Nicht ganz so rosig: Die wirklichen Gefahren von Laborfleisch

Nicht ganz so rosig: Die wirklichen Gefahren von Laborfleisch

Im Rahmen einer Studie der Oxford University haben Wissenschaftler Laborfleisch untersucht und kommen zu einem erschreckenden Ergebnis. 

Ein zartes und köstliches Steak zu essen, ohne das Klimagleichgewicht zu gefährden... Ein scheinbar unmöglicher Wunsch, denn die Viehzucht ist heute aufgrund ihrer hohen Treibhausgasemissionen stark verpönt. Doch der Wunsch mancher könnte eines Tages dank eines innovativen Verfahrens in Erfüllung gehen: die synthetische Herstellung von Fleisch. Ein Eingreifen von Technologie und Wissenschaft in unseren Speiseplan, das zunächst sehr vorteilhaft für unseren Planeten erscheint. Doch eine in der Zeitschrift Frontiers in Sustainable Food Systems veröffentlichte Studie nimmt der Euphorie um das Fleisch 2.0 nun den Wind aus den Segeln...

"Seit Kurzem zeigt sich in der breiten Öffentlichkeit ein starkes Interesse am In-vitro-Fleisch. Und viele Artikel beschreiben die Möglichkeit, die Viehzucht zum Klimaschutz durch In-vitro-Fleisch zu ersetzen," erklärt der Hauptautor der Arbeit, Doktor John Lynch, wissenschaftlicher Postdoktorand der Oxford University in England. Für den Wissenschaftler sieht die Realität des Laborfleischs nicht ganz so rosig aus.

Sehr unklare Vergleiche

"Uns ist aufgefallen, dass die Vorteile von In-vitro-Fleisch nicht eindeutig erwiesen sind, unter anderem aufgrund von Unklarheiten hinsichtlich der Herstellung des Fleisches in größerem Umfang. Eine wesentliche Schwierigkeit beim Vergleich zwischen Rindfleisch aus Viehzucht und aus dem Labor, besteht darin, dass das jeweilige Erderwärmungspotenzial durch Treibhausgasemissionen mittels der Standardmethode zur Ermittlung der CO2-Bilanz falsch angerechnet wird," fährt John Lynch fort.

Die Hauptfehlerquelle, die die Wissenschaftler aufdeckten, liegt in der mangelnden Berücksichtigung der unterschiedlichen Arten und Auswirkungen von Treibhausgasen, erklärt der Physiker und Mitverfasser der Arbeit, Raymond Pierrehumbert:

"Rinder sind für einen großen Teil der Treibhausgasemissionen verantwortlich, denn durch die Fermentierung in ihrem Verdauungssystem wird eine große Menge Methan produziert. Das Methan ist ein bedeutendes Treibhausgas, doch die allgemeinen Aussagen darüber, dass die Methangasemissionen mengenmäßig dem des „CO2 entsprechen", sind irreführend, denn die beiden Gase sind sehr unterschiedlich. Pro ausgestoßener Tonne hat das Methan deutlich größere Auswirkungen auf die Erderwärmung als das Kohlendioxid; allerdings wird das Methan innerhalb von rund 12 Jahren in der Atmosphäre abgebaut, während das Kohlendioxid sich über Jahrtausende anstaut und bestehen bleibt. Dies bedeutet, dass die Auswirkungen des Methans auf die Erderwärmung auf lange Sicht nicht kumulativ sind und hauptsächlich betroffen sind, wenn die Emissionen im Laufe der Zeit ansteigen oder sinken."

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Klimaauswirkungen die womöglich größere Risiken bergen

Mithilfe eines mathematischen Modells konnten die Wissenschaftler somit beweisen, dass die synthetische Herstellung von Fleisch in Laboratorien unter bestimmten Umständen viel größere Risiken für das Klima birgt, als die Rinder selber. Sollte dabei mehr CO2 freigesetzt werden als Methan von den Kühen, so könnte diese Technologie dazu führen, dass sich dieses äußerst persistente Gas in der Atmosphäre festsetzt; wohingegen das von den Kühen ausgestoßene Methan nach etwa 12 Jahren verschwinden würde.

Dies sind wichtige Erkenntnisse, denn auch wenn die Senkung der Methanemissionen wichtig - und ein bedeutender Teil unserer Klimapolitik - ist, so könnte ein schlichtes Ersetzen des Methans durch Kohlendioxid auf lange Sicht negative Folgen haben", erklärt John Lynch. Wenn also mithilfe der synthetischen Fleischproduktion das Klima geschützt werden soll, muss diese vorher noch viele Bedingungen erfüllen. Unumgänglich: Die Nutzung kohlenstofffreier Energie für die Herstellung. Doch anstatt vom Laborfleisch zu träumen, wäre es vielleicht das Klügste, ganz einfach den Heißhunger auf Fleisch zu zügeln.

• Maximilian Vogel
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