Merkel wusste Bescheid: AstraZeneca für Unter-60-jährige hätte schon vorher gestoppt werden sollen

Am Dienstag gibt die Kanzlerin auf die Empfehlung von der Ständigen Impfkommission (STIKO) hin erneut eine Änderung in der Impfstrategie bekannt. Sie spricht von Vertrauen, weiß aber scheinbar schon länger von den Problemen.

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Die Schlagzeilen um AstraZeneca scheinen endlos. Schon mehrmals hat die Bundesregierung wegen Verdachts auf Risiken ihre Strategie im Zusammenhang mit dem Impfstoff geändert.

Laut den Worten der Bundeskanzlerin beruhe das Impfen auf dem Grundsatz des Vertrauens. Nun gerät sie erneut in die Kritik, denn sie weiß anscheinend schon länger von den Problemen bei AstraZeneca.

Ein Hin und Her

Nachden Bedenken wegen möglicher Nebenwirkungen laut werden, setzt Deutschland den Impfstoff vor Kurzem für wenige Tage zur Sicherheitsüberprüfung aus.

Dann empfiehlt die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) die Weiterverwendung des Impfstoffes offiziell und das Unternehmen ändert seinen Namen, um sein Image aufzupolieren, zu Vaxzevria.

Am vergangenen Dienstag gibt Angela Merkel nun erneute Änderungen bezüglich des Vakzins bekannt. Ab jetzt dürfen nur noch Menschen über 60 Jahren die Spritze erhalten, für jüngere sei es zu riskant.

Sie wusste Bescheid

Was das jetzt für diejenigen bedeutet, die schon ihre erste Spritze erhalten haben, ist die eine Frage. Doch nun zweifeln einige an Merkels Zuverlässigkeit, da sie wohl schon seit Freitag bescheid weiß.

Vier Tage vor dem offiziellen Beschluss informiert der Chef der STIKO Merkel und Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU), dass der Impfstoff für bestimmte Altersgruppen aller Wahrscheinlichkeit nach gestoppt werden müsse.

In der Zeit zwischen diesem Gespräch und der Ansage am Dienstag bekommen viele weitere Menschen die AstraZeneca-Spritze. Das halten viele für unangebracht, wie z.B. Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen:

Die Bundesregierung hat offenbar trotz Wissens um die neuerliche Notwendigkeit von Anpassungen der Impfempfehlung nicht die Abstimmung mit den Leitungen der Kliniken und Impfzentren vor Ort gesucht.

Andere befürworten das Vorgehen der Kanzlerin und sehen das Verantwortungsbewusstsein hinter der Entscheidung, zuerst noch weitere Expertenmeinungen hinzuzuziehen. So Karl Lauterbach (SPD):

Es war richtig, dass der Entscheidung der Stiko nicht vorgegriffen wurde, weil die Daten das gesamte Wochenende über noch geprüft wurden.

Der Grund für Merkels Vorsicht war die große Tragweite, welche eine Entscheidung gegen die Verabreichung für Unter-60-Jährige mit sich bringt. Mal sehen, welche Änderung als nächstes beschlossen wird.