"Safe Houses" aufgegeben: 350 Ortskräfte in Afghanistan ihrem Schicksal überlassen

Die Taliban sind nach Kabul vorgedrungen und haben den Präsidentenpalast besetzt. Verstörende Szenen vom militärisch gesicherten Flughafen in Kabul gehen nun um die Welt. Während die westlichen Staatsangehörigen dieser Welt evakuiert werden, sitzen etliche Ortskräfte fest.

"Safe Houses" aufgegeben: 350 Ortskräfte in Afghanistan ihrem Schicksal überlassen
Weiterlesen
Weiterlesen

In der afghanischen Hauptstadt wurden rund 350 Ortskräfte aufgefordert, die von einer deutschen Organisation bereitgestellten "Safe Houses" zu verlassen. Denn diese Sammelunterkünfte seien jetzt die reinsten Todesfallen, so warnte der Vorsitzende des Patenschaftsnetzwerks Afghanischer Ortskräfte, Marcus Grotian.

Die Ortskräfte sitzen in einer "Todesfalle"

Diesen Informationen zufolge wurde den afghanischenOrtskräften nahegelegt, die drei "Safe Houses" unmittelbar zu verlassen. Der Informant berichtete, dass die einheimischen Helfer gegen Mittag die "Safe Houses" verlassen hatten. Es lagen zu diesem Zeitpunkt bereits Informationen darüber vor, dass die Taliban schon seit Sonntagabend die Häuser systematisch durchsuchten, so berichtete ein ehemaliger Übersetzer der Bundeswehr in Masar-i-Scharif gegenüber der Nachrichtenagentur dpa.

"Keine Möglichkeit mehr, Sie zu retten!"

Aus diesem Grund habe der Verwalter der "Safe Houses" beschlossen, die Unterkünfte auf schnellstem Wege aufzulösen. So werden nun 80 % der Ortskräfte mit ihren Familien den Taliban überlassen. Seinen Angaben zufolge haben die knapp 350 Menschen nun alle einzeln Unterschlupf in Kabul gefunden und seien in der Bevölkerung "untergetaucht". Markus Grotian, der selbst als Soldat in Afghanistan stationiert war, findet auf die Frage, wie man die zurückgebliebenen Ortskräfte noch retten könnte, kaum eine Antwort.

Im Gespräch mit ZDF Frontal sagte er: "Die deutsche Regierung hat keine Möglichkeit mehr, Sie zu retten. Verlassen Sie sofort das Safe House!" Die FAZ-Journalistin Livia Gerster teilte auf Twitter ein Video. In diesem kritisiert ein Übersetzer, der für die deutsche Spezialeinheit KSK arbeitete, das Vorgehen der Bundesregierung:

Wenn die Deutschen uns vor einem Monat oder zumindest vor zwei Wochen gesagt hätten, dass wir euch nicht mitnehmen, dass wir euch nicht helfen, dann hätten wir zumindest nach Pakistan fliehen können. Aber jetzt sitzen wir hier und sind einfach festgenagelt.