Covid-19 in China: Kommt es zu einer zweiten, aggressiveren Welle des Virus?
Covid-19 in China: Kommt es zu einer zweiten, aggressiveren Welle des Virus?
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Covid-19 in China: Kommt es zu einer zweiten, aggressiveren Welle des Virus?

In China werden die Ausgangsbeschränkungen Schritt für Schritt gelockert, aber im Land herrscht Angst vor einer zweiten Welle mit einem möglicherweise mutierten Virus.

In Wuhan (China), dem Epizentrum der Epidemie, wird die Quarantäne langsam gelockert und die normale Aktivität des Landes wieder hochgefahren. Die Angst vor einem möglichen erneuten Anstieg der Covid-19-Fälle hält das Land weiter in Atem. Das gilt vor allem in der Metropole Harbin nahe der russischen Grenze, wo die Behörden die Maßnahmen nach Auftreten neuer Infektionen verschärft haben. Dabei handelt es sich angeblich um einen neuen Genotyp des Virus, der noch aggressiver als Covid‑19 ist.

Eine zweite Welle aus dem Ausland?

Wurde die gefürchtete zweite Welle des Virus von aus dem Ausland einreisenden Person importiert? Das ist die Vermutung der chinesischen Behörden, die bestätigen, dass die Provinz Heilongjiang, wo auch die Stadt Harbin mit 11 Millionen Einwohnern liegt, kürzlich einen Anstieg der Infektionszahlen verzeichnete. Diese könnten mit der Rückkehr chinesischer Einwohner aus Russland zusammenhängen.

China: Eine Mutation des Virus? d3sign@Getty Images

Eine Mutation des Virus?

Chinesischen Forschern zufolge gibt es zwei Stämme oder Varianten des Covid-19-Virus, die zwei Evolutionsstadien abbilden. "Genanalysen von 103 Genomen von SARS-CoV-2 haben gezeigt, dass das Virus sich zu zwei Hauptvarianten entwickelt hat (mit der Bezeichnung L und S)".

Chinesische Forscher glauben, dass die S-Variante des Virus die ältere ist, und von tierischen Stammzellen kommt. Das wäre der für Menschen weniger aggressive Virus. Im Gegensatz dazu hat sich die L-Variante auf Basis des S-Typs entwickelt und an die menschliche Bevölkerung angepasst. Daher wäre dieser Typ für Menschen ansteckender und gefährlicher.

Vorsicht geboten, Zahlen sind zu relativieren

Laut französischen Behörden ist die Information zu einer möglichen Mutation mit Vorbehalt zu betrachten, sie rufen zu Vorsicht auf.

"Es handelt sich nicht um eine Mutation, sondern eine Evolution. Wir haben keinen Grund zu der Annahme, dass eine Variante gefährlicher wäre als eine andere. Studien dazu sind noch im Gange", erklärt Jérome Salomon.

Es gibt auch starke Zweifel an der Korrektheit der Zahlen aus China. Laut Gesundheitsbehörden habe Heilongjiang seit Beginn der Epidemie offiziell 921 bestätigte Fälle erfasst, davon seien 384 "importiert".

Neue Maßnahmen und politische Sanktionen

In Harbin, wo neue Infektionen in zwei Krankenhäusern festgestellt wurden, ist Menschen und Fahrzeuge, die nicht in der Stadt gemeldet sind, der Zutritt zu Wohngebieten untersagt. Behörden haben noch eine Zusatzmaßnahme angekündigt: Jede Person, die aus dem Ausland kommt oder aus Zonen in China, die stark von Covid-19 betroffen sind, wird unter verpflichtende Quarantäne gestellt.

Außerdem wurden Harbins Vizebürgermeister und der Chef der städtischen Gesundheitsagentur für ihren laxen Umgang mit der Epidemie "bestraft". So letzte Woche die Aussage der Überwachungsagentur für politische Vertreter.

Von Martin Gerst

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