Missverständliches Tafel-Foto sorgt für heftige Diskussionen
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Missverständliches Tafel-Foto sorgt für heftige Diskussionen

Ein Foto zeigt eine Muslima, die vor der Landauer Tafel aus einem Mercedes steigt. Der Schnappschnuss landet im Netz und sorgt für einen Shitstorm. Dabei verbirgt sich darin eine ganz harmlose Szene. Die Landauer Tafel selbst klärt auf.

Das besagte Foto wurde auf Facebook mehr als 30.000 Mal geteilt - und offenbar von vielen Nutzern falsch interpretiert. Auf dem Foto ist ein großer Mercedes zu sehen, der vor der Landauer Tafel parkt. Daraus steigt eine Frau mit Kopftuch, drei weitere Muslima warten vor dem Eingang der Tafel. Ein Nutzer schrieb: „Heute vor der Landauer Tafel. Läuft!" Und das war noch eine der milderen Reaktionen auf das Bild.

Ein Facebook-Nutzer wollte die Sache jedoch nicht einfach so hinnehmen und schrieb die Tafel direkt an. Die Antwort veröffentlichte er auf Facebook. Die Vorsitzende der Landauer Tafel, Kerstin Baudisch, stellte die Situation richtig: „Das Bild ist kein Fake, es ist am 15. März 2018 vor unserer Ausgabestelle aufgenommen. Die abgebildete Muslima gehört nicht zu unseren Besuchern. Sie holt lediglich eine deutsche, gehbehinderte Rentnerin ab. Diese kann die Tafel nicht mehr allein besuchen und wird von hilfsbereiten Nachbarn im Wechsel hingefahren.“ Baudisch erklärt, dass die Situation quasi genau andersrum stattgefunden hat: „Nicht die Ausländer nehmen den Deutschen etwas weg, sondern sie geben ihnen etwas - Beachtung für die Ärmsten und Hilfe. Eigentlich etwas völlig Selbstverständliches, für das jetzt aber wieder einmal eine ganze Bevölkerungsgruppe beschimpft wird.“

Außerdem weist die Vorsitzende der Landauer Tafel darauf hin, dass ihre Mitarbeiter stets sorgfältig prüfen, ob eine Bedürftigkeit besteht: „Die Besucher, die zu uns kommen und Lebensmittel erhalten, müssen mindestens einmal im Jahr ihre Bedürftigkeit nachweisen.“

Baudisch hofft, dass ihre Worte die richtigen Menschen erreichen, auch wenn sie da wenig Hoffnung hat: „Ich bitte Sie, diese Richtigstellung auch in Ihrem Bekanntenkreis weiterzugeben. Eine Darstellung auf Facebook habe ich nicht gepostet. Ich gehe davon aus, dass das die wenigsten lesen.“ Trotzdem schließt sie ihre Stellungnahme mit einem hoffnungsvollen Appell: „Ich bitte Sie, die Arbeit der Tafeln Arbeit weiterhin zu unterstützen und vor allen nicht auf völlig aus der Luft gegriffenen Beiträge mit dem Angriff auf eine komplette Bevölkerungsgruppe zu reagieren.“

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Von Fred Eilig
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