Coronavirus: Eine Chinesin fährt mit dem Lift und steckt 71 Menschen an
Coronavirus: Eine Chinesin fährt mit dem Lift und steckt 71 Menschen an
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Coronavirus: Eine Chinesin fährt mit dem Lift und steckt 71 Menschen an

Der Fall einer Chinesin, die mindestens 71 Menschen durch eine einzige Fahrt mit dem Aufzug ansteckt, zeigt einmal mehr, wie schnell sich das Coronavirus in geschlossenen Räumen verbreiten kann.

Weltweit läuft die Suche nach der besten Strategie für den Alltag mit der immer noch anhaltenden Bedrohung des Coronavirus: Ausgangssperren, Verbot von kleinen Versammlungen, Maskenpflicht... Ein Covid-19-Cluster in der Provinz Heilongjiang (China), dessen Hergang nun vollends analysiert ist, zeigt einmal mehr, wie schnell sich das Virus in geschlossenen Räumen verbreitet.

Ansteckung im Fahrstuhl

Drei Forscher der chinesischen Gesundheitsbehörde CCDC erklären in einer Studie, die in der wissenschaftlichen Zeitschrift Emerging Infectious Diseaseserscheint, wie eine einzige Chinesin aufgrund einer Liftfahrt mindestens 71 Menschen ansteckt. "Ein einziger asymptomatischer Coronavirus-Fall kann eine sehr weite Verbreitung auf lokaler Ebene verursachen."

71 neue Fälle in knapp einem Monat

Schauplatz des Geschehens ist die chinesische Provinz Heilongjiang, im Nordosten des Landes. Eine chinesische Touristin kehrt am 19. März von einer USA-Reise zurück und zeigt dabei keinerlei Covid-19-Symptome. Ihr wird von den örtlichen Behörden dennoch eine Quarantäne angeordnet. In den kommenden Wochen, genauer gesagt am 31. März und am 3. April, unterzieht sich die Frau einer Reihe an virologischen und serologischen Tests, die allesamt negative Ergebnisse liefern.

In der Region nehmen die neuen Covid-19-Fälle jedoch rapide zu. Die Lage ist beunruhigend, werden doch am 22. April in der Provinz Heilongjiang bereits 71 kürzlich entdeckte Fälle verzeichnet. Davor werden in der Region seit dem 11. März, also wenige Tage vor der Rückkehr der Touristin, keine neuen Covid-19-Fälle festgestellt, wie der Arzt Marc Gozlan auf seinem Blog berichtet.

Ansteckung im Aufzug

Wie kommt es aber dazu, dass diese Frau trotz Quarantäne so viele Personen ansteckt, denen sie gar nicht begegnet? Die Autoren der Studie gehen dieser Frage nach und rekonstruieren die Ansteckungskette mithilfe mehrerer Fälle, die in den zwei Krankenhäusern der Provinz verzeichnet werden.

Das Ergebnis: Die Frau, die sich in Quarantäne befindet und die im Artikel der Forscher als Patientin "A0" bezeichnet wird, ist tatsächlich der Ausgangspunkt des Clusters in der Region. Sie verwendet nämlich für den Weg zum Einkauf den Aufzug in ihrem Wohnhaus. Dieser indirekte Kontakt reicht aus, damit sich ein Nachbar ansteckt.

Der Nachbar infiziert daraufhin seine Mutter und seinen Partner, die ihn besuchen. Wenige Tage später, am 29. März, nimmt das Paar an einer Geburtstagsfeier mit Freunden teil. Am 2. April erleidet einer der Gäste einen Schlaganfall und wird sofort ins Krankenhaus eingeliefert. Seine zwei Söhne, die an der Geburtstagsfeier ebenfalls teilnehmen, besuchen ihn. Die drei Personen werden daraufhin positiv auf das Coronavirus getestet.

Ein explosionsartiger Anstieg der Fälle im Krankenhaus

Und schon ist das Unglück geschehen: Durch den Besuch dieser drei Personen in zwei Krankenhäusern der Region werden in den darauffolgenden Tagen in einem der Krankenhäuser 28 neue Ansteckungen verzeichnet, darunter fünf Krankenschwestern und ein Arzt, im anderen Krankenhaus sind es 20.

Bei der aus den USA heimgekehrten Touristin werden schließlich Antikörper nachgewiesen, die zeigen, dass sie sich mit demselben SARS-CoV-2-Virusstamm angesteckt hatte, mit dem auch die anderen 71 Patienten infiziert sind. Dieser Stamm wird zu diesem Zeitpunkt noch nirgendwo sonst in China nachgewiesen.

Von Martin Gerst

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