der Richtigkeit der Angaben geben? Der Präsident der Intensivmediziner hat darauf eine klare Antwort.

Die Richtigkeit der Angaben ist zweifelhaft

Auf Nachfrage der Heute-Redaktion äußert sich Walter Hasibeder zu dem Zahlenwirrwarr:

Die offiziellen Zahlen stimmen nicht. Hundertprozentig. Irgendwo am Weg zwischen den Gesundheitsbehörden der Länder und der AGES kann etwas nicht stimmen.

Er habe sich schon immer darüber gewundert, dass es angeblich noch viele freie Intensivbetten gäbe. Bei immer mehr Infektionen, zu denen es in Deutschland gefühlt täglich einen neuen Rekord gibt, auch verständlich. Einen Schuldigen sucht er allerdings nicht und auch einen Erklärungsansatz mag er nicht so recht finden.

Wichtig sei aber zu wissen, dass die Lage in Kliniken - ähnlich wie in Deutschland - absolut "katastrophal" sei und Mediziner:innen teilweise jetzt schon vor der schweren Entscheidung stünden, wem diese ein Intensivbett zuteilen und welche Patient:innen so angeschlagen sind, dass ihnen nicht einmal mehr die Chance aufs Überleben gegeben wird.