Karl Lagerfeld: Vertraute enthüllt seinen heimlichen Kampf gegen Krebs
Karl Lagerfeld blieb bis zuletzt ein Mysterium – jetzt enthüllt Virginie Viard, seine langjährige Vertraute, was wirklich in seinen letzten Jahren geschah. Wer war der Mann hinter den Sonnenbrillen, und wie prägte das Wissen um seine Krankheit seinen Alltag?
Die Geschichte von Chanel ist über Jahrzehnte mit Karl Lagerfeld verbunden – und mit Virginie Viard, seiner engsten Mitarbeiterin. Mehr als dreißig Jahre arbeitete Viard an seiner Seite, durchlebte Erfolge und Krisen und prägte gemeinsam mit Lagerfeld den Stil des Hauses. In ihrem autobiografischen Buch „Un regard. Une vie chez Chanel“, das am 30. September 2026 erschienen ist, bricht sie nun das Schweigen über die wohl schwerste Zeit in Lagerfelds Leben: seinen heimlichen, leisen Kampf gegen den Krebs.
Nur wenige ahnten, dass Lagerfeld schwer krank war. Erst Viards Rückblick zeigt, wie sehr der Modeschöpfer bereits seit 2015 gegen ein Prostatakarzinom ankämpfte und wie geschickt er seine Schwäche verbarg. Ganz nach seiner Art kommentierte er Beschwerden lapidar: „Es sind nur meine Füße, die schmerzen“, sagte er bei einem Modeevent in Havanna im Mai 2016, als Viard bemerkte, wie schwer ihm selbst einfache Wege fielen. Trotz spürbarer Schwäche ließ er sich zur Aftershow von Vanessa Paradis überreden und tanzte sogar. Auch in schwierigen Momenten inszenierte Lagerfeld seine Auftritte mit ironischer Distanz: „Karl machte aus allem eine Inszenierung. Als er einen Stock brauchte, sagte er: 'Ist der nicht elegant?'“, erinnert sich Viard an eine typische Szene.
Lagerfelds Beharrlichkeit im Alltag beeindruckte, doch sie hatte ihren Preis. Hinter den Kulissen kämpfte er mit der fortschreitenden Erkrankung, wollte aber Öffentlichkeit und Kollegen möglichst wenig daran teilhaben lassen. Virginie Viard war eine der wenigen, die die wahren Ausmaße seiner gesundheitlichen Situation kannte. Trotzdem: Sogar sie spricht von der Kraft, mit der Lagerfeld bis zu seinem Tod seine Fassade aufrecht erhielt.
Intime Einblicke und letzte Auftritte: Lagerfelds Rückzug aus dem Rampenlicht
Einen Schlüssel zum Verständnis ihrer Beziehung liefert Viard in einem zentralen Kapitel des Buchs, dessen Mittelpunkt ein 13-seitiger, bewegender Brief an „mein lieber Karl“ (im französischen Original) bildet. Sie spricht darin von Bewunderung, aber auch von Verletzungen. Ihre aufgeworfene Frage bleibt hängen: „Wie lässt sich erklären, dass man jemandem, der einem so oft wehtut, so viel gibt?“. Trotz Nähe und loyalem Einsatz erlebte Viard immer wieder Ambivalenz zwischen Anerkennung und Zurückweisung.
Öffentlich deutete nur wenig auf Lagerfelds Gesundheitszustand hin. Sein letzter großer Auftritt gelang ihm im November 2018 auf den Champs-Élysées – dem Publikum fiel lediglich eine schlecht sitzende Zahnprothese auf. Im Januar 2019 wurde ein Chanel-Defilee von Viard präsentiert; von Lagerfeld fehlte jede Spur. Nur zwei Wochen nach dem Defilee verschickte Lagerfeld ein zehnsekündiges Video an Carine Roitfeld, um dieser via Instagram zum Ein-Millionen-Follower-Jubiläum zu gratulieren. Dieses kurze Statement war sein letzter öffentlicher Gruß.
Nach dem Tod: Viards Suche nach Halt und Teamgeist
Am 19. Februar 2019 starb Karl Lagerfeld in Paris im Alter von 85 Jahren. Für Virginie Viard brach daraufhin nicht bloß eine Ära, sondern eine ganze Welt zusammen. Im Buch spricht sie offen über die Zeit danach: „Ich hatte niemanden, während Karl jemanden hatte.“ Dieser Satz steht für das Gefühl von Isolation, das Viard nach dem Tod ihres Mentors empfand. Nicht nur die Trauer, sondern auch alte Verletzungen und der Kampf um Anerkennung im Modezirkus werden dabei sichtbar.
Zurück bleibt bei Viard nicht nur ein Gefühl des Alleinseins, sondern auch eine Verpflichtung: den Geist und das Werk Lagerfelds weiterzutragen, trotz aller inneren Widersprüche und unerfüllten Wünsche nach mehr Teamarbeit und Rückhalt. Sie betont das Vakuum nach seinem Tod und spricht offen von vermisster Unterstützung und zwischenmenschlicher Komplexität. Die Nachwirkungen dieses Verlusts begleiten Viard bis heute und werfen ein neues Licht auf das Leben hinter den Kulissen von Chanel. Der gemeinsame Weg mit Lagerfeld war von Loyalität und Respekt geprägt – aber auch von Ambivalenz und nicht verheilten Wunden.
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Karl Lagerfeld: Vertraute enthüllt seinen heimlichen Kampf gegen Krebs
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