Lebensgefährlich statt rettend: So wird das Smartphone schnell zur Todesfalle beim Wandern

Wandern kann ganz schön gefährlich werden und das vor allem mit dem Smartphone. Immer mehr gefährliche Situationen häufen sich, warnt nun ein Expertenteam.

Expertenteam warnt: So wird das Smartphone schnell zur Lebensgefahr in der Natur
© Patrick Schöpflin@Unsplash
Expertenteam warnt: So wird das Smartphone schnell zur Lebensgefahr in der Natur

Schon mal wandern gewesen? Was sich leicht anhört, ist in der Praxis gar nicht so ungefährlich. Wenn man nämlich alleine und unerfahren in der Natur unterwegs ist, können schnell Pannen eintreten, man kann sich verlaufen und vieles mehr. Die Gefahr kann ganz schnell lebensgefährlich werden.

Smartphone in der Natur irreführend bis lebensgefährlich

Auch wenn man denkt, dass einem nichts passieren kann, wenn man mit seinem neuesten Smartphone in der Wildnis unterwegs ist, wird als unerfahrener Wanderer schnell eines anderen belehrt.

Während viele bereits wissen, dass das Aufladen des Handys neben dem Bett eine tödliche Gefahr in sich birgt, warnen Expert:innen nun davor, dass das Handy irreführend und im schlimmsten Fall beim Wandern sogar lebensgefährlich werden kann. Wie kann das sein?

Mittlerweile sind eigentlich alle Smartphones mit Taschenlampe, Notruf und einem GPS ausgestattet. Viele verwenden Google Maps oder eine andere App, die es einem ermöglicht, sich zu lokalisieren und eine Wegbeschreibung abzurufen.

Schattenseiten des GPS am Smartphone

Was im Straßenverkehr heutzutage nicht mehr wegzudenken ist - kaum jemand fährt ohne Navigationsgerät in einer Stadt, sei es auch nur, um zu wissen, wo der nächste Radar steht -, so hat das GPS auch seine Schattenseiten.

Viele verlieren ihren Orientierungssinn oder entwickeln gar keinen, da sie sich ständig oder wie viele der Generation Z von Anfang an auf ihr Smartphone verlassen. Geht ihnen dann der Akku aus, ist die Verwirrung und Panik groß. Smartphone-Sucht lässt grüßen.

Beim Wandern kann dies dann besonders gefährlich sein. Ohne Grundkenntnisse zur Orientierung - wo die Sonne steht, um die Himmelsrichtung auszumachen, oder sonstige Arten, sich beispielsweise im Wald an den Weg zu erinnern - kommt es immer wieder zu lebensgefährlichen Situationen.

Meist kann man von Glück reden, wenn man gefunden wird - wie dieser Mann, der kurz bevor ihm sein Akku ausgeht noch ein Foto verschickt. Andere bringen sich direkt durch ihr Smartphone in Gefahr, weil sie an einem gefährlichen Ort ein Selfie schießen.

Das Smartphone kann uns in der Natur ziemlich in die Irre führen und im schlimmsten Fall in Lebensgefahr bringen. Kelsey Vere@Pixabay

Expert:innen warnen vor dem Wandern mit Google Maps

Nun warnt auch eine professionelle Organisation, Mountaineering Council in Schottland, wie die BBC berichtet, vor dem Wandern mit dem Smartphone. Der Grund: Es häufen sich immer mehr Unfälle und gefährliche Situationen, da es die Menschen durch die Pandemie verstärkt in die Natur zum Spazierengehen und in die Berge zum Wandern treibt.

Das GPS am Smartphone hat Bergwanderer, die nicht geübt sind im Umgang mit Karte und Kompass, dazu ermutigt, diese Fertigkeit zu "erlernen" und sich auf die Weganzeige von beispielsweise Google Maps zu verlassen.

Viele Fälle, die eine Rettung benötigen, hätten durch die einfache Verwendung einer Karte und eines Kompasses verhindert werden können. Bergsicherheitsberaterin Heather Morning erzählt von einem Fall eines Paares, das sich am Berg verirrt hat und der Bergrettung ihre Positionsdaten geschickt hat. Gegenüber der BBC erklärt sie:

Wenn sie nur in der Lage gewesen wären, die Gitterreferenz mit der Karte, die sie hatten, in Verbindung zu bringen, hätten sie den Berg sicher und alleine verlassen können. Sie hatten einfach nicht das Wissen, um die Mittel, die sie hatten, richtig zu benutzen oder ohne sie zu navigieren. Sie hatten Glück, dass sie an der Stelle, an der sie sich 'verlaufen' haben, Handyempfang hatten, sonst wäre es vielleicht eine ganz andere Geschichte geworden.

Google Maps hat bereits zahlreiche Bergsteiger:innen auf "potenziell tödliche" Pfade geführt, wie News24 berichtet, bei denen sie Klippen und steiles, felsiges Gelände überqueren müssten. So auch auf den höchsten Gipfel Schottlands und Großbritanniens Ben Navis, der ein beliebtes, aber gefährliches Klettergebiet darstellt.

Am besten einfach das Wandern genießen und der Wegbeschreibung folgen. Hermann Traub@Pixabay