Belarussische Medien stellen Sprinterin Tsimanouskaya als gestörte Persönlichkeit dar

Nachdem die belarussische Sprinterin Krystsina Tsimanouskaya heil von den Olympischen Spielen in Tokio ins Asyl nach Warschau gereist ist, gibt sie nähere, erschreckende Einblicke in die Momente ihrer Flucht.

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Krystsina Tsimanouskaya ist mittlerweile in der polnischen Hauptstadt Warschau angekommen und hat bereits mehrere Interviews gegeben. Unter anderem berichtet sie, dass die Medien in ihrem Heimatland sie nun als psychisch Gestörte darstellen.

Die ganze Welt steht hinter ihr

Die 24 Weißrussin Krystsina Tsimanouskaya soll für ihr Land bei den Olympischen Spielen in Tokio den 200 Meter-Lauf absolvieren. Doch ihre Trainer ändern kurzerhand ihre Disziplin.

Tsimanouskaya kritisiert diese auf Instagram, was in Belarus als direkter Angriff auf das Regime verstanden wird. Daraufhin soll sie bekanntgeben, sie sei verletzt und unverzüglich in die Heimat zurückkehren.

Aus Angst vor heftigen Strafen vonseiten der Regierung sucht sie Hilfe bei der japanischen Polizei. Politisches Asyl wird ihr in Polen gewährt, wo sie gestern eintrifft.

Auch andere europäische Länder haben zuvor ihre Hilfe angeboten. Den beiden Nationaltrainern Artur Schimak und Juri Maisewitsch entzieht das Olympische Komitee am Freitag die Akkreditierung.

Versteckte Drohungen

Die Olympia-Athletin erzählt gegenüber der Welt, dass ihre Trainer ihr ernsthafte Konsequenzen angedroht hätten, würde sie "abhauen". Später sei ein Psychologe hinzugekommen. Tsimanouskaya sagt diesbezüglich:

Er sagte mir mehrfach, dass ich Probleme mit meinem Kopf hätte und fing an, unverständliche Dinge über manische Zustände zu erzählen. Er erklärte, dass Personen, die in so einem Zustand sind wie ich, sich das Leben nehmen.

In dem Kontext, in dem auch ihre Trainer vorher mit ihr geredet haben, kann davon ausgegangen werden, dass Tsimanouskaya diese Aussage aus gutem Grund als Drohung verstanden hat.

Eine "gestörte Persönlichkeit"

Zu der Entscheidung, politisches Asyl in Polen zu beantragen, habe sie ihre Großmutter ermutigt. Diese habe sie angerufen und sie angefleht, nicht nach Belarus zurückzukehren.

Das erklärt sie gegenüber Reuters. Ihre Eltern seien davon ausgegangen, dass man sie nach ihrer Rückkehr nach Belarus entweder in eine psychiatrische Klinik oder ins Gefängnis stecken würde.

Von ihnen wisse sie, wie sie der Welt berichtet, dass die belarussischen Staatsmedien sie als "gestörte Persönlichkeit in schlechter psychischer Verfassung" darstellen würden.

Im Interview mit Reuters sagt die über Nacht zur Berühmtheit gewordene Athletin zudem, dass sie Menschen helfen möchte, die Ähnliches durchmachen.