Forscher decken auf: Der Grund, warum Gehirne von Frauen langsamer altern

Forscher decken auf: Der Grund, warum Gehirne von Frauen langsamer altern

Forscher haben den Hirnstoffwechsel von 200 Männern und Frauen analysiert und einen deutlichen Unterschied zwischen den Geschlechtern festgestellt: Frauengehirne altern langsamer.

Laut dem amerikanischen Essayisten John Gray kommen die Männer vom Mars und die Frauen von der Venus. Die unterschiedliche Herkunft scheint ziemlich unerwartete Auswirkungen zu haben: Das weibliche Gehirn bleibt anscheinend länger jung als das der Männer. Das ist eine überraschende „Krümmung im Raum-Zeit-Kontinuum”, die die Forscher in einer Studie offenlegen, welche in den PNAS veröffentlicht wurde.

Eine neue Studie 

Um zu diesem ziemlich unerwarteten Schluss zu kommen, hat das Forscherteam von der Medizinischen Fakultät der Washington-Universität in Saint-Louis (USA) 205 Freiwillige einer Untersuchung unterzogen, die im medizinischen Bereich wohlbekannt ist: dem PET-Scan oder Positronen-Emissions-Tomographie. Bei diesem bildgebenden Verfahren wird dem Patienten eine leicht radioaktive Substanz gespritzt, um dann nachzuverfolgen, welchen Weg sie nimmt und wohin sie gelangt.

So konnten die Wissenschaftler den Glukosefluss durch das Gehirn der 121 Frauen und 84 Männer beobachten, die an diesem Versuch teilnahmen. Das Ziel dabei war es, eventuelle Unterschiede zwischen den Hirnstoffwechseln der beiden Geschlechter ausfindig zu machen. 

Die künstliche Intelligenz kam ihnen zu Hilfe

Um sich bei dieser schwierigen Aufgabe unterstützen zu lassen, setzten die Forscher künstliche Intelligenz ein. Die lernfähigen Algorithmen analysierten die Daten der Männer, um eine Verbindung zwischen dem Alter und dem Hirnstoffwechsel herzustellen. Anhand diese Vergleichswertes konnten die Forscher die Algorithmen dann dazu nutzen, das Alter der Frauen festzustellen, die an der Studie teilgenommen hatten. Als Grundlage dazu dienten die Daten zu ihrem Hirnstoffwechsel.

Das Ergebnis war, dass die Zahlen um mehrere Jahre abwichen: Im Schnitt lag das Alter der Frauen, das anhand ihres Hirnstoffwechsels berechnet wurde, fast vier Jahre unter ihrem tatsächlichen Alter. Ein eindeutiger Unterschied, den die Wissenschaftler dann auch in die andere Richtung berechnet und so überprüft haben.

Und umgekehrt!

Nachdem die Forscher die Daten der Männer ausgewertet hatten, haben sie die Rollen vertauscht und die Daten der Frauen mithilfe der Algorithmen verarbeitet. Sie verwendeten die gleichen Programme, um das Alter der Männer auf der Grundlage der Werte zu ihrem Hirnstoffwechsel auszuwerten. Das Ergebnis: Die Werte lagen im Durchschnitt bei zwei Jahren über dem tatsächlichen Alter der Teilnehmer, wodurch die im ersten Teil des Experiments beobachtete Tendenz bestätigt wurde.

Überraschend ist, dass die Unterschiede zwischen den Geschlechtern sowohl bei älteren Menschen als auch bei jüngeren beobachtet worden sind: "Das heißt nicht, dass das Gehirn bei Männern schneller altert: Sie beginnen ihr Erwachsenenleben ungefähr drei Jahre später als die Frauen, und das dauert das ganze Leben lang an”, erklärt Manu Goyal, Dozent am Mallinckrodt Institute of Radiology der Washington-Universität.

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Trotz dieser großen Fortschritte im Verständnis der Entwicklung des Gehirns bei den verschiedenen Geschlechtern bleibt ein Teil des Rätsels bestehen, wie Manu Goyal erläutert: "Was wir noch nicht wissen ist, was das bedeutet. Ich denke, wir können daraus schließen, dass Frauen deshalb einen geringeren Abbau ihrer kognitiven Fähigkeiten in ihren letzten Lebensjahren haben als die Männer, weil ihre Gehirne jünger sind. Wir führen derzeit eine Studie durch, die dies überprüfen wird."

Die nächste Etappe für die Forscher wird es sein, festzustellen, ob Gehirne, die unter metabolischen Gesichtspunkten jünger sind, tatsächlich einen geringeren Abbau der kognitiven Fähigkeiten mit sich bringen.

Maximilian Kunze
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