Erstaunliche Gemeinsamkeit: Diese Pinguine sprechen ganz ähnlich wie wir
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Erstaunliche Gemeinsamkeit: Diese Pinguine sprechen ganz ähnlich wie wir

In einer Studie analysieren Forscher die Sprache der Brillenpinguine und entdecken, dass diese zahlreiche Gemeinsamkeiten mit der menschlichen Sprache aufweist.

Bisher gilt die Annahme, nur Primaten hätten eine Sprache, die der des Menschen im Aufbau ähnelt. Doch ein Team aus französischen und italienischen Forschern macht nun eine interessante Entdeckung zur Kommunikation der Brillenpinguine.

Eine ähnliche Logik hinter dem Satzbau

Hinter der Logik der menschlichen Sprache liegen zwei wichtige Prinzipien. Zum einen gilt das Zipfsche Gesetz, das besagt, dass die kürzesten Wörter auch die am häufigsten verwendeten sind. Diese Wörter sind etwa und, die oder am.

Zum anderen gibt es das Menzerath-Altmann-Gesetz. Paul Menzerath und Gabriel Altmann erkennen das folgende sprachliche Muster: Je länger ein Wort ist, umso kürzer sind die Silben, aus denen es sich zusammensetzt, und umgekehrt. Diese beiden sprachlichen Regeln sind von grundlegender Bedeutung. Bis zur vorliegenden Studie werden Ähnlichkeiten zu diesen Prinzipien nur in den Sprachen mancher Primaten erkannt.

Das Forscherteam studiert Aufnahmen der Töne, die Brillenpinguine in italienischen Zoos von sich geben. Die Ergebnisse, die am Mittwoch, den 5. Februar, in der ZeitschriftBiology Letters erscheinen, sind äußerst aufschlussreich.

Drei deutlich erkennbare Töne

Ältere Studien zeigen bereits, dass Pinguine ein komplexes Stimmrepertoire besitzen, das sich aus "Rufen" und "Liedern" zusammensetzt. Für "ekstatische Lieder" werden drei verschiedene klare Töne verwendet. Diese wären also die Entsprechung zu den Silben in unserer Sprache.

Durch das Erkennen dieser Töne gelingt es den Forschern zu verstehen, wie die Brillenpinguine "ihre Sätze bilden." Von den drei Tönen, die durch Ein- und Ausatmen gebildet werden, wird der kürzeste (der ca. 0,18 Sekunden lang ist) am häufigsten verwendet. Der längste dauert 1,14 Sekunden und wird am wenigsten verwendet.

Unsere Ergebnisse zeigen, dass der Gesang des Brillenpinguins das Zipfsche Gesetz und das Menzerath-Altmann-Gesetz befolgt. Damit wird zum ersten Mal bei einer Tierart außerhalb der Primatenfamilie nachgewiesen, dass in den Stimmsequenzen die sprachlichen Gesetze eingehalten werden.

Andere Gemeinsamkeiten mit dem Menschen

Stehen wir durch diese Erkenntnisse nun dem Pinguin näher? Das ist fraglich, denn die Forscher räumen ein, dass noch überprüft werden muss, was genau für eine Bedeutung hinter der Häufigkeit der Verwendung der "Töne" steckt.

Es ist jedoch keineswegs das erste Mal, dass wir Gemeinsamkeiten mit dem Pinguin entdecken. Erst im Sommer 2019 "adoptiert" ein homosexuelles Pinguinpaar ein Ei im Berliner Zoo.

Die Natur steckt voller Überraschungen. Die Brillenpinguine werden also noch weiter erforscht, sind aber leider vom Aussterben bedroht. Im 19. Jahrhundert gab es noch bis zu zwei Millionen Exemplare. Im Jahr 2000 waren nur noch 500.000 übrig und laut Zahlen aus dem Jahr 2011 könnten es derzeit nicht einmal mehr 50.000 sein.

Von Martin Gerst
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