Mythos Fledermaus: 6 gängige Irrtümer im Check

Fledermäuse stehen bei vielen Menschen in Verruf bzw. werden nahezu gefürchtet. Vieles davon beruht auf hartnäckigen Irrtümern und falschen Informationen. Wir werden versuchen, hier Klarheit zu schaffen.

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Vor allem aufgrund transatlantischer Spukgeschichten haben viele Menschen negative Assoziationen mit Fledermäusen. Zu Halloween erscheinen sie oft als niederträchtige, Unheil verkündende Wesen - sieht man mal von Batman ab.

Auf unserem Weg, Irrtümer und Falschinformationen zu Fledermäusen auszuräumen, liefert uns Rob Mies, der Leiter einer Organisation für Fledermausschutz mit Sitz in Michigan, USA, wichtige Informationen. Betrachten wir jetzt einmal verschiedene der ständig wiederkehrenden Irrtümer.

Wollen Fledermäuse unser Blut?

Sogenannte Vampirfledermäuse sind klein und wiegen höchstens 50 Gramm. Die in Mittel- und Südamerika heimischen Säuger ernähren sie sich hauptsächlich von Rinderblut. Selten haben sie Menschen gebissen.

Vampirfledermäuse gehen wie Moskitos vor. Rob Mies erklärt:

Sie lecken etwa einen Löffel voll Blut und ihr Speichel enthält ein gerinnungshemmendes Enzym, das dafür sorgt, dass das Blut weiterfließt.

Du bist “blind wie eine Fledermaus“

Hier handelt es sich um einen klaren Irrtum, denn größere Fledermäuse „können dreimal besser sehen als Menschen“, wie Mies erläutert.

Fledermäuse verfangen sich in unseren Haaren

Fledermäuse sind wahre Tiefflugkünstler. Sie gleiten oft knapp über unsere Köpfe hinweg, weil sie Insekten nachjagen, die nahe am Boden herumfliegen. Fledermäuse sind also sicher nicht an unseren Frisuren interessiert, oder wollen gar dort nisten. Mies sagt hierzu:

Es gibt keine Fledermausarten, die Nester bauen.

Fledermäuse haben Tollwut

Es ist überaus unwahrscheinlich, von einer tollwütigen Fledermaus gebissen zu werden. Allein schon deshalb, weil tollwütige Exemplare Menschen erst dann beißen, wenn sie angefasst werden, wie auch die NABU berichtet.

Kranke, verletzte oder erschöpfte Tiere soll man daher besser nicht anfassen, und wenn dann nur mit einem dicken Handschuh.

Fledermäuse sind die Pest

Das stimmt auch nicht, sie werden vielmehr selbst von einer schweren Krankheit bedroht, dem White-Nose-Syndrom.

Durch diese Erkrankung brauchen die Tiere während ihres Winterschlafs ihr Körperfett auf und verhungern, bevor es Frühling wird. Dem White-Nose-Syndrom sind im Nordosten der USA seit 2006 etwa 5,7 Millionen Tiere zum Opfer gefallen.

Fledermäuse sind unwichtig

Rob Mies kann mit anderen Irrtümern gut leben, aber nicht mit diesem. Er sagt dazu:

Wenn Leute glauben, dass Fledermäuse wertlos sind, ist das das größte Problem.

In der Tat tragen verschiedene Fledermausarten und insbesondere die Flughunde enorm zur Samenverteilung in den Regenwäldern bei. Genau wie Bienen sind Flughunde ebenfalls Bestäuber und somit für zahlreiche wirtschaftliche Anbauflächen unentbehrlich.

Eine Studie aus dem Jahr 1999 zeigt, dass 300 Pflanzenarten für ihre Verbreitung auf Flughunde angewiesen sind. Flughunde fressen Früchte und verteilen deren Samen dann über ihre Ausscheidungen. Samen können dabei über Hunderte Kilometer weit verteilt werden.

Eine neue Sicht auf Fledermäuse, unsere Nutzbringer

Wie besonders am letzten Punkt deutlich geworden ist, bringen Fledermäuse der Natur wie auch unserer Wirtschaft großen Nutzen. Wusstest du außerdem schon, dass sie einen ganz besonders raffinierten Trick haben, um sich beim anderen Geschlecht interessant zu machen?

Ein weiterer positiver Aspekt der Fledermäuse wird auch gern übersehen: Sie vernichten auf ganz natürliche Weise riesige Mengen von Ungeziefer. In einer einzigen Nacht kann auf diese Art ein einziges Tier mehrere Tausend Insekten fressen.

Es ist also höchste Zeit, unsere überkommenen Ideen zu Fledermäusen über Bord zu werfen und sie als nützliche Geschöpfe zu schätzen. Auch Batman wird uns das danken!