Umstrittenes Experiment: Forscher erschaffen ein Schwein-Affe-Hybridwesen
Umstrittenes Experiment: Forscher erschaffen ein Schwein-Affe-Hybridwesen
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Umstrittenes Experiment: Forscher erschaffen ein Schwein-Affe-Hybridwesen

So etwas gab es noch nie: Biologieforschern gelingt es, sehr spezielle Lebewesen zu erschaffen, die zur Hälfte Schweine und zur Hälfte Affen sind. Dies wirft natürlich ethische Fragen auf, könnte uns aber auch dabei helfen, dem Mangel an Spenderorganen entgegenzuwirken.

Von außen könnte man meinen, es handle sich um vollkommen normale Schweine. Doch in Wahrheit sind diese beiden Ferkel auch ein klein wenig Äffchen. In China generieren Forscher nämlich Hybridwesen, indem sie Stammzellen von Primaten in Schweineembryonen einpflanzen.

Wie das wissenschaftliche Magazin New Scientist berichtet, werden die Embryonen daraufhin in die Gebärmutter von weiblichen Schweinen eingesetzt. Die daraus entstandenen Mischwesen werden auch Chimären genannt, da sie sowohl die DNA von Schweinen als auch die von Affen besitzen (auch Menschen wurden übrigens schon mit Schweinen gekreuzt).

Mit diesem Experiment wollen die Wissenschaftler langfristig menschliche Organe in Tieren heranzüchten, um diese schließlich dem Menschen transplantieren zu können und so dem Mangel an Spenderorganen entgegenzuwirken.

Denn laut aktuellen Statistiken stehen in Deutschland derzeit etwa 9.500 Menschen auf der Warteliste für eine Organtransplantation. Im Jahr 2018 sterben 901 Personen, die auf ein Spenderorgan warten. Derzeit wird sich die Forschung aber wohl auf rein tierische Zellen beschränken: Mischwesen aus Affe und Mensch würden eine Vielzahl an "ethischen Problemen" aufwerfen, wie die Forscher in ihren Schlussfolgerungen berichten, die am 28. November 2019 in der Zeitschrift Protein & Cell erscheinen.

Wenige Primatenzellen

Um diese Hybridwesen zu erschaffen, züchten die Autoren der Studie erst Zellen eines Langschwanzmakaken (Macaca fascicularis) im Labor. Dann verändern sie die DNA dieser Zellen, damit sie GFP, ein grün fluoreszierendes Protein, produzieren.

Das Ziel dahinter ist, dass die Zellen giftgrün leuchten. Die leuchtenden Zellen bilden schließlich embryonale Stammzellen aus, die ebenfalls fluoreszieren. Diese Stammzellen werden in Schweineembryonen eingepflanzt. Das Leuchten der Stammzellen ermöglicht es den Forschern, die Affenzellen in den Embryonen während ihrer Entwicklung zu Ferkeln nachverfolgen zu können.

Insgesamt werden die Zellen bei 4.000 Embryonen eingepflanzt. Zehn Ferkel werden in Folge dieser Prozedur geboren, doch nur zwei von ihnen entwickeln neben der Schweine-DNA auch eine Affen-DNA.

Durch die Überprüfung der leuchtenden Flecken entdecken die Wissenschaftler Affenzellen in mehreren Organen: dem Herz, der Leber, der Milz, der Lunge und der Haut. Angesichts der Gesamtzahl der Zellen sind die Hybridwesen jedoch zu über 99 % Schweine.

Die Angst vor einem menschlichen Bewusstsein

Auch wenn schlussendlich nicht viele Affenzellen in den Ferkeln übrig sind, übersteigt ihre Anzahl dennoch die höchste Anzahl von menschlichen Zellen, die je in einem Hybridwesen zwischen Mensch und Tier zu finden sind.

Im Jahr 2017 erschaffen Wissenschaftler nämlich bereits ein Mischwesen zwischen Schwein und Mensch: In diesem Lebewesen kommt nur eine einzige menschliche Zelle auf 100.000 Schweinezellen.

Aus ethischen Gründen ist jedoch der maximale Entwicklungszeitraum dieser Schwein-Mensch-Embryonen auf einen Monat festgelegt. Bei den Experimenten besteht nämlich die Furcht, dass sich menschliche Zellen im Gehirn des Hybrids bilden und dem Tier somit ein menschliches Bewusstsein verleihen.

"Ziemlich ernüchternd"?

Das nächste Ziel besteht für das Forscherteam rund um Tang Hai, Ko-Autorin der Studie und Forscherin am State Key Laboratory of Stem Cell and Reproductive Biology in Peking (China) darin, den Anteil der Affenzellen in Relation zu den Schweinezellen kontinuierlich zu erhöhen. Als Langzeitziel wird angestrebt, vollständige Primatenorgane in Schweinen heranzuzüchten.

Für den Biologen Paul Knoepfler, Stammzellenexperte an der University of California (USA), ist dieser kürzlich veröffentlichte Forschungsbericht jedoch "ziemlich ernüchternd", wie er es gegenüber New Scientist erklärt.

Die zwei Hybridwesen wie auch die acht anderen Ferkel sterben nämlich kurz nach ihrer Geburt. Die Todesursache verweilt im Dunkeln. Laut Tang Hai würde der frühe Tod aber eher mit der In-vitro-Fertilisation (IVF) zusammenhängen als mit dem Einpflanzen der Affen-DNA.

Von Maximilian Vogel
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