Morbillivirus: Das Delfin-Virus könnte eine weltweite Epidemie auslösen

Die Entdeckung eines neuen hochinfektiösen Virus lässt Wissenschaftler:innen befürchten, dass eine weitere globale Epidemie bevorstehen könnte, diesmal allerdings bei Meeressäugern.

Wissenschaftler:innen der Universität von Hawaii haben einen neuen und bisher unbekannten Stamm des Morbillivirus im Delfin entdeckt - einen Erreger, der bei Meeressäugern tödliche Infektionen verursachen kann.

Ein neuer abweichender Stamm

Entdeckt wurde das Virus bei einem Fraser-Delfin, der 2018 an eine Küste des Pazifiks gestrandet ist. Nach zwei Jahren intensiver Forschung kommen sie zu einem Ergebnis, welches in der Zeitschrift Nature Scientific Reports veröffentlicht wurde.

Demnach könnte das Virus eine globale Epidemie auslösen, da Delfine sehr soziale Tiere sind, die eng mit anderen Delfinen und Walen interagieren.

Details zur Untersuchung

Der Körper des Tieres schien gesund zu sein, aber seine Organe und Zellen weisen Anzeichen einer Krankheit auf. Es handelt sich um einen "neuen und stark abweichenden Stamm des Morbillivirus, den die Wissenschaftler:innen bisher nicht kannten", so Kristi West, Forscherin am Institut für Meeresbiologie der Universität von Hawaii.

Erkenntnisse wie diese beunruhigen die Forscher:innen, denn obwohl bisher nur eine Handvoll von Stämmen identifiziert wurden, könnte es zu tödlichen Erkrankungen bei Delfinen und anderen Meeressäugern kommen. Kristi West erklärt dies gegenüber University of Hawaii News:

Das Morbillivirus ist eine Infektionskrankheit, die weltweit für das Massensterben von Delfinen und Walen verantwortlich ist. Es ist mit den menschlichen Masern und Pocken verwandt.

Bedrohung für bereits gefährdete Arten

West erklärt weiter, dass das Virus besonders für die vom Aussterben bedrohten Arten der hawaiianischen Gebiete eine Gefahr darstellen könnte. Sie fügt hinzu:

Wir haben viele Delfin- und Walarten in den Gewässern um Hawaii herum. Etwa 20 Arten, die durch einen Ausbruch dieses Virus gefährdet sein könnten. Ein Beispiel sind unsere vom Aussterben bedrohten Schwertwale, von denen es schätzungsweise nur noch 167 Exemplare gibt. Sollte sich das Morbillivirus in dieser Walart ausbreiten, stellt es nicht nur ein großes Hindernis für die Erholung der Wale dar, sondern könnte auch für das Aussterben der Tiere sorgen.

2017 hat das Virus bereits in brasilianischen Gewässern für ein Massensterben gesorgt, als 200 Guayana-Delfine in nur zwei Monaten dem Virus erlagen.

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