50.000 Euro für Hitlers Zylinder: Seltsamer Hype um Nazi-Gegenstand
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50.000 Euro für Hitlers Zylinder: Seltsamer Hype um Nazi-Gegenstand

Das rote Telefon aus Hitlers Bunker, seine letzte Jacke oder ein Kleid von Eva Braun: Relikte aus dem Dritten Reich werden immer wieder für Versteigerungen freigegeben und erreichen dabei exorbitante Preise. Eine äußerst umstrittene Praxis.

Ein von Hitler getragener Zylinder, der Mietvertrag seiner Wohnung in München, Silberwaren aus seinem Feriendomizil Berghof, ein Cocktailkleid seiner Lebensgefährtin Eva Braun oder der Taufschein Hermann Görings: Am Mittwoch fand in Deutschland eine Versteigerung statt, die im Wesentlichen aus persönlichen Gegenständen von Adolf Hitler und hohen Vertretern des Nationalsozialismus besteht. Versteigerungen wie diese und der Handel mit Nazi-Gegenständen allgemein stößt weltweit auf Empörung.

600.000 Euro für eine Uniform, 229.000 für ein Telefon

"Der Handel mit solchen Gegenständen dürfte einfach nicht stattfinden", äußert sich Rabbi Menachem Margolin, Leiter der European Jewish Association, in einem Brief an das Auktionshaus. Ebenfalls fordert er die Bundesregierung auf, die Versteigerung von Nazigegenständen stärker zu kontrollieren.

Bei einer Versteigerung durch das Auktionshaus Hermann Historica lässt bereits 2014 ein geheimnisvoller Käufer 600.000 Euro für Hitlers letzte Uniformjacke oder für die Unterwäsche von Göring springen. Vor zwei Jahren erwirbt ein anderer Interessent das rote Telefon aus dem Bunker des Diktators für 229.000 Euro.

Getty Images Ein Bilderrahmen aus Silber, der vom Auktionshaus Hermann Historica angeboten wurde

Kontroversen auch im Nachbarland Frankreich

Auktionshäuser geraten in Deutschland immer wieder wegen ähnlicher Versteigerungen stark in die Kritik. So wechselt in München im Jahre 2016 eine Uniformjacke Hitlers für 275.000 Euro den Besitzer. Und erst Anfang 2019 werden in Nürnberg 63 Bilder, die angeblich von Hitler gemalt wurden, kurz vor der Auktion beschlagnahmt, da es Zweifel an ihrer Echtheit gibt.

Ein angeblich von Hitler gemaltes Bild aus dem Jahre 1911

Und auch im Nachbarland Frankreich führen kürzlich ähnliche Versteigerungen zu ähnlichen Kontroversen. Bei einer Auktion in Vannes im September wechseln 40 Nazi-Gegenstände den Besitzer (darunter Propagandawerke und -filme, Hakenkreuz-Flaggen, Ehrenabzeichen der Partei und Messer der Hitlerjugend).

Dies ruft sogar die Französische Liga für Menschenrechte (Ligue des droits de l’homme) auf den Plan. Sie empört sich darüber, dass "Symbole einer ekelerregenden Ideologie, die mit Personen in Verbindung stehen, die wegen Verbrechen gegen die Menschheit schuldig gesprochen wurden, ohne Filter oder Warnung pädagogischer Natur" zur Schau gestellt werden. Wir lehnen die Verharmlosung von Nazi-Gegenständen als einfache Kriegssouvenirs ab", lautet ihr Appell in den sozialen Netzwerken.

Keine "Neonazi-Propaganda"

In der umstrittenen Münchener Auktion ersteigert der libanesische Geschäftsmann Abdallah Chatila insgesamt zehn Gegenstände für insgesamt 545.000 Euro. Neben dem Hut des Diktators gehen auch Hitlers Zigarrenkiste, eine Schreibmaschine und eine Luxusausgabe von Mein Kampf aus dem Besitz von Hermann Göring in den Besitz des Libanesen über.

Der Geschäftsmann will mit dem Erwerb der Gegenstände verhindern, dass damit Neonazi-Propaganda betrieben wird, wie er in einem Interview mit der Bild klarstellt.

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Ich wollte verhindern, dass diese Gegenstände in falsche Hände geraten. Eigentlich wollte ich sie kaufen und danach zerstören lassen. Weg für immer. Aber jetzt habe ich beschlossen, sie den Juden zu schenken. Sie haben am meisten unter Hitler, der Personifizierung des Teufels, gelitten. Sie sollen jetzt entscheiden dürfen, was mit den Sachen passiert.

Spende an Holocaust-Museum

Zur Zeit lässt der neue Besitzer die Gegenstände auf ihre Echtheit prüfen. Danach möchte der Millionär die Gegenstände dem Holocaust-Museum Yad Vashem in Israel zur Verfügung stellen:

Ich wollte verhindern, dass diese Gegenstände in falsche Hände geraten. Eigentlich wollte ich sie kaufen und danach zerstören lassen. Weg für immer. Aber jetzt habe ich beschlossen, sie den Juden zu schenken. Sie haben am meisten unter Hitler, der Personifizierung des Teufels, gelitten. Sie sollen jetzt entscheiden dürfen, was mit den Sachen passiert.

Eine Geste, die besonders bei Rabbi Menachem Margolin auf Erleichterung stößt: "Wir sind Herrn Chatila zutiefst dankbar, dass keine Nazis kaufen konnten. Wir werden ihm für seine Verdienste im Januar 2020 in Auschwitz den symbolischen King David Award verleihen."

Martin Gerst
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